Quo vadis, FDJ?

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Quo vadis, FDJ?

Beitrag von Cookie » Fr Jan 24, 2020 10:08 pm

Der Start einer wegweisenden Saison

2020 – ein Jahr, was alles oder nichts bedeuten kann.
Wo soll die Reise noch hinführen? Diese Frage versuchte man intern auf der Führungsebene über die lange Winterpause zu klären. Doch man fand keine Antwort darauf, im Gegenteil. Über dem Team hängt ein großes Fragezeichen - über den Fahrern, den Kapitänen, den Saisonzielen – und vor allem auch über dem in der WT eher unbeliebtem Manager.

"Die letzte Saison hat viel Kraft gekostet. Insgesamt waren wir durchaus erfolgreich. Wieder haben wir Monumente geholt, wir haben WorldTour Rundfahrten gewonnen und bei den GT's für Furore gesorgt. Leider hat es für Mikel Landa als großer Favorit bei der Vuelta nur für Platz zwei gereicht. Auch Thibaut erreichte bei der Tour nicht einmal die Top 5. Die Fitness hat einfach bei beiden nicht gepasst. Das ganze Team richtet sich auf diese zwei Rundfahrten aus und wenn dann sowas passiert, zerrt das an allen Ende, ganz besonders an der Motivation. Auch die Anerkennung im Peleton fehlt völlig."

Negative Worte trotz eines insgesamt guten Jahres lassen vermuten, dass Manager Cookie wohl am Ende der Saison das Team verlassen könnte. Diese Spekulationen erhalten durch das Auslaufen seines Vertrages am Ende der Saison 2020 zusätzliches Feuer.

"Wir wissen noch nicht so richtig, wo es hingehen soll dieses Jahr. Deshalb konzentrieren wir uns erstmal auf Rennen, die wir lieben und die wir noch nie gewinnen konnten. Das steht erst einmal im Vordergrund."

Rennen, die wir lieben - aber welche sind das eigentlich?

"Ich denke da an die Baskenlandrundfahrt, ein Rennen, wo wir letztes Jahr viel Pech hatten. Ein Rennen, welches ich sehr schätze. Auch der Giro könnte ein großes Ziel werden. Unser Sieg dort mit Mikel 2018 wird nachwievor nicht anerkannt. Es schmerzt und es wäre sehr schön, wenn wir den Beweis liefern könnten, dass wir das Zeug dazu haben, eine Grand Tour zu gewinnen."

"Natürlich schielen wir auch auf Olympia und die Weltmeisterschaft. Das Amstel Gold Race fehlt noch in der Ardennen-Sammlung."

Und, wie er uns verrät, natürlich die Tour Down Under. Es wird der nächste Versuch, der nächste Griff nach dem Sieg am Willunga Hill. Die nächste Enttäuschung oder der erste Coup?

"Wir werden alles geben. Das Rennen ist wie jedes Jahr eines unserer Highlights."

Folgende Fahrer wird man auf die Reise nach Australien schicken:

C. Hamilton
B. O'Connor
D. Gaudu
M. Ladagnous
C. Harper
N. Earle
R. Power

Der Start einer richtungsgebenden Saison. Der letzte Saisonstart von Manager Cookie?

"Ich weiß es nicht."
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Re: Quo vadis, FDJ?

Beitrag von Cookie » Do Apr 23, 2020 9:36 pm

Mehr Licht als Schatten?

Der Saisonstart ist vorrüber, die ersten 3 Monate sind Geschichte und die Covid-19-Krise gibt uns genug Zeit, das Erreichte Revue passieren zu lassen und zu evaluieren.

"Durch die vielen guten Ergebnisse zu Beginn der Saison wurden wir direkt zum Topfavoriten aus die Verfolgung von Lotto-Soudal im World Tour Ranking. Die Lobeshymnen waren natürlich balsam für die Seele und Anerkennung ist immer schön", sagt Manager Cookie.

Und durchaus - die ersten Rennen liefen ausgesprochen gut. David Gaudu schaffte beim Aufktakt in Australien einen 2. Platz bei der Tour Down Under, während Edelhelfer Chris Hamilton auf Platz 7 fuhr. Daraufhin folgten Rundfahrtsiege durch Thibaut Pinot und Guillaume Martin sowie ein Klassikersieg von Neuzugang Mikel Bizkarra - alle eingefahren in Frankreich.

"Über solche Überraschungssiege freut man sich natürlich nochmal ganz anders. Besonders wenn sie von einem so tollen Neuzugang wie Mikel eingefahren werden, der sich vom ersten Tag an perfekt ins Team eingegliedert hat."

Mikel Landa landete dann bei der nächsten WT-Rundfahrt, der UAE-Tour, den nächsten Coup. Nach dem Sieg der Königsetappe verteidigte FDJ das Führungstrikot bis zum Schluss und bescherrte damit dem Team den ersten WT-Rundfahrtsieg des Jahres.

"Man merkte richtig einen Ruck, der durch das Team ging. Alle spürten, dass dieses Jahr anders ist, das mehr drin ist. Als dann auch Julian anfing zu gewinnen, war auch der letzte in der Mannschaft von der Stärke des Teams überzeugt. Der Sieg von Fipsi bei Strade Bianche war ein besonderer, da er das Rennen nur als Formaufbau nutzen sollte. Bei Tirreno-Adriatico lief es dann nicht ganz so gut für ihn, sodass er sich für Gaudu in die Helferrolle begab. Platz 8. dort war etwas enttäuschend, wurde jedoch schnell von Thibaut in den Hintergrund gerückt, der beim Parallelrennen zwischen Paris und Nizza Platz zwei der Gesamtwertung und einen Etappensieg erreichte. Auf einmal fanden wir uns auf Platz eins der World Tour Rangliste wieder. Es war eine verrückte, aber wunderschöne Momentaufnahme, den wir als Lohn für die harte Arbeit der letzten Monate ansahen."

Und so kam die erste Top 10 Platzierung des Managers bei Mailand-San Remo wenig überraschend, als Alaphilippe auf Platz 8 fuhr. Anschließend erreichte Guillaume Martin bei der Katalonien Rundfahrt eine weitere Top 10 Platzierung bei einem WT-Rennen.
Soweit, so gut. Nun begannen die Kopfsteinpflasterklassiker.

"In diesem Moment schien es, als würde alles klappen. Nils Politt gewann den ersten WT-KSP-Klassiker des Jahres und wurde 4. beim zweiten in Belgien. Die ersten Gradmesser vor den "3 Großen" - Gent-Wevelgem, Ronde van Vlaanderen und die Königin: Paris-Roubaix."

Mit dem gewonnenen Selbstvertrauen und enormer Stärke ging Nils Politt in die besagten Rennen. Doch es folgten wahre Katastrophentage...und die Saison begann sich zu kippen.

"Es war einfach unglaublich. So etwas hatten wir in den bisherigen Jahren noch nie erlebt. Nils hatte permanent mit Blocks zu kämpfen, wurde immer und immer wieder minutenlang hinters Feld geblockt und musste alleine wieder auffahren, nur um dann wieder zurückgeblockt zu werden. Bei der Flandernrundfahrt schaffte er es trotz der Umstände in guter Verfassung in die Endphase des Rennens und kämpfte mit um den Sieg - und stürzte dann. Irgendwie war der Wurm drin, sodass es nur zu Platz 10, 11 und 11 reichte. Symptomatisch war der Schlussprint im Velodrom von Roubaix, wo Nils am Hinterrad von Peter Sagan hing. Kurz vor dem Sprint presste sich dann irgendwie Oliver Naesen dazwischen, der aber völlig am Ende war und 20. aus der 20. Mann Gruppe wurde. Leider wurde Nils dadurch die Top 5 Platzierung zunichte gemacht - so läuft das leider. Wir waren alle extrem enttäuscht nach dieser Kampagne und versuchten uns irgendwie auf die Baskenlandrundfahrt zu konzentrieren."

David Gaudu sollte diese gewinnen. Er trat in atemberaubender Topform an und dennoch reichte es trotz eines Etappensieges nur zu Platz 2 in der Gesamtwertung, knapp geschlagen von Fuglsang.

"David hatte die Form seines Lebens zu seinem Saisonhighlight. Jedoch klagte er an jedem einzelnen Tag über müde Beine, was das Projekt Gesamtsieg fast unmöglich machte. Komische Zeitnahmen, eine fragwürdige Teamattacke von UAE und die steigende schlechte Stimmung im Team waren letztendlich für die knappe Niederlage ausschlagebend. Am Ende hören sich die Ergebnisse gut an, doch zu Beginn der Saison hatten wir die Tour Down Under, Paris-Nizza und die Baskenlandrundfahrt als unbedingte Siege auserkoren. Wenn man dann immer nur auf Platz 2 fährt, ist das extrem frustrierend, auch wenn das vielleicht bei anderen nicht so gut ankommt."

Der super Saisonstart war vergessen, eine miese Aura umgab Team und Management. Das nächste riesengroße Ziel, das Amstel Gold Race, stand dann vor der Tür.

"Es kam natürlich ziemlich unpassend. Anders kann man es nicht sagen. Das Amstel Gold Race fehlte Julian und dem Team noch in der Ardennen-Sammlung. Bisher schafften wir nicht mal die Top 10. Die Erwartungshaltung war nach den letzten Wochen auf dem Tiefstand."

Doch Alaphilippe ist nun mal Alaphilippe.

"Julian ist unfassbar. Das ganze Team hat einen tollen Job gemacht den Tag über. Julian hat dann planmäßig früh, außerplanmäßig sehr früh angegriffen - ca. 38km vor dem Ziel. Nur Fuglsang konnte folgen. Die zwei waren sich sofort einig und machten gemeinsame Sache, um das noch stark besetzte Feld in Schach zu halten. Ich sagte Julian, er soll mit hohem Tempo in die Anstiege gehen, um Jakob zu testen. Doch er war auf dem selben Level. Als Woods dann kurz vor dem Ziel zu den beiden aufschloss, wurde es noch einmal richtig spannend. Doch Fipsi hat das ganz souverän nach Hause gefahren. Der Sieg ist eine unendliche Befreiung und bedeutet uns allen sehr viel."

...und ist gleichzeitig ein perfekter Start in die Hügelklassiker-Kampagne.
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Re: Quo vadis, FDJ?

Beitrag von Cookie » Mi Apr 29, 2020 3:30 pm

Interview mit Julian Alaphilippe zu Flèche Wallone

"Nach meinem Sieg im Amstel Gold Race bin ich völlig ohne Druck in dieses Rennen gegangen, was zur Abwechslung mal ein echt gutes Gefühl war. Allerdings hatte ich den Sieg etwas zu sehr gefeiert, sodass meine Beine an diesem Tag nicht gut waren. Nach etwa der Hälfte des Rennen geriet ich am linken Straßenrand in eine etwas blöde Situation, als mehrere Fahrer vor mir quasi Stehenblieben an einem Anstieg, wodurch ich wiederum hinter das Feld geblockt wurde. Genau in diesem Moment fiel auch der Funk aus, weshalb erst sehr spät die Hilfe meiner Teamkollegen eintraf. Es wurde außerdem hektischer, da einige Teams nun mächtig Tempo machten im Feld. Ob es damit zusammenhing, dass ich abgehängt war...ich weiß es nicht, aber vermutlich. Ich schaffte den Anschluss zwar nochmal, war nun aber natürlich schon etwas angeschlagen. Ich versuchte, auf den folgenden Kilometern so viel wie möglich Kraft zu sparen. Valentin fuhr mich vor der Mur de Huy in Position...ich rechnete mir eigentlich nichts mehr aus, doch irgendwie schaffte ich es beim Bergaufsprint an Valgren vorbei, zog voll durch und konnte Bardet quasi auf der Ziellinie noch überholen. Ein weiterer unfassbarer Tag. Der Sieg gibt uns allen viel Selbstbewusstsein, da aufgrund der vielen schlechten Umstände am Ende trotzdem der Sieg herausgesprungen ist."


Der Zielsprint im Video:

https://www.youtube.com/watch?v=URKrdP5 ... e=youtu.be

https://www.youtube.com/watch?v=MDu463v ... e=youtu.be

Fotofinish:

Bild
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