Israel Start-Up Nation 2022

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Timmy1983
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Israel Start-Up Nation 2022

Beitrag von Timmy1983 »

Reporter: Herzlich Willkommen lieber Manager Timmy vom Team Israel Start Up Nation. Es ist schön, Sie zum traditionellen Rückblickinterview wieder sehen zu dürfen!

Timmy: Sie wissen ja, ich bin ein Freund von Traditionen und freue mich, nochmal mit Ihnen über 2021 quatschen zu können.

Reporter: Sie haben jetzt Ihr viertes Radsportmanager Jahr hinter sich, wie war es für Sie?

Timmy: Wenn wir nach dem Ranking des Schwanzvergleichs gehen, war es das beste Jahr von Katusha/Israel seit vier Jahren, wenn nicht sogar in seiner ganzen Geschichte! Wir haben das untere Drittel verlassen und haben am Ende Platz 10 (oder Platz 11, zurzeit steht das Ranking mit den Ergebnissen nicht zur Verfügung) im Ranking eingenommen. Ein unglaublicher Erfolg, der nur durch kontinuierliche Arbeit möglich war.

Reporter: Wir haben gemerkt, dass Sie bei vielen einwöchigen WT Rennen in den Top Ten gelandet sind.

Timmy: Das ist richtig. Wir haben dieses Jahr versucht einen Schritt weiterzugehen. Wir haben einen Rennkalender für unser Team aufgestellt, der uns ermöglichen sollte, so viele Punkte fürs Ranking einzusammeln wie möglich. Edelhelfer wie Bennett, Masnada oder Ex Vueltasieger Zakarin spielten hier eine große Rolle. (Ich muss hier nochmal erwähnen, dass es so viel Spaß macht, dieses Fitnessverteilungssystem vor der Saison zu planen. Wir hoffen alle, dass beim neuen RSM 2021 diese traumhafte Komponente nicht verloren geht).

Reporter: Und bei den großen Grand Touren haben Sie auch eine gute Rolle gespielt oder wie sehen Sie das?

Timmy: Da haben Sie recht. Wir können beim Giro und besonders bei der Tour nicht klagen. Leider haben wir bei diesen Rundfahrten keinen Etappensieg erzielen können, aber bei der Vuelta ist dann der Knoten geplatzt. Aber ich denke, wir haben das Beste daraus gemacht.

Reporter: Wie meinen Sie das? Haben Sie andere Absichten gehabt?

Timmy: Leider haben wir dieses Jahr wieder unglaubliches Pech gehabt. Nibali wurde direkt vorm Giro abgewertet und sollte zunächst bei uns die Vuelta fahren. Man wollte aber auch die Entwicklungvon George Bennett abwarten, der dieses Jahr als alleiniger Kapitän den Giro (In der Wirklichkeit) bestreiten sollte. Was für eine damalige Chance für Bennett. Leider hat er sich bei Paris Nizza schlimm verletzt und konnte bis zum Girostart keine Rennen mehr fahren. Das rächte sich auch beim Giro, wo er schon bei den ersten Bergetappen viel Zeit verloren hat. Wir haben gehofft, er nutzt seine einmalige Chance als Kapitän von Jumbo Visma, aber das hat er nicht. Somit war uns klar, er wird die Vuelta nicht als Kapitän bei uns fahren. Aber hier im Management sichern wir uns immer doppelt ab. Leider musste Fausto Masnada für den nicht so fitten Evenepoel Helferarbeiten leisten. Später musste Fausto sogar den Giro verlassen, somit war die zweite Option für die Vuelta dahin. Nibali sollte für Trek nochmal als Kapitän in den Giro gehen (In der Wirklichkeit), aber zwei Wochen (vielleicht auch drei oder vier) vorm Girostart hat er sich die Hand gebrochen. So viel Pech muss ein RSM Manager erstmal haben ☹ also unsere drei möglichen Vuelta Optionen waren dahin.

Die erste Überlegung war es, den bergigen Giro mit Mas zu fahren. Aber wir haben uns kurzfristig für den schon abgewerteten Nibali entschieden. Er sollte zum letzten Mal nochmal alle Freiheiten bei uns erhalten. Eigentlich bei der Tour, denn er sollte nach 2020 wieder das Podium bei der Tour
angreifen. Aber wir wussten nach seiner Handverletzung vorm Giro und seiner Abwertung vorm Giro, dass Nibali JETZT nicht mehr zurückkommen sollte, wie erwünscht. Manche würden sagen, Timmy das war doch klar. Aber wir haben natürlich sehr viel Radromantik in uns. Wir haben an Nibali geglaubt.

Aber man muss es so nehmen wie es kommt. Vincenzo Nibali war also unser Kapitän beim Giro 2021.
Und Vincenzo hat es großartig gemacht. Mit seinen großartigen Berghelfern Froome und Zakarin konnte er sich in der ersten Woche vorne halten. Als es schwieriger wurde hat er Zeit verloren, aber am Ende ist man vor Bernal gelandet. Sein 6 Platz beim Giro war völlig in Ordnung und wir waren zufrieden.

Reporter: Sie haben Ihr Verletzungspech schon angesprochen. Wir als neutrale Beobachter haben das in den letzten Jahren bei Ihnen auch schon gemerkt. Dieses Jahr war es am schlimmsten, oder?

Timmy: Oh ja, dieses Jahr war es wirklich verrückt. Anderes Beispiel: Unser Talent Andrea Bagioli sollte Alaphilippe bei den Klassikern unterstützen. Nachdem Andrea eine Etappe im Frühjahr gewonnen hat, stürzte er im März. Er hatte große Knieprobleme und musste sogar operiert
werden. Erst nach 4 Monaten kam er wieder zurück. Das hat ihm wohl ein Jahr gekostet. Bei der Vuelta hat man wiedergesehen, was für ein Talent er besitzt. Er könnte der nächste Hügelsprinter werden. Die Zukunft bei Israel wird ihm gehören. Kurz vor der Vuelta hatte sich Fausto Masnada verletzt, das hat ihn wohl die Kapitänsrolle bei Quick Step für die Vuelta gekostet. Es war kein glückliches Jahr für meine Fahrer und vor ein paar Wochen hat sich Freddy Wright das Schlüsselbein gebrochen. Gestern hat sich Froome am Knie verletzt. Ich sag es Ihnen, einer da oben möchte uns nichts schenken! Bitte auch nicht das Karriereende von Aru vergessen, gerade nachdem er wieder in Form war 

Reporter: Kommen wir zu etwas Erfreulichem. Der dritte Platz bei der Tour de France. Wie war es für Sie?

Timmy: Immer noch unglaublich. Wir haben ja vorm Tourstart schon angekündigt, wir wollen „the Best of the Rest“ werden. Die beiden Slowenien sind zurzeit unbesiegbar, aber danach beginnt erst die wahre Tour 😉. Es war eine tolle Erfahrung dieses Ziel, beim größten Radrennen der Welt, erreicht zu haben. Am Abend hat man sich dann spät auf dem Balkon ein Glas Wein gegönnt 😊
Es war am Ende ein Sekundenspiel gegen Big G gewesen. Gerd hat alles herausgeholt!

Reporter: Wie lief der noch der Rest der Saison?

Timmy: So lala, nicht so richtig geil aber ganz so schlimm auch nicht mehr. Es gab kaum noch Siege, man hat aber weiterhin ganz gute Punkte für den Schwanzvergleich geholt. Bei der Vuelta ist man dann mit einem Ausreißer Team an den Start gegangen mit der Hoffnung, um Etappensiege zu fahren. Das ist uns dank Amezqueta dann auch gelungen. In den letzten beiden Phasen konnte Andrea Bagioli noch ein paar gute Ergebnisse für uns herausfahren. Hier ist besonders der zweite Platz beim italienischen Halbklassiker Giro dell'Emilia zu nennen.

Reporter: Lassen wir die Vergangenheit mal hinter uns und kommen zur Zukunft. Kommen wir zum Draftsystem. Bitte schildern Sie uns diese Wintertransferphase aus Ihrer Sicht.

Timmy: Dieses Draftsystem wurde eingeführt, um den nicht so starken Teams einen Vorteil ermöglichen zu können. Was vom Sinn her auch eine großartige Sache ist und den „kleinen“ Teams dieses Jahr auch wirklich geholfen hat. Aber es gibt auch Manager, die durch dieses System den
Wolfs im Schafspelz hinter sich gelassen haben. Damit die großen Teams doch noch zu Ihren Wunschfahrern gelangen konnten, wurden ethische Grenzen überschritten. Man wurde regelmäßig belästigt. Das hat doch alles sehr nachdenklich gemacht. Dieses System, welches für Chancengleichheit sorgen sollte, wurde zu einem Instrument des Hasses.
Im Endeffekt sind wir unserer defensiven Transferpolitik treu geblieben und haben uns wirklich nur auf die Talente konzentriert.

Reporter: Sie haben damals angekündigt, jedes Jahr einen neuen Toptransfer zu präsentieren. Aber mit Peter Sagan können Sie das doch nicht wirklich gemeint haben, oder?

Timmy: Ja, das stimmt. Letztes Jahr haben wir Enric Mas geholt. Dafür auch unsere ganze Sprintabteilung verkauft. Aber wir wollten uns in den nächsten Jahren bei den Gesamtklassementrennen weiter vorne positionieren und Mas sollte unser Kapitän für die nächsten
Jahre sein. Wir wollten unseren Wunschfahrer und Ausnahmestar Alaphilippe holen. Aber der Preis wurde am Ende einfach zu hoch, es wurde immer mehr verlangt und Gier nahm einfach kein Ende mehr! Verstehen Sie uns nicht falsch, wir hätten am Ende diesen Deal sogar eingetütet, aber durch die Transferrahmenbedingungen in dieser Eliteliga kam der Transfer zum Stichtag nicht zum Abschluss.
Als man dann von mehreren Seiten hörte, dass dieser geplante Deal völlig „bodenlos“ wäre, hat man Abstand von diesem Transfer genommen. Hier hat man gemerkt, diesen „Kannibalismus“ kann man einfach nicht mitgehen. Im Gegenteil, man hat sich von seiner ursprünglichen Transferpolitik verabschiedet. Man geht jetzt erstmal einen Schritt zurück. Man baut sich eine solide Basis auf, um in späteren Jahren mal wieder in Verhandlungen treten zu können. Aber jetzt schaut man erstmal auf Talente und auf Fahrer ab der dritten und vierten Reihe.

Reporter: Und was hat Peter Sagan mit dieser Rolle zu tun?

Timmy: Sie wissen ja, ich bin ein Radsportromantiker! Ich liebe die alten Stars der alten Vergangenheit! Aber wir wissen auch, das wird nicht die Zukunft für Israel Start Up Nation sein. Mit Peter Sagan ist die Akte, alte großartige Fahrer mit großem Namen geschlossen. Es wird keinen
Pinot, Dumoulin oder Porte mehr geben.

Reporter: Und wie sieht jetzt Ihre Zukunft aus?

Timmy: Wir nehmen den modernen Weg, wie einst Lotto, Movistar oder jetzt auch Trek. Wir versuchen uns bei den großen Talenten zu positionieren. Vielleicht reicht es nicht für die erste Reihe, aber ab der zweiten Reihe wollen wir da sein. Dann kommen Fahrer aus der dritten und vierten Reihe. Hier hat Managerkollege Akkez damals eine schöne Analyse geschrieben. Er hat es damals auf den Punkt gebracht, und wir versuchen diesen Weg zu gehen. Jetzt in dieser Transferphase war es uns wichtig unsere einzigen Talente zu halten. Aleotti, Bagioli und Wright sind unsere Zukunft. Dazu
kamen jetzt noch Andreas und Tobias Halland Johannessen und Sprinttalent Van den Berg. Diese Talente werden Israel nach vorne bringen. Fahrerisch aber auch als spätere Verhandlungsbasis für andere Top Transfers. Aber zuletzt hatten wir diese Basis nicht, und das mussten wir ändern.

Reporter: Wie sehen die Planungen denn für 2022 aus? Wie lauten Ihre Ziele?

Timmy: Das erzähle ich ein anderes Mal ;)
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