uhri trifft....World Tour Manager

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uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 17.02.2019, 20:23

Kommende Woche wird das erste Interview mit einem von euch veröffentlicht-wir freuen uns, dass niemand geringerer als "Mr.Excel" Kotschi zugesagt hat! Freut euch unter anderem auf eine Kampfansage an Lotto Soudal!

Zu folgenden Rennen sind Interviews geplant:

UAE Tour: Kotschi

Paris Nizza/Tirreno Adriatico: Hakan

Mailand San Remo: Rene

KSP Rennen: TheBike

Flandern Rundfahrt: Cunego

Baskenland Rundfahrt: Cookie

Paris Roubaix: toprider

Tour de Romandie: eddie

Giro: Timmy

Kalifornien: Dani

Criterium Dauphine/Tour de Suisse: Gerd

Tour de France: Stefan

Polen: Basti

Binck Bank Tour: uhri

Vuelta: Akkez

Hamburg Cyclassics: Jonas

GPQuebec/GP Montreal: Rocky

Lombardei Rundfahrt: Morich


Wenn ihr Wunschtermine oder Änderungswünsche habt, meldet euch bitte bei mir!

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 06.03.2019, 16:49

"Big G wird Dumbo herausfordern, er soll ja nicht kneifen"

Kotschi im Interview über die UAE Tour, seine Saisonziele und warum der Gesamtweltcup für ihn ein Schwanzvergleich ist


Hallo Kotschi, in letzter Zeit hast du dich etwas rar gemacht. Man hörte von technischen Problemen, sind diese nun ausgeräumt?

Die Technik läuft wieder. Aber die Probleme werden dadurch nicht kleiner.

Heißt das, wir werden dich sobald nicht in den Rennen sehen? Was ist mit der Renntagsplanung, den Sprintwerten?


Renntagsplanung und Sprintwerte laufen zum Wochenende wieder wie gewohnt (Das Interview wurde vor 1,5 Wochen aufgezeichnet)
Bei den Rennen werde ich mich auf die wichtigen beschränken.

Nun steht die UAE Tour vor der Tür, ein wichtiges Rennen für deinen Sponsor. Wirst du dort sein? Mit welchen Ambitionen tritt das Team dort an?

Das Team arbeitet seit Wochen darauf hin, wir werden alles tun was nötig ist, um dem Sponsor einen Sieg zu bescheren.

Du hast in der vergangenen Transferperiode eine Menge investiert. Welche Hoffnungen verbindest du mit diesen Investitionen?


Der Sponsor will den Toursieg. Der geht nur mit Thomas. Und Thomas hatte unfassbare Bedingungen. Aber wir haben alles erfüllt und nun schaun wir ob es reicht.

Wie sieht denn der Fahrplan von "Big G" aus? Und wer wird sein Edelhelfer?

Big G wird nach der UAE Tour noch Tirreno Adriatico auf Klassement fahren. Vor der Tour wird er die Tour de Suisse fahren und nach der Tour noch die Vuelta auf Sieg fahren. Er hat bei jedem Rennen einen anderen edelhelfer. Bei der Tour werden es Atapuma und Barguil sein. In der Schweiz wird der Junge Ravasi ihn beschützen. Bei der vuelta ist Brambilla der Mann der für Big G da sein wird. Immer dabei sein werden die Zeitfahrspezialisten Brändle, Haga und Castro (gemeint ist Castroviejo)

Mit Stybar hast du auch einen starken Klassikerfahrer verpflichtet. Wo siehst du ihn stärker. Bei der Flandern Rundfahrt oder Paris Roubaix?


Man braucht in beiden Rennen einen super Tag und jede Menge Glück. Ich trau ihm in beiden Rennen den Sieg zu.

Viele wissen ja, dass du eine gute Beziehung zu Stefan hast. Was schätzt du an ihm besonders? Werden wir ihn in dieser Saison auch mal in deinem Teamauto sehen?

Er ist das wichtigste Rädchen im System unseres Teams. Er wird die Verantwortung bei der Tour im Teamwagen übernehmen, während ich vom Helikopter aus coache.
Am meisten schätze ich seinen Ehrgeiz, er ist ein Vorzeigebeispiel, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Egal ob in den Rennen oder auch im Ranking.

Kommen wir mal zu Off-Topics. Du hast mal gesagt, das Fahren an sich sei dir gar nicht so wichtig. Man könnte auch ruhig simulieren. Viele wissen von deiner besonderen Vorliebe für Excel. Da hast du eine andere Meinung als viele andere Manager. Erzähl mal:
Was magst du besonders an der Liga? Was gibt sie dir?

Ich liebe Realismus über alles und bin vom Ehrgeiz gepackt, die perfekte livetime Radsportsimulation zu erschaffen. Hinter den Kulissen testen wir jedes Jahr viele Ideen und Features. Aber diskutieren sie nicht mehr öffentlich. Ich war schon früher mehr der für „Anstoss“ als für FIFA (wer noch weiß was das ist). Sportmanager war mein Traumberuf. Zu mehr als Landesliga hat es leider nicht gereicht im echten Leben.

Du hast die Weltcupwertung mal als Schwanzvergleich bezeichnet. Erklär den Leuten doch mal, wie du das meintest.

Im wahren Radsport geht es niemandem darum das beste Team auf der ganzen Welt zu sein. Jeder hat seine ganz speziellen Ziele, ob nun die Tour, den Giro, oder nur eine Teilnahme bei einer GT oder dem Coupé de France. Der Gesamtweltcup ist aber für viele Manager das non plus ultra. Ich sehe darin den Grund vielen Übels....sinnlose Fahrweisen in den kleinsten Kirmesrennen, drei Fahrer in den Top 10 und und und... Ich freue mich jetzt auf die UAE Tour und fahre die Strecke vorher sicher ein paar mal ab. Das ist eines meiner Saisonhighlights. Wenn ich da was gutes schaffe, strahle ich bis Mitte Mai über beide Ohren.

Zum Abschluss eine einfache Frage: Wenn wir uns im November zum Saisonabschlussinterview treffen, was muss dann passiert sein, dass du sagst: "Das war eine gute Saison?"

Es muss einfach nur alles so bleiben wie es ist , dass alle Teams eine festen und aktiven Manager haben ist das Wichtigste. Wenn Katusha ein Podium bei ner GT holt wäre es die absolute Krönung.

Ich danke dir für dieses interessante Gespräch!
Ich hoffe, dass Dumbo jetzt nicht umplant und auf Paris Nizza und Dauphine´ ausweicht. Schreib das ruhig, dass Big G Dumbo herausfordert und er ja nicht kneifen soll.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 18.03.2019, 18:07

"Froome? Ich vermisse ihn nicht!"

Hakan im Interview über das bevorstehende Tirreno Adriatico, wie es zur Verpflichtung der Yates-Brüder kam und warum es zukünftig bei den Stages weniger Schafe geben wird


Die Fernfahrt Tirreno-Adriatico steht auf dem Programm. Hat das Team Sky da konkrete Ambitionen oder ist es nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu den Gts?

Gianni Moscon wird die ganze Unterstützung vom Team bekommen um die U25 Wertung zu gewinnen.Mit sehr viel Glück ist vielleicht das Podest drin.

Du hast ja mit Simon und Adam Yates zwei großartige Kletterer unter Vertrag. Werden beide eine GT als Kapitän bestreiten oder macht es vielleicht sogar Sinn, sie als Doppelspitze antreten zu lassen?

Simon wird im Mai den Giro fahren,Adam wird einer seiner wichtigen Helfer sein.Hiermit möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei dem geschätzten Kollegen Stefan bedanken,da jeder weiß, dass unsere Zusammenarbeit mit SKY am Ende der Saison ausläuft werde ich auf der Sponsorensuche sein und nicht beim Giro. Stefan wird das Team betreuen.

Apropos Yates-Brüder. Ein ehemaliger Manager, phil, hatte große Probleme damit, die beiden auseinander zu halten. Wie sieht das bei dir aus?

Ja denken Sie mir gehts anders 🤣

Du hast gerade die Sponsorensuche angesprochen. Es gab Gerüchte, die von einem niederländischen Manager gestreut wurden, dass der ehemalige Sponsor Cofidis wieder einsteigen könnte. Was kannst du dazu sagen?

Ja, das habe ich auch gehört, allerdings ist bis jetzt an der Sache nix dran.

Gegenüber dem letzten Jahr hat es in deinem Team keine großen Kaderveränderungen gegeben. Warst du mit deinem Team zufrieden, oder haben die Wunschtransfers einfach nicht geklappt?

Wir sind mit Adam,Simon und Gianni Moscon für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt, außerdem haben wir viele junge Fahrer wie Storer,Hindley, Knox usw. die sich noch viel entwickeln können. Daher sind wir sehr glücklich mit unserem Team.

Wenn du die Möglichkeit hättest, einen Fahrer deiner Wahl zu verpflichten, wen würdest du wählen?

Der Primoz Roglic würde sehr gut zu uns passen.

Ich schätze, da hat das Jumbo Team etwas dagegen;-) Früher hattest du mal Chris Froome unter Vertrag. Vermisst du ihn? Warum hast du ihn abgegeben?

Sicherlich wird es unmöglich sein den Roglic zu bekommen, da ich mit dem Manager von Jumbo ein gutes Verhältnis habe weiß ich wie sehr er ihn mag.Nun zur Sache mit Froomi: Nachdem wir die Tour mit Froomi gewonnen hatten war seine Aufgabe bei Team SKY erfüllt, allerdings hatte ich schon immer im Kopf ihn durch die beiden Yates Zwillinge zu ersetzen wodurch wir für die nächsten 10 Jahre die Abteilung Rundfahrt abgedeckt hätten.Und als der ehemalige Bora Manager Froomi haben wollte um die Tour zu gewinnen (verlor die Tour gegen Gnom mit 1 sek. Rückstand und hörte dann in der Liga auf) war es für mich klar ihn gehen zu lassen.Vermisse ich ihn? Nein das tue ich nicht.

Der große Sieg ist im letzten Jahr ausgeblieben. Was sind deine Ziele für dieses Jahr?

Wir sind kein Team mit großen Zielen, uns reichen schon gute Platzierungen aus um glücklich zu werden.

Man kennt dich als sehr emotionalen Manager. Früher führte das öfter mal dazu, dass du dich bei Stürzen oder Kritik an den eigenen Fahrern sehr aufgeregt hast. Das ist nun seltener geworden. Macht das das Alter?


Auf jeden Fall, mit dem Alter wird man ruhiger,da ich jetzt auch Opa bin steuert es viel dazu bei, das heisst aber nicht, dass ich gar nicht mehr emotional bin. Wehe einer beleidigt meine Fahrer, es sind meine Kinder.

Legendär sind deine Ausraster im ts. Warum trifft man dich dort nur noch selten an?

Ich leide seit einem Jahr an der Migräne, deswegen vermeide ich alles was mir Kopfschmerzen bereiten würde.

Dich zeichnet auch deine soziale Ader aus. Dies zeigt sich unter anderem auch durch deine zahlreichen Sponsoringaktionen. In diesem Jahr stiftest du Trikots für die Gewinner der GTs und von Paris Roubaix. Warum machst du das und wem würdest du einen Sieg am ehesten gönnen?

Es ist selbstverständlich für mich für die Liga was zu geben,durch die Sponsoringaktionen wird jeder immer ein Andenken an die Liga haben, gönnen würde ich es Timmy 🤣 und Cookie also den neuen die noch nix haben.

Zum Abschluss folgende Frage. Wenn du als Führender mit Yates in die Schlussetappe einer GT gehst, sollte diese dann lieber ein ZF oder ein Rundkurs sein?

Der Manager von Jumbo würde natürlich Rundkurs haben wollen weil er sturzgeil ist. Ich bleibe lieber bei ZF😘

Du zeigst dich auch sehr fleißig beim Stagebauen, ich erinnere mich an die Anfänge, da bautest du noch ohne Straßenmarkierungen und ohne Schafe, nun bist du da einer der Vorreiter. Warum ist dir deine Hilfe so wichtig und wie siehst du die Gemeinschaft in der Liga?


Ich sehe die Liga als ein Teil meiner Familie. Man freut sich immer auf die Freitags und Sonntags um ein bisschen abzuschalten. Ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei Dani,Uhri,Stefan und Kotschi bedanken, die viel Zeit für die Liga investieren. Ja aller Anfang ist schwer,Stagebauen ist gar nicht einfach und vor allem sehr zeitintensiv, mittlerweile habe ich auch viel dazu gelernt, aber Schafe brauchen wir wirklich nicht, oder?

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 21.03.2019, 20:30

"Was ich von Fabio Aru erwarte? Den Giro-Sieg!"

Rene im Interview über seine hoch gesteckten Ziele in der laufenden Saison, seine Top 3 Manager und welchen Fahrer er sich in sein Team zurückwünscht


Hallo Rene, es gab eine große Veränderung in deinem Team. BMC hat sich als Sponsor zurückgezogen, dafür kam mit Mitchelton-Scott ein neuer Sponsor ins Team. Wie ändert sich dadurch die Ausrichtung im Team?

Hallo Uhri, die Ausrichtung hat sich nicht groß verändert und in Zukunft wird es sich auch nicht ändern.Wir haben meiner Meinung nach ein super ausgeglichenes Team welches überall Erfolge einfahren kann, so sollte es auch sein, wieso also was ändern?

Obwohl du nun einen australischen Sponsor hast, hast du dich von Caleb Ewan getrennt. Warum?


Caleb fühlte sich eigentlich sehr wohl, nur sind wir der Meinung, dass wir mit Fernando Gaviria den weltbesten Sprinter im Team haben und er somit in den großen Rennen gesetzt ist. Caleb hat es aber verdient auch dort am Start zu stehen und um den Sieg zu kämpfen, also einigten wir uns darauf, dass er trotz gültigen Vertrags wechseln darf.

Mit Fabio Aru hast du einen neuen Rundfahrer verpflichtet. Was erwartest du von ihm?


Den Giro Sieg!

Das ist mal eine Ansage. Da dürften allerdings einige etwas dagegen haben...


Das ist mir egal, wir fahren unser Rennen. Die Gegner sind da nicht relevant, wenn alles passt wird er sich den Sieg holen.

Du hast in der vergangenen Transferperiode auch einige junge Fahrer verpflichtet. Wem traust du am ehesten den Durchbruch zu?

In diesem Jahr sollte Asgreen im Zeitfahren das ein oder andere gute Resultat einfahren. Ansonsten denke ich, dass Jasper Philipsen dieses Jahr einen ernormen Schritt machen wird.

Richie Porte und Wout Poels haben im letzten Jahr jeweils einen Podiumsplatz bei einer GT geholt. Da kann in diesem Jahr nur der Sieg das Ziel sein, oder?

Richie wird dieses Jahr die Vuelta fahren, ob es diesmal reicht wird man sehen. Seine Regeneration ist nicht mehr das, was sie mal war.
Wout's Plan steht noch nicht ganz fest, aber die größten Chancen auf einen GT Sieg ist der Giro mit Fabio.

Bei Mailand San Remo bist du der Titelverteidiger. Dazu hat Gaviria in dieser Saison bereits gezeigt, dass er gut in Form ist. Wirst du wieder um den Sieg kämpfen können?

Ja, Fernando ist eine Granate und ist in sehr guter Verfassung, trotzdem wird er dieses Jahr Mailand San Remo aussetzen. Dazu fehlt bei uns der 5.platzierte Jürgen Roelandts im Team, aber wir sind zuversichtlich auch dieses Jahr einen Siegfahrer am Start zu haben.

Den du uns aber noch nicht preisgeben möchtest...

Doch es ist kein Geheimnis, dass wir dieses Jahr wieder auf John Degenkolb fahren werden. Er wurde letztes Jahr mit mäßiger Fitness 9. und 2017 war er 5. Er liebt solche langen Rennen.

Du hast nach kurzer Zeit bereits über 20 Siege auf dem Konto. Ein Resultat von viel vergebener Fitness, oder einfach die gute Fahrweise?

Wir haben den Winter über viel trainiert und waren von Anfang an in Top Form. Ja, wir denken wir sind deutlich besser drauf als andere Topfahrer zu diesem Zeitpunkt der Saison, ob wir am Ende das Level halten können wird sich zeigen.

Nach aktueller Hochrechnung hättest du nach der Saison über 6 mio Schulden. Muss das Gehaltsniveau gesenkt werden?


Das beunruhigt uns nicht. Es gibt noch einiges an Prämien einzufahren, momentan liegen wir bei knapp unter 1 Million eingefahrener Prämien nach nicht mal ganz 2 Phasen. Rechnen Sie das doch mal hoch, dann wissen Sie wo wir Ende der Saison stehen, also wir können uns das schon leisten😎

Was war dein größter Erfolg in all den Jahren in der Liga?


Also am meisten habe ich mich über den Giro Sieg von Tejay gefreut und mein erster Sieg in der Liga mit Magnus Backstedt damals noch bei FDJ, aber der Größte war wohl der Tour-Sieg mit Cadel Evans.

Gibt es einen Transfer in den letzten Jahren, den du bereust? Über welchen verpassten Transfer ärgerst du dich?

Naja im großen und ganzen bin ich recht zufrieden, es war bisher immer alles sehr ausgeglichen was die Erfolge angeht. Tejay tat mir persönlich sehr leid, ich hätte ihn gerne wieder im Team.

Wenn man so viele Jahre dabei ist, ständig gewinnt, wird man da nicht irgendwann satt? Ist dir nie in den Sinn gekommen, ein schwächeres Team zu übernehmen und es neu aufzubauen?

Naja die Zeit hatte ich gehabt die letzten 2 Jahre waren okay. Man macht es schon so lange, da macht man es halt weiter. Es war mehr Gewohnheit. Ich habe ja schonmal das Team geteilt und BMC aufgebaut das hat Spaß gemacht. Dieses Jahr gibt es ein Ziel was schwer wird: Man möchte Lotto mit Cunego die Stirn bieten und ihn so oft schlagen wie es geht, was dann nächste Saison passiert wird man sehen, aber ja; mal wieder klein anfangen und mit jungen unerfahren Fahrern Erfolge feiern wäre mal was.

Wenn du ein Ranking der Managerqualitäten aufstellen müsstest, wer wären deine Top 3?


Ganz klar Cunego ist auf einem anderen Level als alle anderen. Dahinter ist es sehr ausgeglichen, aber Bike und auch Stefan sind ein bisschen besser als der Rest.

Gibt es noch irgendetwas, das du besprechen möchtest?


Ja, das Interview nach dem San Remo Sieg 😂😂

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 27.03.2019, 17:59

"Rene und ich, das war wie Katze und Hund!"

TheBike im Interview über seinen Saisonstart, seine Rennvorbereitung und welche Manager ihm auf die Nerven gehen

Hallo Bike, ich freue mich, dass du Zeit gefunden hast für dieses kleine Interview. Die Saison läuft nun 2 Monate, die ersten 3 Phasen sind vorbei. 13 Saisonsiege hast du bisher auf dem Konto, im Weltcup auf Platz 2, in der World Tour auf 3. Bist du mit dem Saisonstart zufrieden?

Grüß Dich Uhri, im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft. Sagan ist in seinen ersten Rennen unter seinen Möglichkeiten geblieben und der Sturz von Michal Kwiatkowski sitzt immer noch tief. Zum Glück haben wir einen Rosa.

Mit Diego Rosa hast du die Tour Down Under gewonnen. War das das Highlight bisher?

Auf jeden Fall! Seit ich bei der German Elite ein Team übernommen hatte, hab ich immer wieder probiert diese Rundfahrt zu gewinnen. Ich war ein paar Mal nah dran, aber zum großen Schlag hatte es nie gereicht.
Diego war von Anfang an unser Kapitän, da wir ihm nicht zu viel Druck bei seinem ersten Rennen für uns machen wollten, hatten wir uns dazu entschieden dies nicht publik zu machen.

Nun stehen die KSP Rennen an. Letztes Jahr warst du dort sehr gut, Sagan wurde Zweiter in Harelbeke und Gent Wevelgem, dazu jeweils Vierter bei den Monumenten in Flandern und Roubaix. Dennoch denke ich, dass du in diesem Jahr dort Siege anpeilen wirst, oder?

Ich würde eher ein „recht gut“ sagen, ein Fahrer wie Sagan kann mehr und muss mehr zeigen. Wir haben uns seinen Trainingsplan vom letzten Jahr nochmal genau angeguckt und einige Änderungen vorgenommen. Ich denke wir werden dieses Jahr einen stärkeren Sagan bei den Kopfsteinpflasterklassikern sehen.
Der Fokus liegt ganz klar auf Paris Roubaix, wir wollen es dieses Jahr endlich gewinnen.


Es fällt auf, dass du bis auf Lampaert kaum starke KSP Fahrer im Kader hast. Kann das zum Problem werden?

Nein ich denke nicht, unsere Jungs haben die Klasse Sagan die Unterstützung zu geben die er braucht. Mit Bodnar, Maes und Puccio haben wir 3 erfahren Helfer die Sagan aus allem raushalten werden und den Motor haben Löcher zu schließen und Flüchtlinge einzufangen. Und dann haben wir noch einen Lampaert……nein das wird kein Problem.

Kommen wir zum tagesaktuellen Geschehen. Bei Tirreno Adriatico lagst du auf Siegkurs mit Kwiatkowski, bis er stürzte. Was ging dir dabei durch den Kopf? Was hältst du generell von Stürzen im Rennen?

Unfassbar…das war mein Gedanke! Und ich muss zugeben ich hab`s noch nicht ganz verdaut.
Wir waren voll auf Kurs. Kwiatkowski war gerade dabei den Abstand zu Alaphilippe zurück zu fahren. Leider hat er es in einer Kurve ein bisschen übertrieben und ihm ist das Vorderrad weggerutscht. Er hat ein harten Schlag abbekommen und uns war sofort klar, dass es das war.
Wirklich schade, ich bin fest der Meinung wir hätten hier wieder die Rundfahrt holen können.
Jetzt heißt es nach vorne schauen.
Wir müssen uns überlegen nochmal ein spezielles Fahrtraining mit Kwiato durchzuführen, letztes Jahr bei der Strade Bianche, dieses Jahr Tirreno Adriatico. Da muss sich unbedingt was ändern.
Was ich von Stürzen halte…sie gehören dazu, Fahrer sind Menschen und machen Fehler. Trotzdem kann man bis zu einem gewissen Grad gegenwirken und dies werden wir jetzt mit Kwiatkowski in Angriff nehmen. Bei den Ardennenklassikern wollen wir das nicht nochmal erleben.
Kurz gesagt, ich brauche keine Stürze. Weder bei mir, noch bei der Konkurrenz.

Wenn man sich deinen Kader anschaut, sieht , man im Vergleich zum letzten Jahr kaum Veränderungen. Warum?

Transfers liegen mir nicht, es ist immer eine zähe Angelegenheit es für beide Seiten recht zu machen. Aktuell sehe ich auch keinen Grund für Veränderungen, wir sind überall gut aufgestellt.
Mit Schachmann und de Plus haben wir zwei hoffnungsvolle Talente in unseren Reihen, mal sehen in welche Richtung es nächstes Jahr geht.
Manchmal ist es wirklich schwer sich von einigen Jungs zu trennen, das spielt sicherlich auch mit rein. Ja und ich bin einfach zufrieden. Für das nächste Jahr würde ich mir einen Fahrer wie Rohan Dennis oder Tom Dumoulin im Team wünschen, ich kann mir gut vorstellen das Sagan seine letzte Saison für uns fährt. Mal sehen ob sich hier was ergibt.

Nairo Quintana hat vor 2 Jahren die Tour de France gewonnen, letztes Jahr wurde er dort Zweiter. Was macht dich zuversichtlich, dass noch ein Sieg bei der Tour drin ist?

Dieses Jahr bin ich gar nicht zuversichtlich, da Quintana nicht bei der Tour am Start stehen wird. Ich denke es wird ihm gut tun mal ein Jahr Abstand zu haben um dann wieder voll anzugreifen.
Sagan wird übrigens auch nicht bei der Tour sein, Sie können sich nicht vorstellen was es da für Ärger gab mit dem Sponsor. Aber man vertraut uns, manchmal muss man was neues ausprobieren.
Unsere großen Ziele sind ein Momument, am liebsten Roubaix, der Giro und das grüne Trikot bei der Tour. Bei WM wollen wir uns aber auch gut präsentieren.

Du bist nun seit Jahren an der Spitze der German Elite Liga. Einige sagen, du seist ein Managergott. Andere sagen, es läge vor allem an deinem deutlich besseren Kader als bei der Konkurrenz. Was entgegnest du den Kritikern und warum versuchst du es nicht mal mit einem schwächeren Team oder baust den Kader deutlich um?

Ein Managergott bin ich sicherlich nicht, ich weiß nicht wer sich das ausgedacht hat. Ich glaube irgendjemand hat das mal in den Raum geworfen um von sich selber abzulenken.
Ja wir haben einen starken Kader der seinen Teil hierzu beiträgt, aber wir haben auch mit schwächeren Fahrern tolle Ergebnisse eingefahren. Ich denke wenn ich einen guten Tag erwische kann ich ein gutes Rennen liefern. Aber Manager wie Dami, Stefan und Rene sind für uns stärker einzuschätzen und es kommen immer mehr nach.
Wir hatten in der Vergangenheit aber auch den richtigen Riecher für Transfers die uns natürlich gepusht haben. Kwiatkowski, Alaphilippe und Stybar sind durch uns mit 65iger Werten in die Liga gekommen, niemand hatte die auf dem Zettel. Wie sich die Jungs entwickelt haben sieht man ja.
Ich hatte wirklich schon mit dem Gedanken gespielt mein Team abzuschwächen, ich löse mich auch hin und wieder von guten Fahrern die dann leider bei anderen Teams abbauen. Einzig Fuglsang scheint noch Fortschritte zu machen. Über Bouhanni brauchen wir nicht reden, unter uns, ich konnte ihn noch nie leiden.
Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift, ich weiß noch nicht wie es weitergeht. Fakt ist aber, das es aktuell einfach schwer ist gute Fahrer zu bekommen wenn man nicht was zu bieten hat. Sich Talente zu sichern ist auch nicht mehr so leicht wie früher, Lotto hat ein großes Budget und kauft viele Talente weg. Mit Dumoulin und Bernal wird er zukünftig die Rundfahrten dominieren, aktuell sehe ich niemanden der ihm hier das Wasser reichen kann. Wenn dann nur über den Überraschungseffekt, die Nummer bei Paris Nizza war schon geil muss ich sagen, Navarro hatte einen tollen Job gemacht.

Du bist nun schon seit etlichen Jahren in der Liga, hast Manager kommen und gehen sehen. Wen hast du in all den Jahren am Meisten schätzen gelernt?

Ganz klar Dani, seine Arbeit und der Umgang mit den Managern ist ist absolut vorbildlich. Er stichelt nicht, bringt keine blöden Sprüche und behält immer einen klaren Kopf.
Im Großen und Ganzen mag ich aber jeden, in der Vergangenheit gab es öfters Reibung, aber wir alle werden älter und reifer und können besser relativieren.

Aber man kommt natürlich auch nicht mit allen Managern gleich gut klar. Vor allem mit uhri bist du einige Male aneinander geraten. Passt da die Chemie einfach nicht?

Ja früher sicherlich, da ging es teilweise schon so weit, dass keine netten Worte gefallen sind. Vielleicht liege ich falsch, aber ich war nie der Meinung, dass dies von mir ausging. Uhri hat immer ein bisschen gestichelt und früher war ich sehr dünnhäutig. Heute ist das anders und ich finde unsere „Beziehung“ hat sich gebessert. Auch wir werden älter. So war es auch mit Rene, man kann schon sagen wir waren wie Hund und Katze. Aber mittlerweile schätze ich ihn und bin froh, dass er noch dabei ist.
Aktuell nerven mich teilweise eher Akkez und Rocky, die zwei sind mir oft zu negativ. Vielleicht verstehe ich auch einfach nicht den Humor dahinter. Wobei ich mir sicher bin, dass beide dufte Typen sind.

Kommen wir zur Frage eines Lesers: Im Rennen hast du bereits mehrfach davon gesprochen, vor oder wähend des Rennens zu dübeln. Dennoch schaffst du es, erfolgreich zu sein. Beschreibe doch mal kurz einen typischen RSM Abend bei dir.

Ein typischer RSM Abend…dieser beginnt ja immer Freitag. Freitags ist der beste Tag, das Wochenende steht vor der Tür, RSM und anschließend mit den Jungs zocken bis die Augen zufallen.
Da ich vorher schon meistens was spiele oder noch mit dem Rad unterwegs bin, bin ich meistens spät dran.
Schnell noch einen rollen, Bier aufreißen, ins Spiel joinen und schon mal schnell raus auf den Balkon  Danach schotte ich mich ab. Meine Freundin muss mich in Ruhe lassen, bei Discort gehe ich raus wo meine Jungs drin sind. Anrufe werden ignoriert! Ich brauche totale Ruhe ohne jegliche Ablenkung. Dazu gibt es dann musikalische Berieselung in Form von Cafe del Mar. Joa, damit fahre ich eigentlich ganz gut.

Du hast uns bereits von einigen Freizeitaktivitäten berichtet. Wenn du am Wochenende ein paar Stunden Freizeit hast. Wofür entscheidest du dich: Angeln oder Ausfahrt auf dem Rennrad?

Schwer, es kommt drauf an wie ich drauf bin und welcher meiner Freunde Zeit hat. Beide Aktivitäten betreibe ich auch gerne alleine, ich genieße die Ruhe und Natur. Dem Alltagsstress zu entfliehen gibt mir viel. Im Zweifelsfall wird es wohl doch aufs Angeln hinauslaufen, weil es einfach relaxter ist. Aber da ich vorzugsweise auf Raubfische gehe muss ich mich noch gedulden da es bis Ende Mai eine Schonzeit gibt. Daher bin ich aktuell eher auf dem Fahrrad unterwegs.

Erkläre uns doch bitte deinen Nicknamen. Warum hast du dich "TheBike" genannt?

Mein Vater war mal ein recht erfolgreicher Radprofi, man nannte ihn auch „Mike the Bike“.
Daher TheBike, Tommy oder ähnliches war mir zu „süß“.



Ich danke dir für das nette Interview und allgemein für deine tolle Arbeit in der Liga. So wie auch Dani, Stefan, Kotschi und viele mehr. Jeder trägt seinen Teil bei und ich hoffe wir werden noch lange bestehen und Spaß haben.
Ich wünsche allen weiterhin eine erfolgreiche Saison, habt Respekt untereinander und übertreibt es nicht mit den Sticheleien!



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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 03.04.2019, 17:14

"Die Kritik hat mich sehr traurig gemacht"

Cunego im Interview über die Umstellung seiner Fahrweise, welche Manager ihn motivieren und warum Dumoulin evtl. 2021 woanders fahren könnte

Hallo Cunego, im Schwanzvergleich stehst du auf Rang 1, auch in der Liste der Sieger bist du ganz vorne. Du hast nichts dagegen, wenn das so bleibt, oder?

Nein, natürlich bin ich da gerne auf Platz 1. Für mich ist der Weltcup ziemlich wichtig, da ich finde, dass er ein guter Indikator dafür ist, welches das beste Team einer Saison ist. Aber auch die World Tour Rankings interessieren mich. Da steht derzeit Deceunick auf Platz 1, da möchte ich natürlich versuchen im weiteren Saisonverlauf Bike noch einzuholen (Anmerkung der Redaktion: Zu Zeitpunkt des Interviews stand Bike auf Platz 1). Ich möchte noch anmerken, dass ich die aktuelle Bezeichnung des Weltcup gar nicht schön finde.

Mit dem Omloop Het Nieuwsblad und der UAE Tour hast du auch 2 WT-Rennen gewonnen. Ist die Zeit als King of Kirmes endgültig vorbei?

Ich hoffe es. Der Sieg beim Omloop Het Nieuwsblad war glaube ich mein erster Klassikersieg auf World Tour Niveau seit fast 3 Jahren. Ich hoffe vor allem bei den Rundfahrten auf World Tour Niveau weiter Siege einfahren zu können. Mir gefallen vor allem die Berge, daher habe ich mein Team auch eher für diese Rennen ausgerichtet.

Mit dem Giro 2017 und der Vuelta 2018 hast du zwei GTs bereits gewonnen. Dann dürfte dieses Jahr der Toursieg das Ziel sein. Wen fürchtest du als größten Konkurrenten?

Ja die Tour mal zu gewinnen ist natürlich ein großer Traum und auch das große Ziel für diese Saison. Es ist schwierig die Konkurrenten zu benennen, da ich nicht genau weiß, welcher der großen Leader am Start stehen wird. UAE hat mit Thomas ja bereits eine Kampfansage abgegeben, er ist sicher ein harter Konkurrent. Wenn Stefan ihn steuert ist er sicher ein extrem harter Konkurrent.

Sprechen wir erst mal über das aktuelle Tagesgeschehen. Die Flandern Rundfahrt ist eins deiner größten Ziele im Jahr. Letztes Jahr war es eine Enttäuschung, Tiesj Benoot wurde nur 18. Wird er erneut seine Chance bekommen und warum wird es diesmal besser laufen?

Ja, Tiesj hatte letztes Jahr leider die schlechtestmögliche Tagesform. Das war eine große Enttäuschung. Dieses Jahr ist er auch nur als Helfer für den diesjährigen Kapitän Michael Valgren am Start. Die Flandern Rundfahrt gefällt mir sehr, sehr gut aber realistischerweise muss man sagen, dass bei der doch stärkeren Konkurrenz der Sieg kaum möglich scheint.

Tom Dumoulin ist das klare Aushängeschild des Teams. Hat er schon einen Rentenvertrag unterzeichnet?

Ja, er ist klar mein Topfahrer derzeit. Das Team wurde auch, besonders bezüglich Mannschaftszeitfahren, im Winter noch gezielter für ihn ausgerichtet. Bis Ende 2020 möchte ich ihn in jedem Fall behalten, was danach passiert weiß ich noch nicht.

Neben Dumoulin setzt du hauptsächlich auf junge Talente. Diese haben auch bereits fast alle den Sprung in die (erweiterte) Weltspitze geschafft. Alles nur Glück oder Ergebnis guten Scoutings?

Ich denke es gehört beides dazu. Ich habe mir schon genau angesehen, wen ich verpflichten möchte. Allerdings gehört auch Glück dazu, weil letztendlich kann man die Entwicklung nur vage abschätzen und nicht genau voraussehen. Es gab ja auch Fehlschläge, allen voran Adrien Costa.

Hast du für die kommende Transferperiode neue Talente im Blick?


Derzeit habe ich keinen speziellen Fahrer im Blick. Aber natürlich ist es möglich, dass sich das bis zur Transferperiode noch ändert. Es stehen ja eigentlich alle wichtigen U23 Rennen noch aus.

Viele fragen sich, wie du diese herausragenden Ergebnisse mit zum Teil schwächeren Fahrern schaffst. Erkläre uns doch mal dein Erfolgsgeheimnis.

Ich weiß nicht genau ob ich da ein Erfolgsgeheimnis habe. Ich bin sicher sehr analytisch. Es gab ja auch viele Rennen, in denen es auch mal nicht so toll gelaufen ist und ich versuche dann immer zu verstehen und rumzutesten, was ich falsch gemacht habe um es dann beim nächsten Mal hoffentlich besser zu machen.

Wie ist deine Lieblingsprozentzahl?

Was meinst du mit Lieblingsprozentzahl?

Im Rennen, mit dem du im Feld gerne fährst

Letztendlich muss man sich im Feld ja immer stark daran orientieren wie schnell das Feld fährt. Am Ende von Anstiegen, wo so mancher Konkurrent zum Zielsprint ansetzt würde ich aber 99% auf Punkt als meine Lieblingsprozentzahl einschätzen, besonders wenn es richtig steil ist.

Wie lange bereitest du dich auf Schlüsselrennen vor?

Ich teste meistens nur die Schlüsseletappen, also bei Rundfahrten keine Flachetappen. Ich teste aber selten wirklich wie ich genau fahre, da man das finde ich offline nicht testen kann, das hängt stark vom Rennverlauf und den anderen Managern ab. Offline hat man ja nur die Ki die mit den tollen Managern dieser Liga nicht vergleichbar ist. Ich schaue mir da eigentlich nur an, wie die Etappe so aussieht, besonders für Schlüsselstellen wie Engstellen oder wo die wichtigen Anstiege beginnen. Wirklich testen tue ich eigentlich nur Zeitfahren, besonders Mannschaftszeitfahren. Ich habe auch die letzten Saisons immer wieder getestet wie ich die Schlussanstiege bei Strade Bianche und Fleche Wallone am besten fahre, allerdings konnte ich mich bisher immer noch nicht mit diesen Rennen anfreunden.

Stürze sehen viele als besonderen Spannungsmoment, die ein Rennen auch mal auf den Kopf stellen können. Du bist ein klarer Gegner von Stürzen. Was stört dich daran?

Mir gefallen Stürze nicht, weil man als Manager nix dagegen tun kann, man kann seine Fahrer ja nicht lenken. Klar ist das in der Realität auch oft Pech und eher selten Unvermögen. Das was letztendlich wirklich weh tut ist wenn sich der Fahrer, im schlimmsten Fall der Leader, bei einer Rundfahrt verletzt.

Ein kleines Lob am Rande. Du hast deine Fahrweise deutlich umgestellt und fährst in der Regel hauptsächlich auf die Gesamtwertung und vernachlässigst Nebenwertungen. Dazu fährst du nach, wenn du Gesamtführender bist. Ist das ein richtiger Eindruck? Was führte zu dieser Umstellung?

Ich wollte ja nie jemanden verärgern mit meiner Fahrweise. Z.B. das Nachführen hatte ich einfach auch gar nicht so auf dem Schirm. Was da besonders vor ca. 1 Jahr teilweise an Kritik kam hat mich schon sehr traurig gemacht. Ich will natürlich ein gutes Verhältnis mit den anderen Managern haben. Deswegen konzentriere ich mich eigentlich nur noch auf Etappensiege und die Gesamtwertung.

Letztes Jahr gab es einige Anfeindungen gegen dich. Was hast du daraus mitgenommen und warum fährst du trotz viel Neids gerne in der Liga?

Die Anfeindungen haben mich wie bereits erwähnt wirklich traurig gemacht. Da habe ich einige Wochen schon daran gedacht aufzuhören. Aber mir macht die Liga so viel Spaß, neben dem Fahrerischen auch die Komponente sein Team zu entwickeln und in der Realität mit den Fahrern mitzufiebern. Was meinst du genau mit Neid? Dass mich ein paar Manager zuletzt in ihren Interviews als vllt. besten Manager der Liga bezeichnet haben freut mich schon sehr, das ist ja ein tolles Lob, auch wenn Topmanager wie Rene und Bike eventuell auch etwas den Druck von sich schieben möchten. Die sind ja schon richtig stark. Besonders das Duell mit den beiden motiviert mich auch enorm.

Kleiner Rück-und Ausblick: Im vergangenen Winter hast du den German Elite Winter Cup veranstaltet. Wie fällt deine Bilanz dazu aus? Wird es eine Neuauflage geben? Sind Änderungen geplant?

Mir hat die Teamplaykomponente gut gefallen. Dass die Rückmeldung von euch so positiv war hat mich riesig gefreut. Ich habe mir über den diesjährigen Wintercup noch nicht allzu viele Gedanken gemacht, aber ich möchte ihn auf jeden Fall wieder veranstalten. Nach der Rückmeldung einiger Manager werde ich wohl mehr kurze Etappen einbauen und manche fanden auch, dass die Fitness und ggf. Tagesform ausgestellt werden soll, aber da starte ich denke ich nochmal eine Umfrage was die Mehrheit möchte.

Leserfrage: Wie oft duschst du?

Die Frage kommt bestimmt von Timmy nachdem ihn Akkez veräppelt hat, was?
So jeden 2. Tag im Schnitt.

Eine weitere Leserfrage: Wie gut warst du in der Schule?

Eher nicht so gut. Ich wollte eigentlich immer nur bestehen. Ich war eher so ein 3er Schüler

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 08.04.2019, 17:41

"Bei Rene bekomme ich Schlafstörungen und Haarausfall"

Cookie im Interview über die Ziele bei der Baskenland-Rundfahrt, seine Liebe zu Ozeanien und seinen umstrittenen Humor

Hallo Cookie, es freut mich, dass du Zeit für mich hast. Das Frühjahr war für dich sehr erfolgreich, mit Julian Alaphilippe hast du die Strade Bianche und das Tirreno Adriatico gewonnen. Du bist aktuell unter den Top 6 im Weltcup. Also alles gut, oder gab es auch Ziele, die nicht erreicht wurden?

Das stimmt, ich denke man kann sagen, dass nicht mehr alles Zufall ist und ich angekommen bin in der German Elite Liga. Nach dem Tour Down Under-Podium, welches erreicht wurde, waren die Strade Bianche und T-A die 2 großen Ziele im Frühjahr. Da beides gewonnen wurde, bin ich natürlich hoch zufrieden. Bei Paris-Nizza und der Katalonien-Rundfahrt haben wir jeweils die Top 5 angepeilt mit Alexis Vuillermoz. Leider hat da etwas das Glück gefehlt bei den Tagesformen. Irgendwie fehlt noch so ein bisschen ein großes Ergebnis mit einem durchschnittlich guten Fahrer wie Vuillermoz - mit Loulou kann jeder gewinnen.
Wie man erkennen kann, liegt das Hauptaugenmerk diese Saison nicht wie in der letzten auf dem WC, sondern auf der World Tour.

Im Baskenland wurde Alaphilippe letztes Jahr 4ter. Ist dieses Jahr das Podium drin?

Definitiv. Das Ziel ist dort der Sieg des Gesamtklassements. Ähnlich wie bei T-A werden 6 Mann für Alaphilippe arbeiten.

Von Thibaut Pinot und Mikel Landa war bisher nicht viel zu sehen. Wie steht es um ihre aktuelle Form und was sind die Ziele für die beiden?

Das stimmt, die beiden haben bisher eher durchschnittliche Leistungen gebracht. Irgendwie ist das Team sehr auf Alaphilippe ausgerichtet diese Saison. Pinot wird sich auf die Tour konzentrieren, während Landa die Vuelta ins Visier nimmt. Leider muss er auf den Start als Titelverteidiger beim Giro verzichten.

Paris Roubaix ist eines von Vanmarckes Lieblingsrennen. Was ist für ihn drin?


Wir wollten vor der Saison unbedingt einen starken KSP-Kapitän verpflichten, was uns mit Sep gelungen ist. Dazu konnten wir ihm mit Nils Politt einen ausgezeichneten Helfer zur Seite stellen. Beim GP Denain gelang ihm der erste KSP-Sieg für unser Team überhaupt. Aber die großen KSP-Rennen sind natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Vanmarcke peilt bei Paris-Roubaix optimistisch die Top 5. Wenn es "nur" die Top 10 wird, wäre das aber auch okay.

In der vergangenen Transferperiode hast du viele Fahrer aus Ozeanien verpflichtet. Woher kommt die Affinität zu Ozeanien?

Ich glaube, dass fast jeder Mensch eine unerklärliche Verbindung zu irgend einem fremden Land empfindet. Bei mir war das von klein auf Australien. Nach dem Abi hatte ich dann direkt die Chance ein Jahr dort zu verbringen und das hat die Liebe zu diesem Kontinent noch verstärkt. Es ist zu einer Art zweiter Heimat geworden. Deshalb mag ich grundsätzlich auch Fahrer aus diesem Gebiet. Die Leute sind sympathisch, bodenständig und entspannt.

Apropos Transferphase. Hat alles geklappt wie gewünscht oder gab es Dinge, die nicht verwirklicht werden konnten? Wer war ein wirklich harter Knochen in den Verhandlungen?

Naja, ich will keinen anschwärzen, weil ich denke, dass Verhandlungen mit mir auch eine Qual sind :D
Die meisten Transfers, die ich wollte, haben funktioniert. Außer meine Nummer 1: Esteban Chaves. Da war kein Herankommen bei razzz. Auch uhri wollte Daan Olivier nicht rausrücken, der Sack. Hart aber fair läuft es immer mit Haki ab. Bei René hingegen bekomme ich meistens Schlafstörungen und Haarausfall. Cunego brauch man gar nicht ansprechen, aber wer bin ich schon, dass ich versuche mit Gott himself zu sprechen...

Du müsstest ihn im ts öfter anbeten wie timmy, dann klappt das vielleicht...

Ich nehm mir schon lange vor, öfter ins TS zu kommen. Aber zu Spieltagen bin ich meistens verkatert und mache mir dann lieber ein bisschen Musik an, statt 2h mit Kopfhörern dazusitzen und zuzuhören, wie Akki meine Fahrer putzt.

Fühlst du dich eigentlich noch als Neuling in der Liga oder ist das jetzt nach 2 Jahren abgeschlossen?

Mh, das ist eine gute Frage. Irgendwie fühl ich mich trotzdem noch als Neuling. Man merkt, dass ihr anderen eine eingeschworene Truppe seid. Aber ich glaube, dass ich zumindest nicht von allen gehasst werde und das reicht mir :D

Wo wir gerade bei Hass sind möchte ich eine Frage vorziehen: Stefan hat sich in der vergangenen Saison oft darüber beschwert, dass Fahrer deines Teams seine Fahrer geblockt haben und hat den Hashtag #fdjhass eingeführt. Mir kannst du es ja sagen… das war Absicht, oder?

Natürlich, aber ich hoffe, dass bleibt unter uns...mal ehrlich, androni, pff...

Im vergangenen Jahr hat Landa den Giro gewonnen, hauptsächlich aber nicht durch dich gesteuert. Ist man da trotzdem stolz auf den Sieg?

Ja klar. Ich habe in einer Woche Landa auf Kurs gebracht inkl. Etappensieg am Ätna, Akki hat dann saftig vollendet (bzw. die Hauptarbeit geleistet). Im Endeffekt ist das Fahren an sich schon das wichtigste, aber ich glaube die Fitnessplanung und Kaderzusammenstellung hat auch einen großen Einfluss auf das Endergebnis. Akki und ich können beide stolz sein!

Was ich mich schon immer gefragt habe: Wie kommt man eigentlich darauf, sich cookie zu nennen?
Und wofür steht die 224?


Ich liebe Kekse und werde deshalb auch häufig in meinem Freundeskreis aufgezogen, da schien mir das passend. Aber ich muss peinlicherweise zugeben, dass in meiner ersten Online Liga vor vielen vielen Jahren auch mal ein User Cookie hieß. Das fand ich cool und hab's geklaut für andere Online Spiele. Seitdem heiß ich Cookie. Die 224 hab ich irgendwann mal drangehauen, weil Cookie schon belegt war als Username. Das hat aber keine Bedeutung.

Darf ich dich ab jetzt Krümelmonster nennen?

(...) gerne.

Dein Humor ist höchst umstritten. Nun kannst du beweisen, wie lustig du bist. Erzähle uns deinen besten Witz.

Ich finde Witze unlustig und kenne auch keine. Bin eher für Situationskomik zu haben. Find es eigenartig, dass du mich so schlimm findest, da wir den selben Humor haben. Ich lache oft an Spieltagen über deine saudämlichen Kommentare.

Sorry, aber der fdjhass ist schon verwurzelt. Saudämlich? Hallo? Die sind bierernst. Aber wenn du mir sagst, dass du Stürze im Rennen lustig findest, Schwiegertochter gesucht nicht bescheuert findest und auf Spongebob stehst könnte ich Sympathien entwickeln...

Stürze find ich gut und als Spongebob abgesetzt wurde, hab ich mich eine Woche in den Schlaf geweint.

Was möchtest du noch loswerden?

Dusch dich mal öfter, Dami!


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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 11.04.2019, 19:50

"Wir werden das Rennen zur Hölle für die anderen machen"

Toprider im Interview über das Rennen zur Hölle des Nordens, den Fluch des Jesper Hansen und was an den Rücktrittsgerüchten im letzten Jahr dran war

Auf das Gespräch habe ich mich lange gefreut, von Topjournalist zu Toprider. Anlass ist das Rennen zur Hölle des Nordens. Letztes Jahr hat es Terpstra dort aufs Podium geschafft, nachdem er eine Woche zuvor die Flandern Rundfahrt gewann. Dieses Jahr anders herum?

Hallo, ich freue mich Gast in deiner Serie sein zu können. Die Hölle des Nordens ist dieses Jahr definitiv das große Ziel. Wir werden alles dafür tun, dass Terpstra am Ende den Sieg nach Hause fahren wird. Wenn bei der Flandern Rundfahrt dabei auch noch ein Podest oder die Titelverteidigung gelingt würde ich aber auch nicht nein sagen. (Hat Stefan grandios verkackt, Anmerkung der Redaktion)

Wie gehst du denn so ein Rennen an? Bist du der Typ, der es vorher 3 mal abfährt und jeden KSP Abschnitt aufschreibt oder machst du das spontan?

Letztes Jahr bin ich komplett intuitiv gefahren. Die Ergebnisse waren letztes Jahr auch zufriedenstellend. Ich fühle mich bei den Kopfsteinklassikern sehr wohl und will mich da auf mein Gefühl verlassen. Dieses Jahr soll bei Roubaix aber nichts dem Zufall überlassen werden. Ich werde die Strecke dieses Jahr vorher sicher einige Male abfahren und wichtige Stelle rausschreiben. Aber am Ende ist die Vorbereitung nur ein Baustein von vielen. Fitness, Form, Timing, Material und ein wenig Glück spielen auch immer eine sehr wichtige Rolle. Von daher werden meine Notizen auch nur ein Hilfsmittel sein und ich werde mal testen ob ich damit noch besser fahren werde. Am Ende wird aber immer das Gespür für die Situation über irgendwelchen taktischen Überlegungen die ich mir aufgeschrieben habe stehen.

In diesem Jahr sind die großen Erfolge bisher ausgeblieben. Wie bewertest du dein Frühjahr bisher?

Es hätte deutlich besser laufen können. Lichtblick ist vor allem L.L. Sanchez gewesen der sowohl bei der Tour of Down Under eine Etappe gewann und auch endlich den ersten Rundfahrtssieg bei der Vuelta Murcia für das Team holen konnte. Aber insgesamt sind wir deutlich unter unseren Möglichkeiten geblieben. Von Dan hätte ich mir bei Paris-Nice mehr erwartet und insgesamt wäre die eine oder andere Spitzenplatzierung schön gewesen. Umso wichtiger ist es jetzt bei den Kopfsteinklassikern den totalen Fokus zu haben um dort dem Team das nötige Selbstvertrauen zu geben um die gesteckten Ziele dieses Jahr noch erreichen zu können. Die Saison ist noch lang und ich bin optimistisch, dass wird den Hebel noch umlegen können.

Mit Daniel Martin hast du einen Fahrer, der sowohl in Rundfahrten, als auch in Hügelklassikern für Erfolge sorgen kann. Worauf konzentriert er sich in diesem Jahr?

Dan ist als Leader für die großen Rundfahrten gekommen. Für uns und unseren Sponsor ist es wichtigen einen Spitzenfahrer wie Dan bei den großen Rundfahrten zu zeigen. Wir wollen wie letztes Jahr mit einem starken Team um Dan bei der Tour versuchen ihn mindestens in die Top 5 zu bringen. Die Hügelklassiker sind dieses Jahr keine Option, da werden wir anderen Fahrern eine Chance geben.

Du hast als kasachisches Team auch einige Kasachen im Kader. Ein Tribut an den Sponsor oder ist die Qualität der Kasachen so hoch?

Natürlich ist es im Interesse des Sponsors nationale Talente zu fördern. Aber die Jungs die wir im Team haben sind nicht nur dabei weil der Sponsor sagt ich will X-Kasachen im Team sonst gibt’s kein Geld. Sie bringen ihre Leistung und mit Lutsenko haben wir eine richtige Speerspitze des kasachischen Radsports im Team. Für mich bleibt der Sieg letztes Jahr auf der ersten Tour Etappe unvergessen und zeigt auch, dass es sich lohnt unsere Talente zu fördern. Mit Gidich und Natarov haben wir zwei gute Talente dabei und die anderen Kasachen sind alles hervorragende Helfer die ihre Daseinsberechtigung im Team haben.

Viele staunen über die starken Sprintfähigkeiten von Tejay van Garderen. Wird das speziell geübt?

Ich glaube wir haben da ein Talent entdeckt was noch vorher keiner bei Tejay gesehen hat. Wenn der Junge seinen Sprint durchzieht können Leute wie Roglic direkt wieder Skispringen gehen. Aber mal im Ernst: Tejay ist ein feiner Kerl der bei seinen Teams in der Liga immer seine Leistung gebracht hat. Und da ärgert man sich wenn man manchmal seine Ex-Manager über ihn reden hört. Von daher gehen wir da mit ein wenig Selbstironie ran um Tejay zu pushen. Und ich bin mir sicher: Er wird auch dieses Jahr wieder seine Leistung bringen.

Letztes Jahr war dein Team sehr oft von Stürzen betroffen. In diesem Jahr scheint es seltener geworden zu sein. Was hat sich geändert?

Letztes Jahr war es wie ein Fluch. Manche Teams hatten schon Angst neben uns zu fahren weil wir uns ständig auf die Fresse gelegt haben. Wir haben dann viel versucht und am Material verändert. Es scheint zu klappen, denn dieses Jahr stürzen wir deutlich seltener. Natürlich gibt immer mal wieder Stürze wie Zeits, der in Katalonien sich so viele Flaschen nach rechts gepackt hat, dass er einfach umgekippt ist. Aber wir machen auch Fahrsicherheitstrainings mit den Jungs und das neue Konzept scheint ja zu klappen. Ich hab dafür gehört, dass Jumbo Visma dieses Jahr öfter mal den Asphalt küsst. Vielleicht ist ja auch einfach nur der Fluch des Jesper Hansen.

Es gibt unter den Managern viele Allrounder und auch einige Spezialisten, die z.B. speziell Sprints gut können. Als was würdest du dich charakterisieren?

Schwierige Frage.
Ich denke ich bin ein Allrounder, der in jedem Bereich sicher noch besser sein könnte, aber auch in keinem Bereich komplett für den Arsch ist. Am ehesten würde ich mich noch bei KSP Rennen als Spezialist sehen, da ich diese Rennen einfach mag und dort am besten aufgestellt bin. Mit Sprints habe ich am wenigsten zu tun, da es einfach mein Team auch nicht hergibt.

Im letzten September hieß es, dass du aufgrund von Differenzen vor dem Rücktritt stehen würdest. Was war da los und wie ist die Situation derzeit?

Mir ist der rsm11 ein Dorn im Auge und nimmt mir öfter mal den Spielspaß. Ich nutze viel die neueren rsm und es ist immer schwierig sich dann mit einer solchen alten Version rumzuschlagen. Blocks und Verbindungsprobleme können einen mal ganz schön den Abend versauen. Ich glaub ich musste im letzten Jahr allein den rsm11 dreimal neu installieren weil er auf einmal am Renntag nicht mehr wollte. So etwas finde ich einfach belastend. Zumal die neuen rsm deutlich mehr Möglichkeiten geben als der 11er. Beispielsweise das umfahren von Blocks, ein realistisches Verhältnis zwischen Berg/Hügel oder auch, dass man Sprintzüge nicht erst ab x Kilometer vor dem Ziel bilden kann sondern wann man will. Ich glaube es würde unserer Liga deutlich mehr Möglichkeiten geben, aber wir verzichten sogar darauf es einfach mal zu testen. Und wenn man das öfter mal einfach nicht am Rennen teilnehmen kann frustriert das.
Da war dann schon mal die Überlegung da es komplett zu lassen. Letztes Jahr war die Überlegung aber auch sehr impulsiv da ich an einem Tag keine Chance hatte Formolo bei der Vuelta zu steuern und das hat mich einfach frustriert, dass es am rsm lag und nicht an mir. Aktuell ist ein Ausstieg aber kein Thema.

Du engagierst dich in der Liga für die Gemeinschaft u.a. als Stagebauer und DB-ins-Ranking-Packer. Das finde ich sehr löblich. Hast du zu viel Zeit oder möchtest du einfach etwas zurück geben?

Ich möchte etwas zurückgeben. Leute wie Dani, uhri, Kotschi und Stefan haben sehr viel für die Liga getan und ich finde es ist nicht zu viel verlangt da selbst ein wenig Einsatz zu zeigen. Eine Stage bauen schafft jeder. Bevor ich in die Liga kam habe ich noch nie eine gebaut inzwischen bekomme ich das recht schnell hin. Ich finde es immer schade wenn es einige wenige gibt die sehr viel geben aber auf der anderen Seite sehr viele sind die nehmen ohne sich selbst zu beteiligen. Von daher ist es für mich selbstverständlich mich zu engagieren und würde mich freuen wenn ab und an mal auch jemand anders sich an Stage bauen traut.

Vervollständige den folgenden Satz: Wenn der effzeh aufsteigt…

… sind wir endlich wieder zurück wo wir hingehören.

Was noch hinzuzufügen wäre...

Eigentlich hab ich alles gesagt was zu sagen ist. Ich freue mich auf Paris-Roubaix! Greg, Sagan und Co. können sich warm anziehen. Niki ist bereit und mit unserem Team werden wir alles dafür tun das Rennen zur Hölle für alle anderen machen!

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 02.05.2019, 08:34

"Tellerflache Rundfahrten? Langweilig!"

Eddie im Interview über seine Vorliebe für Bergwertungen, die Ziele Romain Bardets und warum Transfers für ihn eher lästig sind.

Hallo eddie. Endlich habe ich die Chance, dir mal mehr als 3 Wörter aus der Nase zu ziehen. Zunächst wollen wir dich besser kennen lernen. Wie wäre es mit einem Steckbrief? Etwa so: „Ich heiße Eduard Mustermann, bin 46 Jahre alt und komme aus dem traumhaften Thüringen. Meine Hobbies sind Bergwertungen und Transferabsagen“…

Hallo Uhri. Das wird aber schwer mir mehr als drei Wörter aus der Nase zu ziehen, bin kein Mann der großen Worte.
Von Steckbriefen halte ich nicht viel, belassen wir es einfach bei Eddie ;)

Romain Bardet hat Paris Nizza gewonnen, dazu einen zweiten Platz bei der Katalonien Rundfahrt belegt. Ist er auch in der Romandie am Start? Welche Ziele hat er im weiteren Verlauf der Saison?

Romain hatte ein fantastisches Frühjahr hinter sich. Nun gönnen wir ihn ein paar Tage Ruhe bevor die Vorbereitung der Tour de France los geht.
Im weiten Verlauf der Saison wird er für uns bei den Herbstklassikern an den Start gehen.

Mit Arnaud Demare hast du auch einen Topsprinter. Bereitet er sich auf die Tour de France vor?

Nein, wir haben Arnaud für die Eintagesklassiker eingeplant.

Bob Jungels hat sich in diesem Jahr auf KSP stark präsentiert. Ist er der perfekte Allrounder? Wo siehst du ihm am Stärksten?


Ja, ich sehe ihn schon als den perfekten Allrounder. Seine Stärke ist seine Flexibilität, er kann auf jeden Terrain starke Ergebnisse erzielen.

In den letzten Jahren sind die großen Erfolge bei GTs ausgeblieben. Hast du dort keine Ambitionen, mal auf Gesamtklassement zu fahren?

Natürlich möchte man aufs Gesamtkassement fahren, aber man muss auch anerkennen, dass die Konkurrenz der letzten Jahre einfach stärker war.

Jeder kennt dich als der König der Bergwertungen. Wie kam es dazu eigentlich? Was hältst du von tellerflachen Rundfahrten?

Ja wie kam es dazu? Ich bemerkte eins Tages, dass meine Fahrer gelangweilt durchs Feld fuhren, da sagte ich zu ihnen, geht doch auf die Bergwertung. Ein kurzes Nicken und sie radelten los. Seit diesem Tag macht es uns einen riesigen Spaß auf die Bergwertung zu gehen. Und Spaß steht bei unseren Team im Vordergrund. Zu tellerflachen Rundfahrten kann ich nur eins sagen: langweilig ;)

Auf dem Transfermarkt zeigst du dich, vorsichtig ausgedrückt, zurückhaltend. Transfers sind bei dir eher selten. Hast du einfach keine Lust auf Verhandlungen oder begleitest du gerne Fahrer auf ihrem Weg?

Ja das ist richtig, ich habe da einfach keine Lust drauf. Ich wäre ja für ein faires Vertragssystem, dann würden auch wieder mehr Fahrer innerhalb der Liga wechseln.

Letzten Winter gab es eine Transferabsage für Jumbo, die gerne Mark Renshaw verpflichten wollten. Deine Begründung damals war, dass er ein wichtiger Teil des Teams wäre und daher unverkäuflich. Jetzt kannst du es ja sagen… du hattest einfach keinen Bock auf uhris Transferanfragen, stimmts?

Wie kommen Sie denn da drauf? Schauen sie sich doch unseren Kader an, da gibt es sechs Fahrer, die Ebene 73 haben und einer davon ist Mark, der über Jahre fantastische Arbeit für das Team leistet und das auch weiterhin tun wird!

Du hast in all den Jahren eine Menge Geld angespart und warst damit gefürchtet bei den Auktionen. Was war denn der erbittertste Kampf um ein Talent? Wem hast du am Liebsten die Fahrer weggeschnappt?

Kein Kommentar!

Wenden wir den Blick auf die Zukunft: Wie lange möchtest du noch die Liga bereichern? Was gibt es für Fernziele?

Es gibt doch nichts schöneres, als am Freitag nach einer anstrengenden Arbeitswoche den PC anzuschmeißen, ein kühles Blondes und eine runde Radsport Manager. Solange ich noch Spaß daran habe, bleibe ich der Liga treu ;)
Einmal das Regenbogentrikot gewinnen, dann schließt sich der Kreis 8-)

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 11.05.2019, 09:50

Stefan vs. Timmy, oder: Das Interview zum Giro

Wir haben zwei Manager zum Interview getroffen, die unterschiedlicher nicht sein können. Das fällt schon direkt zu Beginn auf. Der eine nervös, beschwert sich, dass er die Fragen nicht vorher zur Durchsicht bekommen hat. Der andere entspannt wie immer, stellt in Ruhe das Mikrofon seines Interviewpartners ein. Wie die beiden Konkurrenten den Giro sehen erfahrt ihr hier im Interview.

"Ich will dieses Jahr den Giro gewinnen!"

Hallo ihr Zwei, schön, dass es geklappt hat mit dem Doppelinterview. Anlass ist die erste GT der Saison, der Giro. Welchen Stellenwert hat der Giro für euch?

Stefan: Hallo erstmal. Giro war schon immer das schönste Rennen der Saison. Da die größten Fahrer meistens aus Italien kommen und ich auch Italien Fan bin, da kann’s eigentlich nur ein schönes Rennen geben. Und mit Simoni war es früher immer grandios!

Timmy: Erstmal Hallo an die Elite Liga, Danke für die Aufnahme in eure tolle Runde! Ich freue mich jedes Mal, wenn wir zocken. Ich erzähl auch immer viel davon. Der Giro hat für mich einen richtig tollen Stellenwert. Ich kenne ja noch die alten Geschichten mit Simoni gegen Cunego, da wurden die Legenden und Geschichten erzählt. Der Giro ist für mich besonders, weil es die erste große Rundfahrt des Jahres ist und man bis Mai warten muss. Dann gibt es tolle Strecken, tolle Etappen, die tollen italienischen Fans… Ich will dieses Jahr diese Rundfahrt bestreiten und gewinnen!

Stefan, hast du eigentlich schon mal den Giro gewonnen?

Timmy: Darf ich für Stefan antworten? NEIN! Ich habe noch mal nachgeguckt, hat er nicht!

Stefan: Natürlich habe ich schon den Giro gewonnen!

Timmy: Aber nicht mit Nibali!

Stefan: Nein, mit Nibali nicht. Aber mit Contador und Valverde (bei Quickstep)

Im letzten Jahr wurde Nibali unter Stefans Regie Zweiter. Kannst du das wiederholen, Timmy?

Timmy: Ich denke mit einer richtig guten Vorbereitung, die ich auf jeden Fall machen werde wenn ich die Giro Etappe fertig gebaut habe, ist der zweite Platz drin. Ich erinner mich noch an die 3 Etappensiege von Stefan, er war super vorbereitet…. Also Podium auf jeden Fall, und mit ein bisschen Glück und einem guten Zakarin Helfer ist auch der Sieg drin.
Aber Nibali wäre auch nur Dritter geworden, wäre Meintjes nicht gestürzt…

Im letzten Jahr war Nibali für viele der Topfavorit. Warum hat es nicht zum Sieg gereicht?

Stefan: Einfach auf einer Etappe verschissen… Zu weit hinten gefahren, geblockt worden, und dann waren wir weg.

Wie wir bereits wissen wird Stefan für das Team Sky fahren. Wer ist dort der Kapitän und welches Ziel hat dir Hakan mitgegeben?

Stefan: Simon Yates wird der Kapitän sein, Ziele sind nicht ausgemacht, aber Podium ist auf jeden Fall Pflicht.

Was ist euer Minimalziel, wo ihr sagt: Der Giro ist gut gelaufen!

Timmy: Mein Ziel ist Podium, das Minimalziel ist aber der Kampf um das Gesamtklassement und ein Etappensieg. Dann habe ich eine gute Rundfahrt gehabt.

Stefan: Mein Ziel ist mit Cunego mitzuhalten. Ich denke mal Meintjes wird dort Kapitän sein und wird mit um den Sieg fahren.

Wen schätzt ihr als eure größten Konkurrenten ein?


Stefan: Aru wird auf jeden Fall dabei sein, Meintjes, von Jumbo einer, Pozzovivo, wobei ich da noch nicht weiß wo ich ihn einordnen muss, ich glaube letztes Jahr hatte der nur +1 beim Giro.

Timmy: Ich denke Roglic wird ein ganz heißer Kandidat sein, natürlich Yates, Valverde, Aru, falls Akkez mit Titelverteidiger Landa an den Start geht, er auch.
Die Frage ist noch was basti macht, CCC ist auch immer gefährlich.

Gibt es Schlüsseletappen? Etappen, vor denen ihr Angst habt?

Stefan: Um ehrlich zu sein habe ich noch keinen einzigen Blick auf die Etappen geschmissen, ich weiß nur, dass es kein Mannschaftszeitfahren gibt.

Timmy: Ich bin jetzt auch noch nicht so vorbereitet. Die drei Zeitfahren habe ich mir schon ausgedruckt, da muss ich ran mit Nibali, da könnte ich mit seinen Werten vielleicht ganz gut mithalten. Dann gibt es ein paar Etappen die über 200 km lang sind, das sind ja Nibali Etappen. Ich hab ja im Frühjahr schon ein, zwei Girotests gemacht und Daten sammeln können. Aber in den Dolomiten trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Aber wie du siehst bin ich weitaus besser vorbereitet als mein Konkurrent Stefan.

Du hast ja auch eine Etappe gebaut, da wirst du dich auskennen…

Timmy: Ja, die 10te Etappe ist tellerflach, da kann einiges passieren. Ich hab nur enge Straßen drin.

"Giro ist knallhart. Da musst du 3 Wochen ohne Fehler durchkommen."


Timmy, du bist ja noch recht neu in der Liga. Was hast du aus den bisherigen GTs gelernt?

Timmy: Dass natürlich dieser Level sehr hoch ist, es ist unglaublich schwierig hier mitzuhalten. Ich hab ja früher mit Stiban, den ihr ja auch kennt aber nicht häufig seht, Netzwerksessions gehabt und da war ich noch einer der Besten, auch wenn ihr jetzt lachen werdet… aber hier ist der Spielfluss völlig anders und dann noch mit x2…es ist hart. Ich merke ich kann nicht viele Fahrer gleichzeitig steuern, ich muss mich immer auf einen Fahrer konzentrieren und ich muss vorbereitet sein um mithalten zu können. Es ist eine Höllentour bei euch, ein richtig hoher Schwierigkeitsgrad. Aber ich lerne, ich sammle Daten wie ein Computer. Auch wenn es jetzt nicht so aussieht, gefühlsmäßig ist es in diesem Jahr was das Gesamtklassement angeht besser als das letzte Jahr. Irgendwann habe ich dann auch ein gutes Team aufgestellt, irgendwann wird mein Neffe dann das Team übernehmen und gewinnen, aber vorher würde ich auch gerne mal was gewinnen, z.B. den Giro.

Stefan, hast du denn noch Tipps für Timmy?

Stefan: Hmmm…eigentlich immer nur schön am Ende vom Feld fahren, aber das kann er ja inzwischen… Giro ist halt 3 Wochen knallhart ohne jeden Fehler durchkommen. So wie bei mir letztes Jahr, ein Mal geblockt, da ist man gleich mal 3 Minuten weg.

Stefan, wenn ich an den Giro denke muss ich immer an Ulissi und Brambilla denken. Was sind deine größten Erinnerungen an den Giro?

Stefan: Tatsächlich genau dieser Giro damals. Ich glaube das war mit Contador als Kapitän, dann Ulissi und Brambilla als Helfer, das waren die geilsten Momente. Ansonsten letztes Jahr, das werde ich auch nie vergessen, da waren schon einige schöne Bergetappen dabei, wo ich kämpfen musste und probiert habe und verloren habe. Oder früher Phil mit Simoni…das war auch schön.

Kommen wir mal etwas ab vom Thema Giro. Timmy, dein Team hat sich in der vergangenen Transferperiode enorm verstärkt, dennoch stehst du im Schwanzvergleich und bei den Siegen nicht gut da. Warum läuft es bisher nicht? Was ist mit Kittel los. Wird das noch was?

Timmy: Das stimmt. 2018 war er der große Etappenjäger, aber er wurde ja in letzter Zeit von Dani stark abgewertet (zurecht). Er steckt irgendwie gerade in einer Lebenskrise. Er war mein Erfolgsgarant, da merke ich natürlich, dass das gerade wegbricht. Bei der Türkei Rundfahrt dachte ich, ich könnte mithalten und einen Etappensieg holen, aber der Spielfluss mit Kittel hat sich völlig verändert, ich krieg ihn gar nicht mehr in Position für den Sprint.2019 fahre ich aber ohnehin mehr auf Gesamtklassement, da reicht es weniger für Etappensiege. Mit Frank war ich mal nahe dran, aber da hatte Cunego etwas dagegen, mit Nibali werde ich auch ständig kurz vor Ziel eingeholt.

Stefan, du hast in den vergangenen Saisons das Team Androni betreut. Warum hast du das aufgegeben?

Stefan: Zum einen wegen der Familie. Die beiden Töchter wollen auch freitags weg und da ist es hinderlich wenn ich RSM spiele, während ich die beiden fahren muss. Und mein Problem ist: Wenn ich ein Team habe, will ich es auch fahren und nach vorne bringen. Ich glaube wenn ich aktuell den Weltcup anschaue wäre Androni auf jeden Fall bei den Top 10 dabei, vom Kader her. Ich glaube ich wäre auf jeden Fall vor Jumbo! Im Frühjahr war ich jedenfalls immer vor Jumbo.

"Chris Froome ist der beste Rundfahrer seit Armstrong. Aber der neue Star wird Bernal."

Der größte Radsportler der vergangenen 20 Jahre ist für mich…

Stefan: Chris Froome, da er der beste Rundfahrer seit Armstrong ist. Ich schätze ihn sogar stärker ein als Lance. Der neue Star wird Bernal.

Timmy: Cavendish! Er hat 2000 schon ganz jung die ersten Tour de France Etappen gewonnen, er war ein schneller Mann, er war über 5-6 Jahre der beste Sprinter, sowas habe ich in den letzten 20 Jahren auf Sprintniveau nicht mehr gesehen.

Stefan, kannst du in etwa sagen, wie viel Zeit du für das Ranking insgesamt investiert hast, wie viel für diese Saison und wie viel Zeit du pro Woche noch investierst?
Stefan: Ich schätze insgesamt an die 700-1000 Stunden, locker. Die aktuelle Version ist eigentlich nur eine Verbesserung der alten Versionen, das waren vielleicht 30-40 Stunden. Aktuell mache ich gar nichts mehr. Irgendwann wird noch das Tippspiel für die reale Radsportwelt kommen, aber der Code ist sehr aufwendig.

Gibt es noch Projekte, die du realisieren möchtest?
Stefan: Im Forum gibt es ja schon einen Punkt den ich mit Kotschi und Cunego habe(unsichtbar), das ist wie ein Karrieremodus zum Ranking. Da wird dann jedem Fahrer eine Moral zugeordnet. Sagen wir mal, wir nehmen Renes Team. Wenn die Fahrer dann keine guten Ergebnisse einfahren sinkt die Moral. Das ist dann sichtbar. Es hat zwar keinen Einfluss im Rennen, ist aber ein zusätzlicher Faktor nebenbei.

Zum Schluss ein Tipp: Stefan, wievielter wird Nibali beim Giro? Timmy, wievielter wird Yates beim Giro?

Stefan: Nibali? 6ter!

Timmy: Yates? 8ter!

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 21.05.2019, 15:29

"Der Vater des Erfolgs von Peter Sagan ist Greg Van Avermaet"

Dani im Interview über seine Suche nach der perfekten DB, Das Duell Sagan vs. van Avermaet und warum der RSM nach 12 Jahren für ihn immer noch spannend ist

Hallo Dani, soeben hast du den Giro fertig gestellt und dabei wieder einige Etappen gebaut. Wie viel Zeit hast du denn mit dem Giro verbracht?

Hi, eigentlich gar nicht mal so viel. Ich hab mich ja in der letzten Zeit darauf spezialisiert alte Etappen umzubauen und es ist schon ein großer Unterschied, ob man nur 70 km oder 200 bauen muss. Ich denke mal ich hab in den letzten zwei Wochen so jeden Tag 1-2 Stunden an den Etappen gesessen, aber zwischendurch gab es immer wieder Tage wo ich gar nichts gemacht habe. Ich hab auch oft den StageEditor auf und mache nebenbei noch hundert andere Sachen am PC, darum kann man das gar nicht so genau sagen. Es macht mir halt riesig Spaß und das ist auch immer ne super Vorbereitung auf die Etappen in echt. Wenn man die schon gebaut hat, hat man sehr gute Streckenkenntnis und weiß manchmal genau, was nach der nächsten Kurve kommt. Ich hab da echt großen Spaß dran, und freue mich oft, dass jetzt endlich wieder eine bestimmte Rundfahrt gebaut werden muss. Klar gibt es auch immer wieder Wochen, wo ich gar keinen Bock habe. Trotzdem habe ich bisher, fast immer ohne Stress, alles pünktlich für unsere Rennen fertig.

Zum Giro wurde ja auch wieder eine neue DB fertiggestellt. Erklär uns doch mal, wie viel Zeit du jeweils für neue DBs brauchst und was der Vorteil der aktuellen Bewertung gegenüber früher darstellt.

So wie das Etappenbauen immer ne Vorbereitung auf die echten Rennen ist, ist Rennen gucken ne Vorbereitung auf die DB, genauso wie Ergebnisse und Rennverläufe recherchieren. Die wirkliche Bewertung dauert bei mir vielleicht ne Stunde pro Woche oder so. Die DB Werte dann fertig machen vielleicht nochmal 1-2 Stunde extra. Darum gibts neue Werte auch nur jede zweite Phase. Trotzdem geht jetzt alles deutlich schneller als früher, wo ich noch jeden Fahrer nach jedem Rennen einzeln überprüfen musste. Die Werte werden zu jeder DB für jeden Fahrer neu berechnet und niemand wird vergessen oder so. Das geht nicht nur deutlich schneller sondern ist auch deutlich fairer. Die Formeln zur Berechnung sind natürlich nicht perfekt und ich versuche immer alles noch ein kleines bisschen besser zu machen. Wie du weißt, ist es sehr schwer das richtige Gleichgewicht zwischen allen Fahrern und Werten zu finden.

Bei neuen DBs gibt es auch immer viele Diskussionen. Nervt dich das? Wer nervt dich besonders? Was würdest du dir wünschen?

Eigentlich finde ich das ja super, wenn ihr euch einbringt. Am liebsten würde ich von jedem von euch zu jedem Rennen in echt eine Einschätzung bekommen und dann überlege ich mir passende Werte. Ich hab oft Rennen, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich das gut bewertet habe, aber ich wenn ichs ins Forum poste, wird es von allen akzeptiert. Wirkliche Diskussionen gibt es nur bei den ganz großen Rennen mit den höchsten Werten und oft sind es dann immer nur 1-2 Fahrer, wo es ewig lange Diskussionen gibt. Sowas nervt dann schon manchmal. Mir ist das große Ganze am wichtigsten und extra für 1-2 Fahrer ne Sonderregel einführen macht auf Dauer mehr Probleme, als es Sinn macht.

Kommen wir mal zu deinem Team. Die Kalifornien Rundfahrt steht an, schon aufgrund des Sponsors ein wichtiges Rennen. Wie sehen dort deine Ambitionen aus?

Ja der große Kapitän Greg Van Avermaet gibt sein Comeback nach seiner Rennpause, die er nach Paris Roubaix eingelegt hat. Er ist jetzt schon in San Francisco und nimmt einige Sponsorentermine wahr. Das Rennen ist ihm nicht wirklich auf den Leib geschneidert, darum sind unsere Ambitionen nicht so hoch. Unsere Top Bergfahrer und Sprinter (also die mit 75-76) sind ja beim großen Giro am Start. Unsere amerikanischen Fahrer sind natürlich besonders motiviert, vielleicht können wir eine Etappe gewinnen. Neilson Powless wird die Kapitänsrolle übernehmen.

Für deine amerikanischen Fans: Welcher Amerikaner deines Teams hat das größte Potenzial?

In den letzten Jahren kommt nicht mehr viel aus den USA nach. Die Generation Lance Armstrong hat da vieles kaputt gemacht. Seitdem unser Team die amerikanische Lizenz hat, haben wir versucht viele junge Amerikaner zu fördern, aber für diese Jungs ist es sehr schwer sich in Europa durchzusetzen und viele Talente mussten ihre Karrieren früh beenden. Ich bin ein großer Fan von Sepp Kuss, den ich damals bei den Redlands als absoluten Amateur gesehen habe und dann sofort in meinem Team haben wollte. Wenn alles gut läuft, wird er dieses Jahr vielleicht die Vuelta fahren und dort sein Potential zeigen.

Das Frühjahr verlief für dich sehr gut, aber trotzdem gab es immer wieder einen Peter Sagan, der vor Greg stand. Hast du ihn insgeheim verflucht?

Naja, ich denke die Rahmenbedingungen waren allen klar: Greg muss ohne Sagan das Ziel erreichen, wenn er gewinnen will. Wir sind immer klar auf Attacke gefahren, konnten Sagan aber nicht abschütteln. Ich war auch eher enttäuscht, dass von den anderen niemand mithalten konnte. Ohne Greg Van Avermaet wäre die Flandernrundfahrt und Roubaix sehr langweilig geworden, wir haben wenigstens eine gute Show geboten. Was viele nicht wissen: Der Vater des Erfolgs von Peter Sagan ist quasi Greg Van Avermaet. Wir haben uns vor der letzten Saison mit Greg zusammengesetzt und eine Saison geplant, wo er das ganze Jahr über Rennen gewinnen kann. Die Teamleitung von Quickstep hat sich sehr beeindruckt gezeigt. Und wir glauben Peter kopiert die Saisonplanung, die Greg im letzten Jahr geplant hat. Er soll sogar mit mit Gregs Personal Fitness Trainerin zusammen arbeiten.

Mit Michael Woods stellst du den Weltmeister. Ist die Titelverteidigung das Ziel?

Nein, der Kurs in Yorkshire wird leider viel zu einfach sein. Er steht natürlich am Start und wird alles geben, aber wir rechnen mit nem Sprint einer kleinen Gruppe und da gewinnt dann natürlich Peter Sagan.

Du hast mittlerweile keinen „echten“ Rundfahrer mehr. Wie verändert es deine Herangehensweise an Rundfahrten?

Da wir auch keinen guten Sprinter mehr haben, ist es oft sehr frustrierend. Ich stelle bei jeder Rundfahrt einen Fahrer für die Gesamtwertung ab, oft muss ich dann leider früh feststellen, dass da die Top10 unmöglich sind. Meistens ist der zweite Platz in der Bergwertung und der letzte Fahrer zu sein, der 50 km vor dem Ziel eingeholt wird, das einzige was möglich ist. Die Grand Tours bleiben trotzdem die wichtigsten Rennen des Jahres und unsere besten Fahrer sind da alle mit Fitness am Start, aber vermutlich werden wir dieses Jahr keine Grand Tour in den Top 10 beenden, dafür kann ich versprechen, dass wir in jeder Ausreißergruppe zu finden sein werden.

Wenn ich mich so zurückerinnere an deine Vergangenheit ist für mich der größte Erfolg der Sieg in Roubaix mit Dominic Klemme. Was ist für dich der größte Erfolg?

Das ist schwer zu sagen. Es gab viele unterschiedliche Siege mit unterschiedlichen Fahrern bei unterschiedlichen Rennen, das kann man oft gar nicht vergleichen. Manche Siege bleiben einem natürlich im Gedächtnis. Ganz am Anfang habe ich zwei geniale Ausreißer Coups gelandet, wo Guido Trentin Tirreno Ardiatico gewinnen konnte und Mathieu Sprick die Dauphine. Dann war da natürlich der unerwartete aber großartig herausgefahrene WM Titel von Johan Vansummeren. Mein einziger Tour de France Sieg, wo ich das ganze Jahr in die "Mission Jaune" verwandelt habe, und am Ende tatsächlich das gelbe Trikot hatte, war natürlich auch unvergesslich. Was ihr bei dem Klemme Sieg immer vergesst: Die Woche vorher hatte ich mit Bert De Waele die Flandern Rundfahrt gewonnen. beide hatten bei ihrem jeweiligen Rennen 99 +5 und das waren meine ersten und einzigen Siege bei den KSP Monumenten bis vor zwei Jahren Greg Van Avermaet ein unvergessliches Frühjahr hinlegte.

Gibt es eigentlich noch irgendetwas, was du noch nicht gewonnen hast und noch unbedingt gewinnen möchtest?

Ich gewinne doch überhaupt nichts. Bei den Monumenten fehlt mir immer noch der Mailand San Remo Sieg, aber in den letzten Jahren, war nie der richtige Fahrer im Team. Und ich hab ja von 50 Grand Tour Starts, oder wie viele das waren, bisher nur eine gewonnen. Giro und Vuelta fehlen, dazu auch fast alle Wertungstrikots. Bergtrikots hab ich früher mal gewonnen, als es noch kein Geld dafür gab. Aber für Sprintwertung und Nachwuchswertung waren nie die richtigen Fahrer in meinem Team. Vielleicht auch ein Vorteil, wenn man nie die ganz großen Fahrer hatte, man wird niemals satt, weil es immer noch so viel zu gewinnen gibt.

Wer ist dein Lieblingsradsportler? Welches Rennen magst du besonders gern?

Die Liga beeinflusst natürlich einiges. Man fiebert besonders mit seinen eigenen Fahrern mit und schimpft, wenn einer gewinnt, den man nicht bekommen hat. Ich mag Fahrer, die immer wieder attackieren und nie aufgeben. ich glaube auch der Kämpfer Wert ist der einzige, wo ich immer Weltklasse war. Ich hänge natürlich an Fahrern, die ich entdeckt habe, als sie noch keiner auf dem Schirm hatte und durch Höhen und Tiefen begleitet habe, wie Tanel Kangert und Toms Skujins. Auch so Fahrer, die direkt eingeschlagen haben, wie Tim Wellens oder Michael Woods haben mir großen Spaß gemacht. Da bin ich vorm Fernseher auf und ab gesprungen, wo sie ihren ersten Sieg eingefahren haben. Bei den Rennen gibt es viele Besondere, die Highlights sind klar die Frühjahrsklassiker und die Grand Tours, aber fast jedes Rennen hat seinen eigenen Charme. Wenn du wissen willst, auf welches Rennen ich mich immer am meisten freue, ist das die Tour Down Under, weil dann geht endlich die Saison los!

Du bist Gründer der Liga, seit 2007 dabei, hast viele Manager kommen und gehen sehen. Vermisst du jemanden, der nicht mehr da ist? Wer ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Die Anfänge waren vor ner gefühlten Ewigkeit. Klar erinnere ich mich an sehr sehr viele Namen, Leute wie Sebbi, Marlon, Ghosty, Otti, Phil kommen mir von den ehemaligen als erstes in den Sinn, die alle die Liga auf irgendeine Art geprägt haben. Aber die meisten von euch sind ja auch schon eine Ewigkeit hier und ein wichtiger Teil der Ligageschichte. Ich wüsste jetzt keinen, den ich besonders vermisse. Alle die aktuell Interesse haben sind da und die neueren Manager sind auch alle super. ich freue mich über jeden der zurück kommt oder ganz neu ist.

Warum bist du nach all den Jahren noch in der Liga dabei, was gibt sie dir?

Ich glaube, die Liga verbindet einfach mehrere Interessen von mir sehr gut. Ich finde einerseits den modernen Radsport super interessant, aber ich bin auch sehr Geografie interessiert. Wo findet welches Rennen statt, wo genau liegt dieser Berg, das interessiert mich und darum baue ich auch so gerne Etappen. Ich mag auch Zahlen und Statistiken und die Fähigkeiten der Fahrer in den Werten darstellen macht mir einfach Spaß. Es ist eine super interessante Aufgabe, den echten Profi Radsport möglichst realistisch in der Liga nachzustellen. Und wir sind lange noch nicht fertig hier. ich könnte bestimmt 100 Punkte aufzählen, die wir noch verbessern müssen. Dann macht es mir natürlich großen Spaß ein Team zu managen, die Saison für jeden Fahrer zu planen und natürlich auch die Rennen selbst. Und dann seid da natürlich ihr alle, die diese Leidenschaft teilen. Alleine für mich habe ich schon ewig keine Karriere mehr im Radsportmanager gespielt. Zusammen über Radsport diskutieren und dann die echten Rennen nachspielen, ist das was diese Liga ausmacht.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 20.06.2019, 08:55

"Fuglsang ist in meinen Händen eine Waffe und wird die Tour de Suisse gewinnen"

Gerd im Interview über seine Mia San Mia-Einstellung, seine Transferphilosophie und was er von Fuglsang bei der Tour de Suisse erwartet

Hallo Gerd, bei Hamachi nennst du dich „Gerd der beste“. Einfach nur ein Spaß, oder ist das einfach deine mia san mia Einstellung?

Hallo Herr Uhri .Erstmal muss ich mich entschuldigen, dass es nicht früher geklappt hat mit dem Interview. Da ich ja FC Bayern Fan bin wie Sie wissen,habe ich mich aufgrund der Mia San Mia Einstellung Gerd der beste genannt.Sind wir doch einmal ehrlich,gibt es einen besseren wie mich? 😉 (Hier wäre ein als richtig gewesen, Anm. der Redaktion)

Und dennoch bist du nur auf Platz 12 in der Weltcupliste. Was fehlt noch zu Teams wie Lotto oder Quick Step?

Erwischt.Die Manager der beiden Teams sind halt auch bei jedem Rennen dabei.Da ich aber oft lange arbeiten muss, oder meinen anderen Hobbys nachgehe, bin ich halt nur auf Platz 12.Hauptziel ist es dieses Jahr vor Katusha zu landen .Das sollte auch klappen.

Jakob Fuglsang hat bei der Kalifornien Rundfahrt sein Potenzial mit Platz 1 abrufen können. Ist er nun auch bei der Tour de Suisse am Start? Nimmt er auch eine GT in Angriff?

Bei der Tour de Suisse wird er am Start stehen und sie auch gewinnen. Da ich meine Planung in 5 min gemacht habe hat Fuglsang bei keiner GT Fitness.Aber da er ja dieses Jahr in die Top 3 der TDF kommt steht er nächstes Jahr mit Sicherheit bei einer GT am Start. Ob bei mir oder anderswo steht noch in den Sternen.

Du deutest da eine Wechselmöglichkeit an. Hat er etwa einen Wechselwunsch geäußert?

Noch nichts konkretes .Aber da das Team Dimension Data jedes Jahr ein paar Transfers tätigt 😄 kann es gut sein, dass er geht.
Denn in meinen Händen ist er eine Waffe und das kann ich keinem zumuten.

Apropos Fuglsang. Er hat nun Berg 77/Hügel 78. Uhri kritisiert den Bergwert. Wie siehst du das?

Da kann ich wenig dazu sagen. Aber erstmal finde ich die 78 HÜG gerechtfertigt ,da er diese Saison die HÜG Klassiker dominiert hat.Ob er nun die 77 KL verdient hat weiß ich nicht, aber nach der Tour ist dies eh Geschichte da er dann 79 Kl hat.

In der letzten Transferphase hast du wie immer fast das ganze Team ausgetauscht. Steckt da ein System dahinter oder brauchst du einfach nur Abwechslung?

Da steckt kein System dahinter, das sieht wohl jeder. Ich nehme mir vor jeder Transferphase vor meine besten Fahrer zu behalten und mich nur punktuell zu verstärken.Aber das klappt nur ca 2 Wochen. Diese Transferphase wollte ich ja eigentlich Geraint Thomas behalten ,hat dann leider doch nicht funktioniert .Ich fand den Transfer aber nicht so schlecht wie einige damals sagten.Ich hatte übrigens auch Degenkolb schon mal im Team ,da hat ihn noch fast keiner gekannt.

Dann kann er ja noch mal zurückkommen...

Sehr guter Witz, ich lach mich tot. Sie Wissen schon, dass er im Team von Rene fährt? .Ich habe keine Lust meine ganzen Top Fahrer gegen Degenkolb zu tauschen .Man gewinnt eher 1Mio im Lotto als mit Rene einen Transfer zu tätigen.

Dein Team hat ja einen afrikanischen Hintergrund. Wie wichtig ist der und wer ist der Afrikaner deines Teams auf den wir am ehesten achten sollten?

Der Hintergrund ist mir nicht sehr wichtig. Ich würde am ehesten auf Ryan Gibbons aufpassen ,bei dem denke ich könnte noch was gehen.

Mit Kristoff, Fuglsang, Gilbert und Trentin sind deine besten Fahrer schon in etwas höherem Radsportalter. Hast du keine Angst, dass es da bald bergab gehen könnte mit den Leistungen?

Ich weiß nicht warum ihr alle dem Jugendwahn verfallen seid.Wenn einer noch Top Leistungen bringt spielt das Alter keine Rolle. Gilbert hat Roubaix gewonnen , Fuglsang hat die Ardennen Klassiker dominiert, Kristoff hat Wevelgem gewonnen also alles gut.

Du bist schon quasi seit Beginn der Liga dabei. Weißt du noch welche Teams du alle betreut hast? Wer war der beste Fahrer in deinem Team in all der Zeit? Was war dein größter Erfolg?

Uff, da muss ich Überlegen.Meine Teams waren glaube ich Dimension Data,Garmin Slipstream und Discovery Channel. Bester Fahrer war für mich Andreas Klöden mit dem ich viel Spaß hatte. Grösster Erfolg war letztes Jahr der Erfolg bei Paris Roubaix mit Stybar.

Hattest du nicht auch mal Milram oder Gerolsteiner?

Gerolsteiner hatte ich ,denke ich zumindest

In den vielen Jahren hast du auch Manager kommen und gehen sehen. Hand aufs Herz. Wen mochtest du in all den Jahren überhaupt nicht?

Ich komme eigentlich mit jedem zurecht, es gibt zwar ein paar Reibereien ab und zu ,aber eigentlich sehen die Manager ein, dass ich immer im Recht bin.Obwohl ich kann mich da an einen erinnern der sich Sebbi nannte ,der war glaube ich ein richtiges Arschloch, genaueres kann ich zu dem aber nicht mehr sagen. (sebbi war von Beginn bis ca. 2010 in der Liga und hat sich mit Löschung unseres gesamten Forums verabschiedet, Anmerkung der Redaktion)

Mal eine Frage abseits des Radsports. Etwas was unsere Leser besonders interessiert. Du bist als Sportler bekannt. Was passt eher zu dir? Marathonlauf oder Schwergewichtsboxen?

Sorry, aber diese Frage ist eine absolute Frechheit. Ich sehe mich eher als Ballett-Tänzer ! Aber wenn ich ehrlich bin dann Schwergewichtsboxer😉,der sehr gerne Fahrrad fährt.

Hauptsache gesund. Als erfahrener Manager, der niemandem etwas mehr beweisen muss, was kannst du Leuten wie Timmy oder uhri raten, damit sie annähernd an dein Niveau herankommen können?

Üben, Üben, Üben. Uhri hat ja schon fast mein Niveau, auch bei Timmy sehe ich Fortschritte . Er hat ja in letzter Zeit ein paar Etappen mit Kittel gewonnen.Für den ganz grossen Wurf wird es aber leider nicht reichen denke ich,da er zu nervös vor den Rennen ist.Er sollte entspannter an die Sache rangehen, dann klappt es besser denke ich.

Zum Abschluss vervollständige bitte folgenden Satz: In der nächsten Transferperiode werde ich…

Vielleicht fast keine Transfers tätigen.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 06.08.2019, 19:04

"Ich denke es ist kein Geheimnis, dass ich Pinot gerne wieder in meinem Team hätte"

Basti im Interview über seine bisher durchwachsene Saison, die Kaderplanung von CCC und warum er Lotto Soudal dankbar ist.


Hallo Basti, du hast Ende letzten Jahres das Team übernommen, wie sieht dein Fazit der ersten Monate aus?

Hallo uhri, also so richtig übernommen habe ich das Team erst zu Beginn der neuen Saison, als ich für das Team die Saisonplanung übernommen habe, um für das Team nur ab und zu mal in der World Tour an den Start zu gehen. Aber irgendwie ist es nicht nur bei einer Teilnahme an World Tour Rennen geblieben. Mein Fazit fällt relativ durchwachsen aus. Es gab in der Zeit schon sehr viel gutes, vor allem die vielen Erfolge in Sprints muss man da hervorheben, aber leider wurde ein Höhepunkt des Teams aufgrund eines Sturzes komplett versaut und das hat die Stimmung im Team ganz schön gedrückt.

Ein zweiter Platz beim Amstel Gold Race, ein Sieg in Frankfurt sind bisher die größten Erfolge. Das kann doch noch nicht der Anspruch sein, oder?

Warum wird hier der 2. Platz beim Cadel Evans Great Ocean Road Race von Ewan, oder der 3. Platz in Californien durch Chaves nicht erwähnt? Ebenfalls ist bei der Strade Bianche mit Platz 4 durch Matthews ein starkes Ergebnis erzielt worden. Der überragende Giro von Cort kommt ja auch noch dazu. Also wie sie sehen gab es in der kurzen Zeit schon einige Erfolge zu verbuchen. Der Anspruch ist es genau da weiter zu machen im Verlauf der Saison. Gerade von Matthews erwarten wir uns noch einiges, er befindet sich gerade nach langer Pause wieder im Formaufbau und wird noch einiges zeigen.
Außerdem möchte ich noch die vielen siege von Bouhanni erwähnen, ich denke das hätten ihm viele nicht mehr zugetraut. Auch wenn er zugegebenermaßen nur der King ob Kirmes ist, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß mit ihm zu fahren.

Finanziell war der Giro der größte Erfolg. Wie zufrieden warst du mit den Gts?

Die Gts liefen bisher leider überhaupt nicht nach Plan. Vorallem der Giro war eigentlich die größte Enttäuschung in dieser Saison. Wir wollten mit Lopez das Podium erreichen und alles war darauf ausgelegt. Leider stürzte er dann vor der ersten Bergetappe schwer und konnte nicht weiterfahren. Er fühlte sich so stark wie noch nie und sagte uns hinterher, dass er ohne den Sturz locker auf das Podest gefahren wäre. Dass er das Team dazu gehabt hätte, sieht man auch daran, dass wir ohne ihn noch 2 Wertungen gewonnen haben. Wir sind stolz darauf, dass sich das Team trotz des Sturzes von Lopez nicht hängen ließ, wie es bei anderen Teams hier schon häufiger vorkam und trotzdem noch das Beste draus gemacht hat.

Was ist dir wichtiger? Die Siegstatistik oder der Weltcup?

Keins von beiden. Am Ende steht immer noch der Spaß im Vordergrund und wenn man das alles nicht so verbissen sieht, kommen die Erfolge irgendwann von ganz alleine.

Mit Fabio Aru hat das Team im letzten Jahr einen starken Bergfahrer verloren, dafür Ewan verpflichtet. In diesem Jahr verlässt Esteban Chaves das Team und Vanmarcke kommt. Ist das ein Versuch das Team breiter aufzustellen? Reicht die Bergfahrerfraktion überhaupt aus?

Zuerst einmal würde ich sagen, dass mein Vorgänger mit dem Transfer von Ewan alles richtig gemacht hat. Seine Entwicklung war grandios und wir erhoffen uns noch sehr viel von ihm.
Nun zur eigentlichen Frage, wir haben den Saisonverlauf bis zum aktuellen Zeitpunkt analysiert und festgestellt, dass wir das Team etwas anders aufstellen wollen. Ob das so klappt, werden wir sehen und im Laufe der nächsten Saison wird sich auch erst herausstellen, ob wir alles richtig gemacht haben.

Der Abgang von Chaves hat durchaus überrascht. Hat das damit zu tun, dass er sich nun mit Antwan Tolhoek bei kleineren Rundfahrten rumschlagen muss, statt Gts angreifen zu können?

Chaves war ein Sonderfall. Chaves hat es leider in letzter Zeit nicht mehr geschafft sein volles Potential abzurufen. Das hat verschiedene Gründe, auf die wir nun nicht genauer eingehen müssen. Als dann die Anfrage von FDJ kam, bei denen man weiß, dass der Manager Cookie sehr große Stücke auf Chaves hält und diesen schon letzte Saison unbedingt verpflichten wollte, wollte man ihm hier keine Steine in den Weg legen. Wir wünschen ihm, dass er zu alter Stärke zurückfindet und sich nicht mit Fahrern wie Tolhoek herumschlagen muss, sondern wieder das Level von Fahrern wie Thomas und Co. erreicht.

Zwischen deinem Ausstieg bei FDJ und deiner Zusage bei CCC lag gar nicht so viel Zeit. Warum hast du damals FDJ verlassen und was hat dich an CCC gereizt?

Ich hatte mich damals entschlossen, dass ich mich aus dieser Liga komplett verabschiede. Das hat dann ja auch ganz gut geklappt. Bis dann im letzten Winter die Anfrage von Eddie kam, ob wir nicht für eine von Lotto-Soudal organisierte Rundfahrt zusammen ein Team bilden wollen. Das Konzept hinter dieser Rundfahrt hat mir sehr gefallen und so bin ich hier irgendwie wieder reingekommen. (in diesem Sinne nochmal vielen Dank dafür an Lotto Soudal)
Und da CCC ein super Team ist, welches schon lange nicht mehr wirklich gesteuert wurde, musste ich ja irgendwas machen, um dieses Team zu retten ;)

Gibt es Fahrer von FDJ, die du dir in deinem Team wünschst?

Ich denke es ist kein Geheimnis, dass ich gerne wieder Pinot in meinem Team hätte. Er ist mein absoluter Lieblingsfahrer. Es gibt natürlich noch den ein oder anderen, mit dem ich sehr gerne wieder Rennen fahren würde, aber Namen möchte ich jetzt nicht unbedingt nennen, da Transfers mit diesen Fahrern so gut wir unmöglich sind.

Nun steht das Heimrennen an, die Polen-Rundfahrt. Wie sind die Ziele für das für den Sponsor so wichtige Rennen?

Eigentlich sollte hier Chaves auf die Gesamtwertung fahren und Ewan für die Sprints zuständig sein. Aber wir haben kurzfristig die Planung geändert, da wir gesehen haben das das Rennen leider an einem Freitag stattfindet, an dem der Manager keine Zeit hat. Man stellt sich sowieso die Frage, was die Organisation sich bei der Planung gedacht hat. Die Polen Rundfahrt findet am Freitag statt und Sonntags gibt es nur Kirmes...das muss mal einer verstehen.

Wenn ich auf den Kader schaue, fällt mir auf, dass es gar keine Polen gibt. Wird sich das ändern?

Ich würde schon gerne den ein oder anderen polnischen Fahrer in meinem Team haben. Mal sehen ob sich da was machen lässt.

In deinen Teamthreads hast du Rennnews und Erfolgsstatistiken angekündigt. Wann sehen wir die?

Die kommen noch. Über den Sommer hat man viele andere Dinge zu tun, aber ich denke das da in den nächsten 1-2 Wochen mal was kommen wird. 😎

Kannst du dich noch erinnern, welche Gts du für mein Team gefahren bist?

Ähm. Also das muss ja ewig her sein. Denn ehrlich gesagt kann ich mich daran überhaupt nicht erinnern. Vielleicht kannst du mir da ja mal auf die Sprünge helfen. Aber wenn du dich daran noch erinnern kannst, dann muss es ja wenigstens einigermaßen erfolgreich gewesen sein *lacht* (Wer kann uns auf die Sprünge helfen? Nachrichten an die Redaktion!)

So. War das alles? Ich muss mich jetzt langsam mal wieder den anderen Themen widmen. Ich wette ich habe schon wieder neue Nachrichten von cookie bekommen. Der dreht gerade komplett am Rad was die Transfers angeht 😂

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » 13.08.2019, 16:56

„Cunego hat sogar Erfolg, selbst wenn er mit dem altem PC von Jonas spielen würde.“

Wir haben Uhri über sein Managementsystem, über die Binck Bank Tour, über den Mensch Uhri selbst, über seine Managerkollegen und über die Zukunft befragt.


Sehr geehrter Herr Uhri, es ist mir eine Ehre, im Auftrag der Elite Liga, Sie interviewen zu dürfen. Erstmal vorab ein großes Dankeschön für Ihre Leidenschaft und Mithilfe, diese schöne Elite Liga mitzugestalten und zu unterstützen. Ich denke, jedem ist hier bewusst, wie viel Energie und Zeit Sie in dieses Projekt aufwenden.
Kommen wir bereits zu meiner ersten Frage. Sie sind ein Manager, der sich über Jahre hinweg einen tollen Kader aufgebaut hat. Ihr Kader ist nicht nur in der Spitze stark, sondern auch in der Breite bestens vertreten. Nur wenige Manager können das von ihren Teams behaupten. Ein Kader, der auch sehr viel Gehalt kostet, der aber mit seinen Leistungen immer refinanziert werden kann. Was ist ihr Geheimnis? Wie kriegen Sie es hin, jedes Jahr so einen guten Kader zu besitzen und diesen Kader refinanzieren zu können?


Die Kaderzusammenstellung ist immer eine Mischung aus geschickten Transfers, gutem Scouting und viel Glück. Früher war das einfacher. Ich hatte ein klasse Team und habe alle Fahrer, die über 25 waren teuer verkauft und dafür junge Talente dazugekauft. Leider haben dann alle den gleichen Weg eingeschlagen, junge Talente waren plötzlich allen sehr wichtig. Also habe ich umdisponiert. Ich wollte dem wahren Rabobank-Team nacheifern und dieses möglichst ähnlich gestalten. Dazu natürlich den einen oder anderen jungen Fahrer dazu, das kann immer helfen. Mein Team wäre allerdings qualitativ noch etwas besser, wenn ich auch Spanier, Italiener oder Südamerikaner scouten würde. Doch dies mache ich vor allem aufgrund äußerst fragwürdiger Anti-Doping-Politik in den früheren Jahren (hier ist insbesondere Spanien zu nennen, die ihre Doper schützen) oder aktuell (Südamerikaner, wo es schlicht keine Tests gibt und das gesamte System korrupt ist) nicht. Dann lieber mit einem guten Gewissen. Ich bin jetzt 12 Jahre in der Liga und hatte bisher einen Dopingfall (Thomas Dekker), ich würde mich freuen wenn es dabei bleibt.
Und wie kann ich das finanzieren? Insbesondere deshalb, weil ich jedes Jahr einen Kapitän verkaufe. Mal war es Mollema, mal Kelderman. Das gehört zum Finanzierungsmodell dazu.

In Fachkreisen werden Sie mit der mythischen Hydra verglichen! Man sagt, wenn die Hydra einen Kopf verliert, wachsen an dessen Stelle zwei neue nach. Letztes Jahr mussten Sie Keldermann abgeben und haben schon zwei andere Stars durch ihre tolle Entwicklung den Verlust von Keldermann aufgefangen bzw. mehr als kompensiert. Was ist ihr Geheimnis beim Talentscouting?

Nischen suchen und vor allem die richtigen Rennen unter die Lupe nehmen. Avenir und Baby Giro kann jeder. Da muss man manchmal kreativ werden. Allerdings ist auch immer viel Glück dabei. Bei Van Aert, Groenewegen oder Jakobsen war es allerdings vorhersehbar, dass da eine große Zukunft bevorsteht. Glück war es z.B. bei Roglic.

Sie sind ein Paradebeispiel wenn es um die richtige Nominierung der Rennen geht. Das System wurde so ausgelegt, dass die Topfahrer an den Toprennen mit Fitness teilnehmen sollen. Sie sind einer, der es zu 100 % verinnerlicht hat. Z.B fährt ein Herr Groenewegen fast nur World Tour Rennen. Sind die sogenannten Kirmisrennen nichts für Sie? Sie könnten bei diesen sogenannten Kirmisrennen doch Ihre Siege noch weiter erhöhen?


In diesem Jahr habe ich mich bei den Nominierungen am groben Rennkalender meiner Fahrer orientiert. Ich wusste vorher, dass es nicht immer unbedingt zu ihren Fähigkeiten passt und es nicht der optimale Kalender ist, aber Realismus macht mir mehr Spaß als reine Ergebnisse.
Bei den Kirmesrennen kommt es immer drauf an, von welchen wir reden. Die coppa Italia Rennen gehen mir mächtig auf die Nerven und die Coupe de France Rennen sind auch nicht besser mit immer gleichen Profilen. Wenn du da mal ne Brücke zur Abwechslung hast, kannst du dich schon freuen. Und von den Walacheirundfahrten halte ich auch wenig. Aber so eine nette ZLM-Tour dazwischen, warum nicht?

Bleiben wir kurz bei der Siegstatistik. Sie sind ein Manager, der immer vorne dabei ist. Unzählige Podium- und TopTenplätze erfahren Sie im Laufe des Jahres ein. Z.b. Sind Sie beim Giro 2ter mit Primoz Roglic geworden und auch 2ter bei der Romandie. Bei der Tour de France sind Sie mit Steven Kruijswijk hervorragender 5ter geworden, bei der Baskenlandrundfahrt 4ter oder beim Criterium du Dauphine 5ter. Was fehlt Ihnen noch zum ganz großen Erfolg?


Ein Topfahrer. Ganz klar. Ich weiß, dass ich nicht der beste Manager bin, also muss ich den besten Fahrer haben, um zu gewinnen. Ich habe viele richtig starke Fahrer, aber mit Berg 78 gewinne ich nichts gegen Berg 79er. Ich brauche dann mindestens einen gleichwertigen Fahrer.
Aber das ist auch nicht so wichtig, ich kann einen Sieg von Talansky gegen van Garderen in Kalifornien genauso feiern wie einen Giro sieg. Die Kämpfe um Rang 8 bei Gts machen genauso viel Spaß wie die um den Gesamtsieg. Schlimm wird es nur, wenn man keinen Gegner hat.

Es steht die Binck Bank Tour vor der Tür. Wie lauten Ihre Ziele?

Es ist eins der Highlights der Saison, von den World-Tour-Rundfahrten meine absolute Lieblingsrundfahrt, aber richtig schwer zu gewinnen. Das liegt einerseits an der Komplexität der Etappen (Von ZF über Ksp über Hügel, dazu Wind und Regen), als auch an der starken Besetzung. Der Monat scheint für viele sehr lukrativ zu sein. Ziel ist für mich Top 3 in der Gesamtwertung und ein Etappensieg. Beides wird sehr schwer und der Sieg bei der Rundfahrt ist dank der vielen Bonussekunden unmöglich.

Letztes Jahr gewann Valgren die Rundfahrt. Kittel und Sagan jeweils mit zwei Etappensiegen. Sie führten kurz vor Schluss in der Teamwertung, auf der letzten Etappe sind dann aber einige Teams noch an Ihnen vorbeigezogen. Wissen Sie noch, was damals passiert ist?

Nein. Ich weiß nicht mal mehr, was letztes Wochenende passiert ist.

Gehen wir mal weg vom sportlichen Erfolg und versuchen, den Mensch Uhri besser zu verstehen.
Sie sind ein Mann, dem eine spitze Zunge nachgesagt wird. Oft kommen Manager damit nicht so klar. Nehmen Sie solche Eindrücke wahr? Finden Sie, in der Liga ist die Leichtigkeit etwas verloren gegangen?


Ich gehe ungern weg vom sportlichen Erfolg. Ich bin direkt, ich bin ehrlich und ich benutze nicht immer das netteste Vokabular. Beleidigend bin ich meiner Meinung nach nie. Respekt ist für alle vorhanden. Und ob ich die Eindrücke anderer Manager wahrnehme? Sicher. Manchmal leider erst im Nachhinein. Allerdings gibt es auch Manager, die sehr gut austeilen können, aber schwer einstecken. Dann wird es schwierig. Ob die Leichtigkeit verloren gegangen ist? Ich denke schon ein bisschen. Vor allem Cunego hat mit seiner skrupellosen Art sicher dafür gesorgt, dass alles deutlich verbissener geworden ist. Kotschi würde vielleicht sagen professioneller. Der Erfolg hat an Wichtigkeit zugenommen. Da ist es manchmal für Leute wie mich, die nur Spaß haben wollen etwas schwer, das zu akzeptieren. Aber solange das in geordneten Bahnen bleibt, ist es doch okay.

Ihre Leidenschaft für den holländischen Radsportteams ist außergewöhnlich. (Früher Radobank jetzt Jumbo-Visma) Man hört in Fachkreisen, Sie lesen sogar holländische News. Auch die DNS des Teams Jumbo-Visma haben Sie völlig übernommen. Nicht nur bei Nominierungen, sondern auch beim Talentscouting. Alles 1:1. Woher kommt nur diese Identifikation mit diesem Team?

Wenn ich Sport verfolge, muss ich mit einem Team miteifern können. Nichts ist langweiliger als ein Fußballspiel, wo einem die Teams scheißegal sind oder ein Radrennen ohne Jumbo oder andere Fahrer meines Teams.
Allerdings bist du noch nicht so lange hier. Früher war ich Telekom-T-mobile-HTC-Columbia-High Road Fan. Erst als die zugemacht haben, habe ich mich Rabobank und ihren Nachfolgeteams zugewandt. Aktuell bin ich damit auch mehr als zufrieden. Es gibt kaum ein professionelleres und dennoch familiäres Team als dieses. Komische Kolumbianer werden auch nicht verpflichtet.

Seien Sie mal ehrlich;) Worüber würden Sie sich mehr freuen? Über einen deutschen Tour de Francesieger oder über einen GT Rundfahrsieg von Roglic?

Sicher über den Sieg von Roglic. Ich fiebere nun mal mit Teams mit, nicht mit Fahrern. Ich würde mich auch bei der Formel 1 mehr über einen Sieg von Leclerc im Ferrari, statt eines Hülkenberg im Mercedes freuen. Was mich allerdings freuen würde wäre, dass der Radsport in Deutschland dadurch wieder einen höheren Stellenwert bekommen würde. Das wäre klasse. Aber wer soll denn die Tour de France gewinnen? Buchmann schafft das nie.

Am 18.08.2019 um ca. 10:54 gab die Pressestelle vom Jumbo-Visma eine „komische“ Nachricht bekannt.
„Gerüchten zufolge steht Manager Uhri bei Jumbo-Visma vor dem Aus. Grund dafür sollen anhaltende Probleme mit anderen Managern sein. Auch Ihr Führungsstil wurde zuletzt zunehmend kritisiert. Ein Nachfolger soll auch schon in den Startlöchern stehen. Und es ist kein Unbekannter...“
Was steckte hinter dieser Nachricht? War es eine Presseente?


Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass es mir viele glauben werden, aber ich war fest entschlossen, nach der Tour zu gehen. Mir wurde Mobbing vorgeworfen, ich soll meinen wichtigsten Menschen aus der Liga vergrault haben und die Rennen hatten wenig Spaß gemacht. Dazu wurde mir noch gesagt, ich würde es versäumen, meiner Verantwortung und meiner Arbeit als Admin nachzukommen.
Also ja, ich stand kurz davor zu gehen. Es gab letztlich aber ein klärendes Gespräch und hinter den Kulissen läuft es ruhiger. Die Tour dazu hat richtig Spaß gemacht, weil ich mit einer Scheiß-Egal- Haltung reingegangen bin. Ich war so oft abgehängt und es war mir einfach egal. Fahrerisch war da deutlich mehr drin bei Kruiswijk.

Kommen wir zu ein paar Fragen zu Ihren Kollegen.
Wie sehr trifft Sie der Rücktritt vom beliebten Manager Stefan?


Mich hat mehr getroffen, dass mir gesagt wurde ich sei der Grund gewesen, was einfach nicht stimmte. Stefan ist nicht nur ein Manager, Stefan ist das Herz der Liga. Ich weiß aber, dass er nicht aktiv in der Liga auf Dauer mitfahren möchte und das ist zu respektieren. Ihn ganz zu verlieren geht aber nicht, dann sperren wir lieber zu. Ein Mensch ohne Herz kann auch nicht leben. Ich kenne aber Stefan und weiß, dass er uns nicht hängen lassen wird.

Sie haben damals leichte Kritik an der Transferpolitik von Manager Gerd ausgeübt. Würden Sie jetzt sagen, dass Gerd mit dem kompletten Austausch seines Teams und der Gestaltung seiner Ziele alles richtig gemacht hat?

Ich würde sagen, Gerd hat mehr Glück als Verstand. Bis auf Fulgsang ist das doch auch alles nix. In diesem Jahr macht er allerdings einiges besser.

Sie als alter Hase im Radsportgeschäft Elite Liga haben schon große Namen kommen und gehen gesehen. Dominatoren gab es schon in verschiedenen Epochen. Viele behaupten der jetzige Überfahrer und Dominator Cunego wäre bzw. ist ein Jahrhundertfahrer. Teilen Sie diese Meinung? Und wenn ja, was ist der Unterschied von Cungeo zu den anderen Dominatoren von früher?

Cunego ist einer der drei Besten, die wir bisher hatten Da würde ich auch noch Ghosty und Stefan zu zählen. Was alle eint, ist der Ehrgeiz und die Bereitschaft, mehr Zeit als gewöhnlich in die Fahrweise zu stecken. Jedoch haben sich nicht alle an die Regeln gehalten. Cunego ist ein Meister darin, Grenzbereiche auszuloten, Ghosty hat Fehler im Spiel entdeckt, die wahrscheinlich nicht mal Cyanide kannte.

Was würden Sie dem jungen Manager Cunego in Zukunft wünschen? (3 Antworten stehen zur Auswahl)

- Eine tolle Freundin, die ihm viel Aufmerksamkeit und Energie kostet
- Empathie
- Weiterhin so viel Erfolg in der Liga


Ich würde ihm wünschen, dass er glücklich wird. Er wirkt immer so unglücklich auf mich. Ich glaube Empathie wäre ein Schlüssel dazu. Eine Freundin kann nie schaden. Cunego hat sogar Erfolg, selbst wenn er mit dem altem PC von Jonas spielen würde.

Der Eliteliga ist aufgefallen, dass Sie einen ganz besonderen Umgang mit dem Teamleiter FDJ Cookie haben. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Einige behaupten, dass hier zwei unterschiedliche Humorarten aufeinander treffen würden, die sich wie zwei Nordpole so wegdrücken. Andere behaupten, Sie sind ein wenig strenger mit Cookie weil Sie ein enormes Potenzial in ihm sehen, welches ihm gar nicht so bewusst ist. Würde er Frauen, dass Koks und Partyleben für das RSM Radsporttraining aufgeben, könnte er so viel mehr. Was stimmt denn jetzt? Oder ist die Elite Liga völlig auf den falschen Dampfer?

Cookie hat einen merkwürdigen Humor. Manchmal streifen sich unsere Humorarten, manchmal komme ich mit seinem Humor aber gar nicht klar. Und was seinen Urlaub angeht…soll ich ehrlich sein? Mich widert sowas an. Sicher auch ein Grund, nicht in der Whats-App Gruppe zu sein. Ein merkwürdiges Frauenbild und Drogen. Ne, das ist nicht meine Welt. Aber wenn es ihn glücklich macht, okay, er schadet ja niemandem außer sich selbst.

Wagen wir mal einen Blick in die Zukunft. Thema Kaderplanung. Werden schon Angebote für Marcel Kittel und Tony Martin vorbereitet?

Für Martin muss ich erst mal Geld einnehmen. Kittel wird sicher ablösefrei kommen, wenn er denn noch fahren möchte. Timmy ist einfach ein Gentleman.
Wann besuchen Sie das Rheinland und trinken mit Manager Toprider und Timmy ein Kölsch zusammen?
Lass uns in Düsseldorf ein Alt trinken. Ne, Spaß beiseite. Für mich ist wichtig, Liga und Privates zu trennen. Anders kann ich das nicht verkraften, ich bin ohnehin schon zu sehr mit dem Herzen dabei.

Was wünschen Sie der Elite Liga in Zukunft?
Gelassenheit und einen spielbaren neuen RSM.

Herr Uhri, ich danke Ihnen für dieses unterhaltsame und schöne Interview und drücke Ihnen für die Zukunft alle Daumen, dass Ihnen bald der ganz große Wurf gelingt. Es ist nicht mehr weit.

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