uhri trifft....World Tour Manager

Die Interviewreihe "uhri trifft...World Tour Manager"...

 
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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Di Mai 21, 2019 3:29 pm

"Der Vater des Erfolgs von Peter Sagan ist Greg Van Avermaet"

Dani im Interview über seine Suche nach der perfekten DB, Das Duell Sagan vs. van Avermaet und warum der RSM nach 12 Jahren für ihn immer noch spannend ist

Hallo Dani, soeben hast du den Giro fertig gestellt und dabei wieder einige Etappen gebaut. Wie viel Zeit hast du denn mit dem Giro verbracht?

Hi, eigentlich gar nicht mal so viel. Ich hab mich ja in der letzten Zeit darauf spezialisiert alte Etappen umzubauen und es ist schon ein großer Unterschied, ob man nur 70 km oder 200 bauen muss. Ich denke mal ich hab in den letzten zwei Wochen so jeden Tag 1-2 Stunden an den Etappen gesessen, aber zwischendurch gab es immer wieder Tage wo ich gar nichts gemacht habe. Ich hab auch oft den StageEditor auf und mache nebenbei noch hundert andere Sachen am PC, darum kann man das gar nicht so genau sagen. Es macht mir halt riesig Spaß und das ist auch immer ne super Vorbereitung auf die Etappen in echt. Wenn man die schon gebaut hat, hat man sehr gute Streckenkenntnis und weiß manchmal genau, was nach der nächsten Kurve kommt. Ich hab da echt großen Spaß dran, und freue mich oft, dass jetzt endlich wieder eine bestimmte Rundfahrt gebaut werden muss. Klar gibt es auch immer wieder Wochen, wo ich gar keinen Bock habe. Trotzdem habe ich bisher, fast immer ohne Stress, alles pünktlich für unsere Rennen fertig.

Zum Giro wurde ja auch wieder eine neue DB fertiggestellt. Erklär uns doch mal, wie viel Zeit du jeweils für neue DBs brauchst und was der Vorteil der aktuellen Bewertung gegenüber früher darstellt.

So wie das Etappenbauen immer ne Vorbereitung auf die echten Rennen ist, ist Rennen gucken ne Vorbereitung auf die DB, genauso wie Ergebnisse und Rennverläufe recherchieren. Die wirkliche Bewertung dauert bei mir vielleicht ne Stunde pro Woche oder so. Die DB Werte dann fertig machen vielleicht nochmal 1-2 Stunde extra. Darum gibts neue Werte auch nur jede zweite Phase. Trotzdem geht jetzt alles deutlich schneller als früher, wo ich noch jeden Fahrer nach jedem Rennen einzeln überprüfen musste. Die Werte werden zu jeder DB für jeden Fahrer neu berechnet und niemand wird vergessen oder so. Das geht nicht nur deutlich schneller sondern ist auch deutlich fairer. Die Formeln zur Berechnung sind natürlich nicht perfekt und ich versuche immer alles noch ein kleines bisschen besser zu machen. Wie du weißt, ist es sehr schwer das richtige Gleichgewicht zwischen allen Fahrern und Werten zu finden.

Bei neuen DBs gibt es auch immer viele Diskussionen. Nervt dich das? Wer nervt dich besonders? Was würdest du dir wünschen?

Eigentlich finde ich das ja super, wenn ihr euch einbringt. Am liebsten würde ich von jedem von euch zu jedem Rennen in echt eine Einschätzung bekommen und dann überlege ich mir passende Werte. Ich hab oft Rennen, wo ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich das gut bewertet habe, aber ich wenn ichs ins Forum poste, wird es von allen akzeptiert. Wirkliche Diskussionen gibt es nur bei den ganz großen Rennen mit den höchsten Werten und oft sind es dann immer nur 1-2 Fahrer, wo es ewig lange Diskussionen gibt. Sowas nervt dann schon manchmal. Mir ist das große Ganze am wichtigsten und extra für 1-2 Fahrer ne Sonderregel einführen macht auf Dauer mehr Probleme, als es Sinn macht.

Kommen wir mal zu deinem Team. Die Kalifornien Rundfahrt steht an, schon aufgrund des Sponsors ein wichtiges Rennen. Wie sehen dort deine Ambitionen aus?

Ja der große Kapitän Greg Van Avermaet gibt sein Comeback nach seiner Rennpause, die er nach Paris Roubaix eingelegt hat. Er ist jetzt schon in San Francisco und nimmt einige Sponsorentermine wahr. Das Rennen ist ihm nicht wirklich auf den Leib geschneidert, darum sind unsere Ambitionen nicht so hoch. Unsere Top Bergfahrer und Sprinter (also die mit 75-76) sind ja beim großen Giro am Start. Unsere amerikanischen Fahrer sind natürlich besonders motiviert, vielleicht können wir eine Etappe gewinnen. Neilson Powless wird die Kapitänsrolle übernehmen.

Für deine amerikanischen Fans: Welcher Amerikaner deines Teams hat das größte Potenzial?

In den letzten Jahren kommt nicht mehr viel aus den USA nach. Die Generation Lance Armstrong hat da vieles kaputt gemacht. Seitdem unser Team die amerikanische Lizenz hat, haben wir versucht viele junge Amerikaner zu fördern, aber für diese Jungs ist es sehr schwer sich in Europa durchzusetzen und viele Talente mussten ihre Karrieren früh beenden. Ich bin ein großer Fan von Sepp Kuss, den ich damals bei den Redlands als absoluten Amateur gesehen habe und dann sofort in meinem Team haben wollte. Wenn alles gut läuft, wird er dieses Jahr vielleicht die Vuelta fahren und dort sein Potential zeigen.

Das Frühjahr verlief für dich sehr gut, aber trotzdem gab es immer wieder einen Peter Sagan, der vor Greg stand. Hast du ihn insgeheim verflucht?

Naja, ich denke die Rahmenbedingungen waren allen klar: Greg muss ohne Sagan das Ziel erreichen, wenn er gewinnen will. Wir sind immer klar auf Attacke gefahren, konnten Sagan aber nicht abschütteln. Ich war auch eher enttäuscht, dass von den anderen niemand mithalten konnte. Ohne Greg Van Avermaet wäre die Flandernrundfahrt und Roubaix sehr langweilig geworden, wir haben wenigstens eine gute Show geboten. Was viele nicht wissen: Der Vater des Erfolgs von Peter Sagan ist quasi Greg Van Avermaet. Wir haben uns vor der letzten Saison mit Greg zusammengesetzt und eine Saison geplant, wo er das ganze Jahr über Rennen gewinnen kann. Die Teamleitung von Quickstep hat sich sehr beeindruckt gezeigt. Und wir glauben Peter kopiert die Saisonplanung, die Greg im letzten Jahr geplant hat. Er soll sogar mit mit Gregs Personal Fitness Trainerin zusammen arbeiten.

Mit Michael Woods stellst du den Weltmeister. Ist die Titelverteidigung das Ziel?

Nein, der Kurs in Yorkshire wird leider viel zu einfach sein. Er steht natürlich am Start und wird alles geben, aber wir rechnen mit nem Sprint einer kleinen Gruppe und da gewinnt dann natürlich Peter Sagan.

Du hast mittlerweile keinen „echten“ Rundfahrer mehr. Wie verändert es deine Herangehensweise an Rundfahrten?

Da wir auch keinen guten Sprinter mehr haben, ist es oft sehr frustrierend. Ich stelle bei jeder Rundfahrt einen Fahrer für die Gesamtwertung ab, oft muss ich dann leider früh feststellen, dass da die Top10 unmöglich sind. Meistens ist der zweite Platz in der Bergwertung und der letzte Fahrer zu sein, der 50 km vor dem Ziel eingeholt wird, das einzige was möglich ist. Die Grand Tours bleiben trotzdem die wichtigsten Rennen des Jahres und unsere besten Fahrer sind da alle mit Fitness am Start, aber vermutlich werden wir dieses Jahr keine Grand Tour in den Top 10 beenden, dafür kann ich versprechen, dass wir in jeder Ausreißergruppe zu finden sein werden.

Wenn ich mich so zurückerinnere an deine Vergangenheit ist für mich der größte Erfolg der Sieg in Roubaix mit Dominic Klemme. Was ist für dich der größte Erfolg?

Das ist schwer zu sagen. Es gab viele unterschiedliche Siege mit unterschiedlichen Fahrern bei unterschiedlichen Rennen, das kann man oft gar nicht vergleichen. Manche Siege bleiben einem natürlich im Gedächtnis. Ganz am Anfang habe ich zwei geniale Ausreißer Coups gelandet, wo Guido Trentin Tirreno Ardiatico gewinnen konnte und Mathieu Sprick die Dauphine. Dann war da natürlich der unerwartete aber großartig herausgefahrene WM Titel von Johan Vansummeren. Mein einziger Tour de France Sieg, wo ich das ganze Jahr in die "Mission Jaune" verwandelt habe, und am Ende tatsächlich das gelbe Trikot hatte, war natürlich auch unvergesslich. Was ihr bei dem Klemme Sieg immer vergesst: Die Woche vorher hatte ich mit Bert De Waele die Flandern Rundfahrt gewonnen. beide hatten bei ihrem jeweiligen Rennen 99 +5 und das waren meine ersten und einzigen Siege bei den KSP Monumenten bis vor zwei Jahren Greg Van Avermaet ein unvergessliches Frühjahr hinlegte.

Gibt es eigentlich noch irgendetwas, was du noch nicht gewonnen hast und noch unbedingt gewinnen möchtest?

Ich gewinne doch überhaupt nichts. Bei den Monumenten fehlt mir immer noch der Mailand San Remo Sieg, aber in den letzten Jahren, war nie der richtige Fahrer im Team. Und ich hab ja von 50 Grand Tour Starts, oder wie viele das waren, bisher nur eine gewonnen. Giro und Vuelta fehlen, dazu auch fast alle Wertungstrikots. Bergtrikots hab ich früher mal gewonnen, als es noch kein Geld dafür gab. Aber für Sprintwertung und Nachwuchswertung waren nie die richtigen Fahrer in meinem Team. Vielleicht auch ein Vorteil, wenn man nie die ganz großen Fahrer hatte, man wird niemals satt, weil es immer noch so viel zu gewinnen gibt.

Wer ist dein Lieblingsradsportler? Welches Rennen magst du besonders gern?

Die Liga beeinflusst natürlich einiges. Man fiebert besonders mit seinen eigenen Fahrern mit und schimpft, wenn einer gewinnt, den man nicht bekommen hat. Ich mag Fahrer, die immer wieder attackieren und nie aufgeben. ich glaube auch der Kämpfer Wert ist der einzige, wo ich immer Weltklasse war. Ich hänge natürlich an Fahrern, die ich entdeckt habe, als sie noch keiner auf dem Schirm hatte und durch Höhen und Tiefen begleitet habe, wie Tanel Kangert und Toms Skujins. Auch so Fahrer, die direkt eingeschlagen haben, wie Tim Wellens oder Michael Woods haben mir großen Spaß gemacht. Da bin ich vorm Fernseher auf und ab gesprungen, wo sie ihren ersten Sieg eingefahren haben. Bei den Rennen gibt es viele Besondere, die Highlights sind klar die Frühjahrsklassiker und die Grand Tours, aber fast jedes Rennen hat seinen eigenen Charme. Wenn du wissen willst, auf welches Rennen ich mich immer am meisten freue, ist das die Tour Down Under, weil dann geht endlich die Saison los!

Du bist Gründer der Liga, seit 2007 dabei, hast viele Manager kommen und gehen sehen. Vermisst du jemanden, der nicht mehr da ist? Wer ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Die Anfänge waren vor ner gefühlten Ewigkeit. Klar erinnere ich mich an sehr sehr viele Namen, Leute wie Sebbi, Marlon, Ghosty, Otti, Phil kommen mir von den ehemaligen als erstes in den Sinn, die alle die Liga auf irgendeine Art geprägt haben. Aber die meisten von euch sind ja auch schon eine Ewigkeit hier und ein wichtiger Teil der Ligageschichte. Ich wüsste jetzt keinen, den ich besonders vermisse. Alle die aktuell Interesse haben sind da und die neueren Manager sind auch alle super. ich freue mich über jeden der zurück kommt oder ganz neu ist.

Warum bist du nach all den Jahren noch in der Liga dabei, was gibt sie dir?

Ich glaube, die Liga verbindet einfach mehrere Interessen von mir sehr gut. Ich finde einerseits den modernen Radsport super interessant, aber ich bin auch sehr Geografie interessiert. Wo findet welches Rennen statt, wo genau liegt dieser Berg, das interessiert mich und darum baue ich auch so gerne Etappen. Ich mag auch Zahlen und Statistiken und die Fähigkeiten der Fahrer in den Werten darstellen macht mir einfach Spaß. Es ist eine super interessante Aufgabe, den echten Profi Radsport möglichst realistisch in der Liga nachzustellen. Und wir sind lange noch nicht fertig hier. ich könnte bestimmt 100 Punkte aufzählen, die wir noch verbessern müssen. Dann macht es mir natürlich großen Spaß ein Team zu managen, die Saison für jeden Fahrer zu planen und natürlich auch die Rennen selbst. Und dann seid da natürlich ihr alle, die diese Leidenschaft teilen. Alleine für mich habe ich schon ewig keine Karriere mehr im Radsportmanager gespielt. Zusammen über Radsport diskutieren und dann die echten Rennen nachspielen, ist das was diese Liga ausmacht.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Do Jun 20, 2019 8:55 am

"Fuglsang ist in meinen Händen eine Waffe und wird die Tour de Suisse gewinnen"

Gerd im Interview über seine Mia San Mia-Einstellung, seine Transferphilosophie und was er von Fuglsang bei der Tour de Suisse erwartet

Hallo Gerd, bei Hamachi nennst du dich „Gerd der beste“. Einfach nur ein Spaß, oder ist das einfach deine mia san mia Einstellung?

Hallo Herr Uhri .Erstmal muss ich mich entschuldigen, dass es nicht früher geklappt hat mit dem Interview. Da ich ja FC Bayern Fan bin wie Sie wissen,habe ich mich aufgrund der Mia San Mia Einstellung Gerd der beste genannt.Sind wir doch einmal ehrlich,gibt es einen besseren wie mich? 😉 (Hier wäre ein als richtig gewesen, Anm. der Redaktion)

Und dennoch bist du nur auf Platz 12 in der Weltcupliste. Was fehlt noch zu Teams wie Lotto oder Quick Step?

Erwischt.Die Manager der beiden Teams sind halt auch bei jedem Rennen dabei.Da ich aber oft lange arbeiten muss, oder meinen anderen Hobbys nachgehe, bin ich halt nur auf Platz 12.Hauptziel ist es dieses Jahr vor Katusha zu landen .Das sollte auch klappen.

Jakob Fuglsang hat bei der Kalifornien Rundfahrt sein Potenzial mit Platz 1 abrufen können. Ist er nun auch bei der Tour de Suisse am Start? Nimmt er auch eine GT in Angriff?

Bei der Tour de Suisse wird er am Start stehen und sie auch gewinnen. Da ich meine Planung in 5 min gemacht habe hat Fuglsang bei keiner GT Fitness.Aber da er ja dieses Jahr in die Top 3 der TDF kommt steht er nächstes Jahr mit Sicherheit bei einer GT am Start. Ob bei mir oder anderswo steht noch in den Sternen.

Du deutest da eine Wechselmöglichkeit an. Hat er etwa einen Wechselwunsch geäußert?

Noch nichts konkretes .Aber da das Team Dimension Data jedes Jahr ein paar Transfers tätigt 😄 kann es gut sein, dass er geht.
Denn in meinen Händen ist er eine Waffe und das kann ich keinem zumuten.

Apropos Fuglsang. Er hat nun Berg 77/Hügel 78. Uhri kritisiert den Bergwert. Wie siehst du das?

Da kann ich wenig dazu sagen. Aber erstmal finde ich die 78 HÜG gerechtfertigt ,da er diese Saison die HÜG Klassiker dominiert hat.Ob er nun die 77 KL verdient hat weiß ich nicht, aber nach der Tour ist dies eh Geschichte da er dann 79 Kl hat.

In der letzten Transferphase hast du wie immer fast das ganze Team ausgetauscht. Steckt da ein System dahinter oder brauchst du einfach nur Abwechslung?

Da steckt kein System dahinter, das sieht wohl jeder. Ich nehme mir vor jeder Transferphase vor meine besten Fahrer zu behalten und mich nur punktuell zu verstärken.Aber das klappt nur ca 2 Wochen. Diese Transferphase wollte ich ja eigentlich Geraint Thomas behalten ,hat dann leider doch nicht funktioniert .Ich fand den Transfer aber nicht so schlecht wie einige damals sagten.Ich hatte übrigens auch Degenkolb schon mal im Team ,da hat ihn noch fast keiner gekannt.

Dann kann er ja noch mal zurückkommen...

Sehr guter Witz, ich lach mich tot. Sie Wissen schon, dass er im Team von Rene fährt? .Ich habe keine Lust meine ganzen Top Fahrer gegen Degenkolb zu tauschen .Man gewinnt eher 1Mio im Lotto als mit Rene einen Transfer zu tätigen.

Dein Team hat ja einen afrikanischen Hintergrund. Wie wichtig ist der und wer ist der Afrikaner deines Teams auf den wir am ehesten achten sollten?

Der Hintergrund ist mir nicht sehr wichtig. Ich würde am ehesten auf Ryan Gibbons aufpassen ,bei dem denke ich könnte noch was gehen.

Mit Kristoff, Fuglsang, Gilbert und Trentin sind deine besten Fahrer schon in etwas höherem Radsportalter. Hast du keine Angst, dass es da bald bergab gehen könnte mit den Leistungen?

Ich weiß nicht warum ihr alle dem Jugendwahn verfallen seid.Wenn einer noch Top Leistungen bringt spielt das Alter keine Rolle. Gilbert hat Roubaix gewonnen , Fuglsang hat die Ardennen Klassiker dominiert, Kristoff hat Wevelgem gewonnen also alles gut.

Du bist schon quasi seit Beginn der Liga dabei. Weißt du noch welche Teams du alle betreut hast? Wer war der beste Fahrer in deinem Team in all der Zeit? Was war dein größter Erfolg?

Uff, da muss ich Überlegen.Meine Teams waren glaube ich Dimension Data,Garmin Slipstream und Discovery Channel. Bester Fahrer war für mich Andreas Klöden mit dem ich viel Spaß hatte. Grösster Erfolg war letztes Jahr der Erfolg bei Paris Roubaix mit Stybar.

Hattest du nicht auch mal Milram oder Gerolsteiner?

Gerolsteiner hatte ich ,denke ich zumindest

In den vielen Jahren hast du auch Manager kommen und gehen sehen. Hand aufs Herz. Wen mochtest du in all den Jahren überhaupt nicht?

Ich komme eigentlich mit jedem zurecht, es gibt zwar ein paar Reibereien ab und zu ,aber eigentlich sehen die Manager ein, dass ich immer im Recht bin.Obwohl ich kann mich da an einen erinnern der sich Sebbi nannte ,der war glaube ich ein richtiges Arschloch, genaueres kann ich zu dem aber nicht mehr sagen. (sebbi war von Beginn bis ca. 2010 in der Liga und hat sich mit Löschung unseres gesamten Forums verabschiedet, Anmerkung der Redaktion)

Mal eine Frage abseits des Radsports. Etwas was unsere Leser besonders interessiert. Du bist als Sportler bekannt. Was passt eher zu dir? Marathonlauf oder Schwergewichtsboxen?

Sorry, aber diese Frage ist eine absolute Frechheit. Ich sehe mich eher als Ballett-Tänzer ! Aber wenn ich ehrlich bin dann Schwergewichtsboxer😉,der sehr gerne Fahrrad fährt.

Hauptsache gesund. Als erfahrener Manager, der niemandem etwas mehr beweisen muss, was kannst du Leuten wie Timmy oder uhri raten, damit sie annähernd an dein Niveau herankommen können?

Üben, Üben, Üben. Uhri hat ja schon fast mein Niveau, auch bei Timmy sehe ich Fortschritte . Er hat ja in letzter Zeit ein paar Etappen mit Kittel gewonnen.Für den ganz grossen Wurf wird es aber leider nicht reichen denke ich,da er zu nervös vor den Rennen ist.Er sollte entspannter an die Sache rangehen, dann klappt es besser denke ich.

Zum Abschluss vervollständige bitte folgenden Satz: In der nächsten Transferperiode werde ich…

Vielleicht fast keine Transfers tätigen.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Di Aug 06, 2019 7:04 pm

"Ich denke es ist kein Geheimnis, dass ich Pinot gerne wieder in meinem Team hätte"

Basti im Interview über seine bisher durchwachsene Saison, die Kaderplanung von CCC und warum er Lotto Soudal dankbar ist.


Hallo Basti, du hast Ende letzten Jahres das Team übernommen, wie sieht dein Fazit der ersten Monate aus?

Hallo uhri, also so richtig übernommen habe ich das Team erst zu Beginn der neuen Saison, als ich für das Team die Saisonplanung übernommen habe, um für das Team nur ab und zu mal in der World Tour an den Start zu gehen. Aber irgendwie ist es nicht nur bei einer Teilnahme an World Tour Rennen geblieben. Mein Fazit fällt relativ durchwachsen aus. Es gab in der Zeit schon sehr viel gutes, vor allem die vielen Erfolge in Sprints muss man da hervorheben, aber leider wurde ein Höhepunkt des Teams aufgrund eines Sturzes komplett versaut und das hat die Stimmung im Team ganz schön gedrückt.

Ein zweiter Platz beim Amstel Gold Race, ein Sieg in Frankfurt sind bisher die größten Erfolge. Das kann doch noch nicht der Anspruch sein, oder?

Warum wird hier der 2. Platz beim Cadel Evans Great Ocean Road Race von Ewan, oder der 3. Platz in Californien durch Chaves nicht erwähnt? Ebenfalls ist bei der Strade Bianche mit Platz 4 durch Matthews ein starkes Ergebnis erzielt worden. Der überragende Giro von Cort kommt ja auch noch dazu. Also wie sie sehen gab es in der kurzen Zeit schon einige Erfolge zu verbuchen. Der Anspruch ist es genau da weiter zu machen im Verlauf der Saison. Gerade von Matthews erwarten wir uns noch einiges, er befindet sich gerade nach langer Pause wieder im Formaufbau und wird noch einiges zeigen.
Außerdem möchte ich noch die vielen siege von Bouhanni erwähnen, ich denke das hätten ihm viele nicht mehr zugetraut. Auch wenn er zugegebenermaßen nur der King ob Kirmes ist, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß mit ihm zu fahren.

Finanziell war der Giro der größte Erfolg. Wie zufrieden warst du mit den Gts?

Die Gts liefen bisher leider überhaupt nicht nach Plan. Vorallem der Giro war eigentlich die größte Enttäuschung in dieser Saison. Wir wollten mit Lopez das Podium erreichen und alles war darauf ausgelegt. Leider stürzte er dann vor der ersten Bergetappe schwer und konnte nicht weiterfahren. Er fühlte sich so stark wie noch nie und sagte uns hinterher, dass er ohne den Sturz locker auf das Podest gefahren wäre. Dass er das Team dazu gehabt hätte, sieht man auch daran, dass wir ohne ihn noch 2 Wertungen gewonnen haben. Wir sind stolz darauf, dass sich das Team trotz des Sturzes von Lopez nicht hängen ließ, wie es bei anderen Teams hier schon häufiger vorkam und trotzdem noch das Beste draus gemacht hat.

Was ist dir wichtiger? Die Siegstatistik oder der Weltcup?

Keins von beiden. Am Ende steht immer noch der Spaß im Vordergrund und wenn man das alles nicht so verbissen sieht, kommen die Erfolge irgendwann von ganz alleine.

Mit Fabio Aru hat das Team im letzten Jahr einen starken Bergfahrer verloren, dafür Ewan verpflichtet. In diesem Jahr verlässt Esteban Chaves das Team und Vanmarcke kommt. Ist das ein Versuch das Team breiter aufzustellen? Reicht die Bergfahrerfraktion überhaupt aus?

Zuerst einmal würde ich sagen, dass mein Vorgänger mit dem Transfer von Ewan alles richtig gemacht hat. Seine Entwicklung war grandios und wir erhoffen uns noch sehr viel von ihm.
Nun zur eigentlichen Frage, wir haben den Saisonverlauf bis zum aktuellen Zeitpunkt analysiert und festgestellt, dass wir das Team etwas anders aufstellen wollen. Ob das so klappt, werden wir sehen und im Laufe der nächsten Saison wird sich auch erst herausstellen, ob wir alles richtig gemacht haben.

Der Abgang von Chaves hat durchaus überrascht. Hat das damit zu tun, dass er sich nun mit Antwan Tolhoek bei kleineren Rundfahrten rumschlagen muss, statt Gts angreifen zu können?

Chaves war ein Sonderfall. Chaves hat es leider in letzter Zeit nicht mehr geschafft sein volles Potential abzurufen. Das hat verschiedene Gründe, auf die wir nun nicht genauer eingehen müssen. Als dann die Anfrage von FDJ kam, bei denen man weiß, dass der Manager Cookie sehr große Stücke auf Chaves hält und diesen schon letzte Saison unbedingt verpflichten wollte, wollte man ihm hier keine Steine in den Weg legen. Wir wünschen ihm, dass er zu alter Stärke zurückfindet und sich nicht mit Fahrern wie Tolhoek herumschlagen muss, sondern wieder das Level von Fahrern wie Thomas und Co. erreicht.

Zwischen deinem Ausstieg bei FDJ und deiner Zusage bei CCC lag gar nicht so viel Zeit. Warum hast du damals FDJ verlassen und was hat dich an CCC gereizt?

Ich hatte mich damals entschlossen, dass ich mich aus dieser Liga komplett verabschiede. Das hat dann ja auch ganz gut geklappt. Bis dann im letzten Winter die Anfrage von Eddie kam, ob wir nicht für eine von Lotto-Soudal organisierte Rundfahrt zusammen ein Team bilden wollen. Das Konzept hinter dieser Rundfahrt hat mir sehr gefallen und so bin ich hier irgendwie wieder reingekommen. (in diesem Sinne nochmal vielen Dank dafür an Lotto Soudal)
Und da CCC ein super Team ist, welches schon lange nicht mehr wirklich gesteuert wurde, musste ich ja irgendwas machen, um dieses Team zu retten ;)

Gibt es Fahrer von FDJ, die du dir in deinem Team wünschst?

Ich denke es ist kein Geheimnis, dass ich gerne wieder Pinot in meinem Team hätte. Er ist mein absoluter Lieblingsfahrer. Es gibt natürlich noch den ein oder anderen, mit dem ich sehr gerne wieder Rennen fahren würde, aber Namen möchte ich jetzt nicht unbedingt nennen, da Transfers mit diesen Fahrern so gut wir unmöglich sind.

Nun steht das Heimrennen an, die Polen-Rundfahrt. Wie sind die Ziele für das für den Sponsor so wichtige Rennen?

Eigentlich sollte hier Chaves auf die Gesamtwertung fahren und Ewan für die Sprints zuständig sein. Aber wir haben kurzfristig die Planung geändert, da wir gesehen haben das das Rennen leider an einem Freitag stattfindet, an dem der Manager keine Zeit hat. Man stellt sich sowieso die Frage, was die Organisation sich bei der Planung gedacht hat. Die Polen Rundfahrt findet am Freitag statt und Sonntags gibt es nur Kirmes...das muss mal einer verstehen.

Wenn ich auf den Kader schaue, fällt mir auf, dass es gar keine Polen gibt. Wird sich das ändern?

Ich würde schon gerne den ein oder anderen polnischen Fahrer in meinem Team haben. Mal sehen ob sich da was machen lässt.

In deinen Teamthreads hast du Rennnews und Erfolgsstatistiken angekündigt. Wann sehen wir die?

Die kommen noch. Über den Sommer hat man viele andere Dinge zu tun, aber ich denke das da in den nächsten 1-2 Wochen mal was kommen wird. 😎

Kannst du dich noch erinnern, welche Gts du für mein Team gefahren bist?

Ähm. Also das muss ja ewig her sein. Denn ehrlich gesagt kann ich mich daran überhaupt nicht erinnern. Vielleicht kannst du mir da ja mal auf die Sprünge helfen. Aber wenn du dich daran noch erinnern kannst, dann muss es ja wenigstens einigermaßen erfolgreich gewesen sein *lacht* (Wer kann uns auf die Sprünge helfen? Nachrichten an die Redaktion!)

So. War das alles? Ich muss mich jetzt langsam mal wieder den anderen Themen widmen. Ich wette ich habe schon wieder neue Nachrichten von cookie bekommen. Der dreht gerade komplett am Rad was die Transfers angeht 😂

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Di Aug 13, 2019 4:56 pm

„Cunego hat sogar Erfolg, selbst wenn er mit dem altem PC von Jonas spielen würde.“

Wir haben Uhri über sein Managementsystem, über die Binck Bank Tour, über den Mensch Uhri selbst, über seine Managerkollegen und über die Zukunft befragt.


Sehr geehrter Herr Uhri, es ist mir eine Ehre, im Auftrag der Elite Liga, Sie interviewen zu dürfen. Erstmal vorab ein großes Dankeschön für Ihre Leidenschaft und Mithilfe, diese schöne Elite Liga mitzugestalten und zu unterstützen. Ich denke, jedem ist hier bewusst, wie viel Energie und Zeit Sie in dieses Projekt aufwenden.
Kommen wir bereits zu meiner ersten Frage. Sie sind ein Manager, der sich über Jahre hinweg einen tollen Kader aufgebaut hat. Ihr Kader ist nicht nur in der Spitze stark, sondern auch in der Breite bestens vertreten. Nur wenige Manager können das von ihren Teams behaupten. Ein Kader, der auch sehr viel Gehalt kostet, der aber mit seinen Leistungen immer refinanziert werden kann. Was ist ihr Geheimnis? Wie kriegen Sie es hin, jedes Jahr so einen guten Kader zu besitzen und diesen Kader refinanzieren zu können?


Die Kaderzusammenstellung ist immer eine Mischung aus geschickten Transfers, gutem Scouting und viel Glück. Früher war das einfacher. Ich hatte ein klasse Team und habe alle Fahrer, die über 25 waren teuer verkauft und dafür junge Talente dazugekauft. Leider haben dann alle den gleichen Weg eingeschlagen, junge Talente waren plötzlich allen sehr wichtig. Also habe ich umdisponiert. Ich wollte dem wahren Rabobank-Team nacheifern und dieses möglichst ähnlich gestalten. Dazu natürlich den einen oder anderen jungen Fahrer dazu, das kann immer helfen. Mein Team wäre allerdings qualitativ noch etwas besser, wenn ich auch Spanier, Italiener oder Südamerikaner scouten würde. Doch dies mache ich vor allem aufgrund äußerst fragwürdiger Anti-Doping-Politik in den früheren Jahren (hier ist insbesondere Spanien zu nennen, die ihre Doper schützen) oder aktuell (Südamerikaner, wo es schlicht keine Tests gibt und das gesamte System korrupt ist) nicht. Dann lieber mit einem guten Gewissen. Ich bin jetzt 12 Jahre in der Liga und hatte bisher einen Dopingfall (Thomas Dekker), ich würde mich freuen wenn es dabei bleibt.
Und wie kann ich das finanzieren? Insbesondere deshalb, weil ich jedes Jahr einen Kapitän verkaufe. Mal war es Mollema, mal Kelderman. Das gehört zum Finanzierungsmodell dazu.

In Fachkreisen werden Sie mit der mythischen Hydra verglichen! Man sagt, wenn die Hydra einen Kopf verliert, wachsen an dessen Stelle zwei neue nach. Letztes Jahr mussten Sie Keldermann abgeben und haben schon zwei andere Stars durch ihre tolle Entwicklung den Verlust von Keldermann aufgefangen bzw. mehr als kompensiert. Was ist ihr Geheimnis beim Talentscouting?

Nischen suchen und vor allem die richtigen Rennen unter die Lupe nehmen. Avenir und Baby Giro kann jeder. Da muss man manchmal kreativ werden. Allerdings ist auch immer viel Glück dabei. Bei Van Aert, Groenewegen oder Jakobsen war es allerdings vorhersehbar, dass da eine große Zukunft bevorsteht. Glück war es z.B. bei Roglic.

Sie sind ein Paradebeispiel wenn es um die richtige Nominierung der Rennen geht. Das System wurde so ausgelegt, dass die Topfahrer an den Toprennen mit Fitness teilnehmen sollen. Sie sind einer, der es zu 100 % verinnerlicht hat. Z.B fährt ein Herr Groenewegen fast nur World Tour Rennen. Sind die sogenannten Kirmisrennen nichts für Sie? Sie könnten bei diesen sogenannten Kirmisrennen doch Ihre Siege noch weiter erhöhen?


In diesem Jahr habe ich mich bei den Nominierungen am groben Rennkalender meiner Fahrer orientiert. Ich wusste vorher, dass es nicht immer unbedingt zu ihren Fähigkeiten passt und es nicht der optimale Kalender ist, aber Realismus macht mir mehr Spaß als reine Ergebnisse.
Bei den Kirmesrennen kommt es immer drauf an, von welchen wir reden. Die coppa Italia Rennen gehen mir mächtig auf die Nerven und die Coupe de France Rennen sind auch nicht besser mit immer gleichen Profilen. Wenn du da mal ne Brücke zur Abwechslung hast, kannst du dich schon freuen. Und von den Walacheirundfahrten halte ich auch wenig. Aber so eine nette ZLM-Tour dazwischen, warum nicht?

Bleiben wir kurz bei der Siegstatistik. Sie sind ein Manager, der immer vorne dabei ist. Unzählige Podium- und TopTenplätze erfahren Sie im Laufe des Jahres ein. Z.b. Sind Sie beim Giro 2ter mit Primoz Roglic geworden und auch 2ter bei der Romandie. Bei der Tour de France sind Sie mit Steven Kruijswijk hervorragender 5ter geworden, bei der Baskenlandrundfahrt 4ter oder beim Criterium du Dauphine 5ter. Was fehlt Ihnen noch zum ganz großen Erfolg?


Ein Topfahrer. Ganz klar. Ich weiß, dass ich nicht der beste Manager bin, also muss ich den besten Fahrer haben, um zu gewinnen. Ich habe viele richtig starke Fahrer, aber mit Berg 78 gewinne ich nichts gegen Berg 79er. Ich brauche dann mindestens einen gleichwertigen Fahrer.
Aber das ist auch nicht so wichtig, ich kann einen Sieg von Talansky gegen van Garderen in Kalifornien genauso feiern wie einen Giro sieg. Die Kämpfe um Rang 8 bei Gts machen genauso viel Spaß wie die um den Gesamtsieg. Schlimm wird es nur, wenn man keinen Gegner hat.

Es steht die Binck Bank Tour vor der Tür. Wie lauten Ihre Ziele?

Es ist eins der Highlights der Saison, von den World-Tour-Rundfahrten meine absolute Lieblingsrundfahrt, aber richtig schwer zu gewinnen. Das liegt einerseits an der Komplexität der Etappen (Von ZF über Ksp über Hügel, dazu Wind und Regen), als auch an der starken Besetzung. Der Monat scheint für viele sehr lukrativ zu sein. Ziel ist für mich Top 3 in der Gesamtwertung und ein Etappensieg. Beides wird sehr schwer und der Sieg bei der Rundfahrt ist dank der vielen Bonussekunden unmöglich.

Letztes Jahr gewann Valgren die Rundfahrt. Kittel und Sagan jeweils mit zwei Etappensiegen. Sie führten kurz vor Schluss in der Teamwertung, auf der letzten Etappe sind dann aber einige Teams noch an Ihnen vorbeigezogen. Wissen Sie noch, was damals passiert ist?

Nein. Ich weiß nicht mal mehr, was letztes Wochenende passiert ist.

Gehen wir mal weg vom sportlichen Erfolg und versuchen, den Mensch Uhri besser zu verstehen.
Sie sind ein Mann, dem eine spitze Zunge nachgesagt wird. Oft kommen Manager damit nicht so klar. Nehmen Sie solche Eindrücke wahr? Finden Sie, in der Liga ist die Leichtigkeit etwas verloren gegangen?


Ich gehe ungern weg vom sportlichen Erfolg. Ich bin direkt, ich bin ehrlich und ich benutze nicht immer das netteste Vokabular. Beleidigend bin ich meiner Meinung nach nie. Respekt ist für alle vorhanden. Und ob ich die Eindrücke anderer Manager wahrnehme? Sicher. Manchmal leider erst im Nachhinein. Allerdings gibt es auch Manager, die sehr gut austeilen können, aber schwer einstecken. Dann wird es schwierig. Ob die Leichtigkeit verloren gegangen ist? Ich denke schon ein bisschen. Vor allem Cunego hat mit seiner skrupellosen Art sicher dafür gesorgt, dass alles deutlich verbissener geworden ist. Kotschi würde vielleicht sagen professioneller. Der Erfolg hat an Wichtigkeit zugenommen. Da ist es manchmal für Leute wie mich, die nur Spaß haben wollen etwas schwer, das zu akzeptieren. Aber solange das in geordneten Bahnen bleibt, ist es doch okay.

Ihre Leidenschaft für den holländischen Radsportteams ist außergewöhnlich. (Früher Radobank jetzt Jumbo-Visma) Man hört in Fachkreisen, Sie lesen sogar holländische News. Auch die DNS des Teams Jumbo-Visma haben Sie völlig übernommen. Nicht nur bei Nominierungen, sondern auch beim Talentscouting. Alles 1:1. Woher kommt nur diese Identifikation mit diesem Team?

Wenn ich Sport verfolge, muss ich mit einem Team miteifern können. Nichts ist langweiliger als ein Fußballspiel, wo einem die Teams scheißegal sind oder ein Radrennen ohne Jumbo oder andere Fahrer meines Teams.
Allerdings bist du noch nicht so lange hier. Früher war ich Telekom-T-mobile-HTC-Columbia-High Road Fan. Erst als die zugemacht haben, habe ich mich Rabobank und ihren Nachfolgeteams zugewandt. Aktuell bin ich damit auch mehr als zufrieden. Es gibt kaum ein professionelleres und dennoch familiäres Team als dieses. Komische Kolumbianer werden auch nicht verpflichtet.

Seien Sie mal ehrlich;) Worüber würden Sie sich mehr freuen? Über einen deutschen Tour de Francesieger oder über einen GT Rundfahrsieg von Roglic?

Sicher über den Sieg von Roglic. Ich fiebere nun mal mit Teams mit, nicht mit Fahrern. Ich würde mich auch bei der Formel 1 mehr über einen Sieg von Leclerc im Ferrari, statt eines Hülkenberg im Mercedes freuen. Was mich allerdings freuen würde wäre, dass der Radsport in Deutschland dadurch wieder einen höheren Stellenwert bekommen würde. Das wäre klasse. Aber wer soll denn die Tour de France gewinnen? Buchmann schafft das nie.

Am 18.08.2019 um ca. 10:54 gab die Pressestelle vom Jumbo-Visma eine „komische“ Nachricht bekannt.
„Gerüchten zufolge steht Manager Uhri bei Jumbo-Visma vor dem Aus. Grund dafür sollen anhaltende Probleme mit anderen Managern sein. Auch Ihr Führungsstil wurde zuletzt zunehmend kritisiert. Ein Nachfolger soll auch schon in den Startlöchern stehen. Und es ist kein Unbekannter...“
Was steckte hinter dieser Nachricht? War es eine Presseente?


Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass es mir viele glauben werden, aber ich war fest entschlossen, nach der Tour zu gehen. Mir wurde Mobbing vorgeworfen, ich soll meinen wichtigsten Menschen aus der Liga vergrault haben und die Rennen hatten wenig Spaß gemacht. Dazu wurde mir noch gesagt, ich würde es versäumen, meiner Verantwortung und meiner Arbeit als Admin nachzukommen.
Also ja, ich stand kurz davor zu gehen. Es gab letztlich aber ein klärendes Gespräch und hinter den Kulissen läuft es ruhiger. Die Tour dazu hat richtig Spaß gemacht, weil ich mit einer Scheiß-Egal- Haltung reingegangen bin. Ich war so oft abgehängt und es war mir einfach egal. Fahrerisch war da deutlich mehr drin bei Kruiswijk.

Kommen wir zu ein paar Fragen zu Ihren Kollegen.
Wie sehr trifft Sie der Rücktritt vom beliebten Manager Stefan?


Mich hat mehr getroffen, dass mir gesagt wurde ich sei der Grund gewesen, was einfach nicht stimmte. Stefan ist nicht nur ein Manager, Stefan ist das Herz der Liga. Ich weiß aber, dass er nicht aktiv in der Liga auf Dauer mitfahren möchte und das ist zu respektieren. Ihn ganz zu verlieren geht aber nicht, dann sperren wir lieber zu. Ein Mensch ohne Herz kann auch nicht leben. Ich kenne aber Stefan und weiß, dass er uns nicht hängen lassen wird.

Sie haben damals leichte Kritik an der Transferpolitik von Manager Gerd ausgeübt. Würden Sie jetzt sagen, dass Gerd mit dem kompletten Austausch seines Teams und der Gestaltung seiner Ziele alles richtig gemacht hat?

Ich würde sagen, Gerd hat mehr Glück als Verstand. Bis auf Fulgsang ist das doch auch alles nix. In diesem Jahr macht er allerdings einiges besser.

Sie als alter Hase im Radsportgeschäft Elite Liga haben schon große Namen kommen und gehen gesehen. Dominatoren gab es schon in verschiedenen Epochen. Viele behaupten der jetzige Überfahrer und Dominator Cunego wäre bzw. ist ein Jahrhundertfahrer. Teilen Sie diese Meinung? Und wenn ja, was ist der Unterschied von Cungeo zu den anderen Dominatoren von früher?

Cunego ist einer der drei Besten, die wir bisher hatten Da würde ich auch noch Ghosty und Stefan zu zählen. Was alle eint, ist der Ehrgeiz und die Bereitschaft, mehr Zeit als gewöhnlich in die Fahrweise zu stecken. Jedoch haben sich nicht alle an die Regeln gehalten. Cunego ist ein Meister darin, Grenzbereiche auszuloten, Ghosty hat Fehler im Spiel entdeckt, die wahrscheinlich nicht mal Cyanide kannte.

Was würden Sie dem jungen Manager Cunego in Zukunft wünschen? (3 Antworten stehen zur Auswahl)

- Eine tolle Freundin, die ihm viel Aufmerksamkeit und Energie kostet
- Empathie
- Weiterhin so viel Erfolg in der Liga


Ich würde ihm wünschen, dass er glücklich wird. Er wirkt immer so unglücklich auf mich. Ich glaube Empathie wäre ein Schlüssel dazu. Eine Freundin kann nie schaden. Cunego hat sogar Erfolg, selbst wenn er mit dem altem PC von Jonas spielen würde.

Der Eliteliga ist aufgefallen, dass Sie einen ganz besonderen Umgang mit dem Teamleiter FDJ Cookie haben. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Einige behaupten, dass hier zwei unterschiedliche Humorarten aufeinander treffen würden, die sich wie zwei Nordpole so wegdrücken. Andere behaupten, Sie sind ein wenig strenger mit Cookie weil Sie ein enormes Potenzial in ihm sehen, welches ihm gar nicht so bewusst ist. Würde er Frauen, dass Koks und Partyleben für das RSM Radsporttraining aufgeben, könnte er so viel mehr. Was stimmt denn jetzt? Oder ist die Elite Liga völlig auf den falschen Dampfer?

Cookie hat einen merkwürdigen Humor. Manchmal streifen sich unsere Humorarten, manchmal komme ich mit seinem Humor aber gar nicht klar. Und was seinen Urlaub angeht…soll ich ehrlich sein? Mich widert sowas an. Sicher auch ein Grund, nicht in der Whats-App Gruppe zu sein. Ein merkwürdiges Frauenbild und Drogen. Ne, das ist nicht meine Welt. Aber wenn es ihn glücklich macht, okay, er schadet ja niemandem außer sich selbst.

Wagen wir mal einen Blick in die Zukunft. Thema Kaderplanung. Werden schon Angebote für Marcel Kittel und Tony Martin vorbereitet?

Für Martin muss ich erst mal Geld einnehmen. Kittel wird sicher ablösefrei kommen, wenn er denn noch fahren möchte. Timmy ist einfach ein Gentleman.
Wann besuchen Sie das Rheinland und trinken mit Manager Toprider und Timmy ein Kölsch zusammen?
Lass uns in Düsseldorf ein Alt trinken. Ne, Spaß beiseite. Für mich ist wichtig, Liga und Privates zu trennen. Anders kann ich das nicht verkraften, ich bin ohnehin schon zu sehr mit dem Herzen dabei.

Was wünschen Sie der Elite Liga in Zukunft?
Gelassenheit und einen spielbaren neuen RSM.

Herr Uhri, ich danke Ihnen für dieses unterhaltsame und schöne Interview und drücke Ihnen für die Zukunft alle Daumen, dass Ihnen bald der ganz große Wurf gelingt. Es ist nicht mehr weit.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Mi Aug 21, 2019 6:15 pm

"Wäre ich eine ältere Frau, Timmy wäre genau mein Typ"

Jonas spricht im Interview über sein Heimrennen, seine Kaderstruktur und hat auch eine ideale Partnerin für Timmy parat.


Hallo Jonas, schön, dass ich dich so kurz vor deinem Heimrennen zum Interview begrüßen darf. Erzähl uns doch mal kurz, was für dich Hamburg als Stadt ausmacht und wie wichtig dir das Rennen ist.

Ja moin uhri, also für mich ist Hamburg eine der schönsten Städte der Welt. Überall sind Parks, Bäume und Flüsse. Alleine mit der Aster fließt ja ein Riesen Fluss durch die Innenstadt und an der Elbe kann man vom Strand aus den Hafen beobachten. Dazu hat sie viele Topsportveranstaltungen wie eben die Cyclassics. Also es wird nie langweilig in der Stadt. Jetzt zum Rennen, es ist für mich natürlich als Hamburger Bub ein besonderes. Obwohl die Vuelta nebenbei läuft kommen die Topsprinter in die Stadt und nebenbei gibt es immer ein schönes Rahmenprogramm mit Ständen, wo es immer was zu entdecken gibt. Dazu dann noch das Jedermannrennen, in der Stadt kann man also das ganze Wochenende Radsport erleben

Mit Andre Greipel hast du ja auch einen deutschen Sprinter unter Vertrag. Im letzten Jahr wurde er in Hamburg 11. Ist er in diesem Jahr erneut der Kapitän? Welche Ziele hast du bei dem Rennen?

Genau, dieses Jahr soll es aber besser laufen und wir wollen endlich mal in die Top 5 Fahren. Da er aber langsam abbaut müssen wir schon auf ne gute Form hoffen und die Position auf der Möckeberg darf nicht so beschissen sein wie sonst. (Gemeint ist die Mönckebergstraße, d.Red.)

Andre Greipel scheint mittlerweile etwas in die Jahre gekommen zu sein. Vor 2 Jahren holte er 12 Siege, im letzten Jahr 5 Siege, in diesem Jahr sogar nur noch einen Sieg. Ist seine Zeit langsam vorbei?

Er hatte dieses Jahr auch Pech, z.b hatte Gaviria am Anfang der Saison mit ihm Fitness. Aber jetzt ist er im Team um die jungen Wilden wie Alvaro Hodeg oder den neu dazugekommenen Kaden Groves im Sprint zu schulen.

Dein Team scheint, mit Ausnahme von Sosa und Hodeg etwas überaltert. Stimmt der Eindruck? Was wirst du dagegen unternehmen?

Man darf Dunbar und Stannard nicht vergessen. Aber in der Spitze ist man zu alt, das stimmt schon. Es steht aber gerade generell im Radsport ein Generationswechsel an. Um bei mir den Umbruch zu vollziehen will ich jetzt nicht in Panik verfallen und gleich meine jungen Fahrer für das erstbeste Angebot abgeben. Ich sondiere erstmal schön den Markt und gucke mir alles an was sich ergibt.

Letztes Jahr hattest du die Möglichkeit, Remco Evenepoel zu verpflichten, hast dich aber für Robert Stannard entschieden. Warum?

Wer hätte denn gedacht, dass er in der ersten Profisaison so rasiert? Wie alt ist der noch mal, 12?^^ Man hat sich bewusst für Robert entschieden und so hat man eine gute Beziehung zu Movistar aufgebaut, die ja auch was Wert sein kann.

Du hast ja auch vor allem aufgrund eines relativ günstigen Kaders eine Menge Geld übrig. Wofür möchtest du das ausgeben? Juckt es nicht manchmal, dieses Geld in einen Star wie z.B. Peter Sagan zu investieren?

Man hat sich ja z.B um Jakobsen bemüht. Aber so große Fahrer wie Sagan kosten ja nicht nur einmalig sondern sein Gehalt frisst ja schon gut mit fast 3mio (ohne die extra Kosten). Da ist schon mal schnell das Geld weg und so auf Krampf aus dem Minus zu kommen habe ich nicht noch mal vor.

Du sammelst jedes Jahr einige Siege, die ganz großen Erfolge bleiben aber aus. Woran liegt das? Was fehlt dir zu den Göttern?

Bin ich nicht laut Timmy der Sprintergott?:o Aber ernst, damit ich ne Gt oder so gewinne muss ich sie im Solomodus spielen. Grünsparen ist überhaupt nicht meins und bei den Klassikern? KSP ist mir viel zu viel Stress, deswegen hole ich mir keinen Kapitän dafür. Bleibt bei den ganz großen Rennen nur noch die hügelichen und da hatte man in der Vergangenheit entweder Pech oder nicht den besten Fahrer.

Du bist ja bekennender Nutzer von Tinder. Wenn du mal auf die Manager schaust. Bei wem würdest du auf jeden Fall nach rechts wischen? Gibt es vielleicht sogar einen Manager, mit dem du gerne mal Zimtsterne backen würdest?

Da ich immer alle nach rechts wische und später gucke was so gehen würde erübrigt sich ja die Frage. Aber Timmy würde ich ein Superlike geben. Der Junge ist der Hammer, wäre ich eine ältere Frau dann wäre er genau mein Typ :D

Du bist in der Liga auch dafür bekannt, auf kuriose Namen zu setzen. Welcher war bisher dein Lieblingsfahrer? Welchen Fahrer würdest du gerne mal in deinem Team sehen?

Da kann es nur einen geben: Backofen. Es gibt viele schöne namen z.b Kuss, Eisenhart oder Power.

Eine sehr persönliche Frage. Du bist, wie ich gut weiß, ein großer Fan vom RTL-Format „Schwiegertochter gesucht“. Was macht den Reiz der Sendung aus? Wer ist dein Lieblingskandidat?

Ach das gute deutsche Qualitätsfernsehen. Die Sendung ist einfach nur so schlecht, dass man drüber lachen muss und vielleicht auch wegen der Unbeholfenheit der Schwiegersöhne/töchter. Wie die mit den ausgewählten möglichen Partnern umgehen ist einfach herrlich. Und Lieblingskandidat? Uff, die Dauerbrenner wie die Engelfreunde, Sportfreund Ingo oder Beate. Aber da ich mal in der Paderborner Innenstadt das Postkartenmodel getroffen habe kann es nur Svenja sein.
(weitere Infos zu Svenja hier: https://www.youtube.com/watch?v=cwM1HB6Qswc)

Timmys ideale Freundin aus Schwiegertochter gesucht wäre…

Eine der Mütter. Über die wird ja nicht so viel berichtet, also kann ich ja jetzt leider keinen Namen nennen

Wie wäre es mit der Mutter vom Schlagerbarden?

Ich glaube mehr die von diesem Ossi (habe seinen namen vergessen). Die Mama hat immer schön für ihren Sohn gekocht, auch wenn es nur mal ne russische Suppe war. Aber sowas braucht Timmy, ne gute Seele die auch für ihn das Essen kocht

Timmy, damit du dir ein Bild machen kannst...
Bild
Danke dir. Viel Spaß beim Training

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Di Aug 27, 2019 11:26 am

"Dumme Sportler werden Zeitfahrer, die ganz Dummen Bergzeitfahrer"

Der Bruder von Pascal Ackermann erklärt im Interview, warum er keine Zeitfahrer mag, äußert eine Kampfansage an FDJ und berichtet über die größten deutschen Nachwuchshoffnungen

Buenos dias Akkez, die Vuelta steht als dritte GT vor der Tür. Für euch als spanisches Team ist das sicher das Highlight der Saison. Doch alle fragen sich: Wer wird Kapitän? Mas oder Valverde?

Buenos dias. Die Vuelta ist auf jeden Fall das große Highlight dieser Saison für unser Team. Haben sie schon mal etwas von der berühmten Dreizackstrategie von Movistar gehört? Wir legen dieses mal noch einen drauf und machen mit Valverde, Mas, Betancur und Reichenbach direkt vier Leute zum Kapitän. Wer am Ende dann ganz oben steht sehen wir, wenn wir wissen, wer sich am besten vorbereitet hat.

Mit so vielen derart großen Kapitänen kann das Ziel nur Vuelta Sieg lauten, oder?

Alles andere wäre eine Enttäuschung, ja.

Gibt es Schlüsseletappen, die du dir rausgesucht hast?

Vorab haben wir bereits einige Etappen besichtigt. Es ist eine sehr schwere Rundfahrt mit 11 ansteigenden Ankünften auf denen man wertvolle Zeit verlieren kann. Sollte es bis dahin nicht nach unseren Vorstellungen gelaufen sein kann man auf der 20ten Etappe mit Sicherheit ein Feuerwerk von uns erwarten.

22 Siege, dazu Platz 7 im Weltcup, das 1 Jahr nachdem das Team fast tot geglaubt war, damit kann man leben, oder? Wie sieht dein Zwischenfazit vor der Vuelta aus?

22 Siege ist eine Zahl mit der wir vor der Saison auf keinen Fall gerechnet haben. In den letzten Wochen lief es da wirklich hervorragend. Vor allem da wir uns in diesem Jahr fast nur auf den Weltcup konzentrieren. Der Schwanzvergleich interessiert uns quasi gar nicht. Mit Platz 7 können wir auch noch leben. Wobei wir während der Saison dort auch schon mal besser lagen. Da sind gerade durch die Tour, bei der unser Kapitän Remco nicht überzeugen konnte, einige Teams deutlich an uns vorbeigezogen. Wenn wir durch die Vuelta wieder um Platz 4 kämpfen können sind wir mit der Saison überaus zufrieden. Vor allem wenn man sieht mit was für einem Kader wir vor 2 Jahren noch unterwegs waren

Mit Remco Evenepoel hast du den Shooting-Star des Jahres verpflichtet. Wie siehst du seine Entwicklung? Was traust du ihm in naher und ferner Zukunft zu?

In meinem Team soll er zum Nachfolger der Legende Alejandro Valverde aufgebaut werden. Dafür sind wir auch bereit in naher Zukunft seinen Bro Ilan van Wilder ins Team zu holen. Damit werden wir auf Jahre unschlagbar sein. Der echte Remco scheint das größte Talent im Radsport seit Eddy Merckx zu sein. Der kann alles außer sprinten. Mit dem Sieg bei der Klassika San Sebastian im ersten Profijahr hat er eine unglaubliche Leistung gezeigt. Ich glaube mittlerweile erwartet jeder von ihm mehrere GT- bzw Toursiege.

Für die kommende Saison hast du Giacomo Nizzolo abgegeben und dafür Michael Mörkov verpflichtet. War das der Wunsch deines Bruders, einen richtigen Anfahrer zu bekommen? Wird auch noch nach Richeze Ausschau gehalten?

Nein Pascal hatte kein Mitspracherecht bei der Zusammenstellung des Kaders. Wenn das so wäre würden im Team nur Fahrer wie Marco Mathis, Marc Dörrie oder Michael Schwarzmann fahren. Bei Marco hatte er eine Chance bekommen, diese hat aber nicht funktioniert. Giacomo haben wir aber tatsächlich abgegeben, da wir nicht in der Lage waren das Rennprogramm von beiden Sprintern optimal aufeinander abzustimmen. Mit der Verpflichtung von Mörkov wollen wir aber den Sprintzug derart verstärken, dass wir in der nächsten Saison mindestens so viele Sprintsiege mit einem Sprinter einfahren können wie dieses Jahr mit 2 Sprintern. Zusätzlich hätten wir jetzt noch einen Platz um einem jungen aufstrebenden Sprinter wie Dainese eine Chance zu geben.

Du selbst bist ja als Pfleger im Nachwuchs tätig. Welche Generation von deutschen Fahrern wird als Nächstes folgen? Gibt es jemanden, auf den wir besonders gespannt sein dürfen?

Nicht ganz, mittlerweile habe ich eine sportliche Leiter Funktion. Allerdings nur noch in der U15 und nicht mehr in der U19 wie in den vergangenen Jahren. In der U15 kann man selten sagen wer mal ein guter wird. Nächstes Wochenende kann ich mir aber mal die U17 Nationalmannschaft aus der Nähe ankucken. Was den Nachwuchs in nächster Zeit angeht ist die aktuelle U19 wahrscheinlich die stärkste die es in Deutschland in den letzten 20 Jahren gab. Marco Brenner soll der bessere Remco sein. Maurice Ballerstedt und Michel Hessmann solten uhri mittlerweile auch ein Begriff sein. In der U17 soll Benjamin Boos auch kein schlechter sein
Von Niklas Märkl würde ich allerdings allen abraten.

Warum?

Weil er, nennen wir es beratungsresistent ist, und er, als er Vizeweltmeister in der u19 wurde schon seine maximale Leistungsfähigkeit erreicht hatte. Ähnlich wie ein Sivio Herklotz damals.

In deiner eigenen Karriere hat es nicht ganz zum Profi gereicht. Findest du das schade, oder siehst du es wie Marcel Kittel, dem das Ganze zu viel geworden ist?

Leider kann ich das nicht beurteilen, wie viel das für mich geworden wäre, weil damals Marcel in Queidersbach deutscher Meister wurde und nicht ich. Wenn ich bei Pascal sehe wie viel Spaß man als Radprofi hat, wäre ich schon gerne Radprofi geworden.

Du bist ja bekennender Hasser von Zeitfahrern und magst aber auch viele andere Radprofis nicht. Warum ist das so?

Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass ich nicht Radprofi wurde. In meiner Karriere war ich meistens nicht der Stärkste im Rennen. Wenn ich also gewinnen wollte musste ich cleverer sein. Sehe ich dann einen Fahrer, der scheinbar gut genug ist und dann die taktischen Grundlagen nicht beherrscht ärgert mich das, weil die viel mehr erreichen könnten. Zeitfahrer sind dafür der Prototyp, die können meistens einfach nur schnell fahren. Haben aber keine Ahnung in welchen Situationen oder an welchen Stellen im Rennen man auch mal eine Lücke aufmachen könnte. Mit anderen Worten Trottel. Oder wie einst ein Trainer aus Thüringen es fomuliert hat: Dumme Sportler werden Zeitfahrer, die ganz dummen werden Bergzeitfahrer.

Fällt es dir manchmal schwer im Schatten deines Bruders zu stehen und den öffentlich zur Schau getragenen Stolz der Omi auf den, der es in seiner Karriere geschafft hat, zu sehen?

An der Stelle erstmal alles Gute zum Geburtstag Omi. Ne Omi soll ruhig ihren ganzen Bekannten immer davon berichten wo er sich gerade rumtreibt. Was allerdings ab und zu merkwürdig ist, ist wenn ich als der Bruder von Pascal vorgestellt werde.

Kommen wir zurück zur Liga. Cookie hat als Manager des Giro Siegers Landa ja schon gezeigt, dass er GTs gewinnen kann und wird einer der Hauptkonkurrenten um den Sieg bei der Vuelta sein. Du allerdings scheinst nicht so eine große Meinung von ihm zu haben. „Den kann man doch eh nicht ernst nehmen“, schriebst du vor kurzem. Wie ist das zu verstehen?

Cookie ist Girosieger? Das wäre mir neu. Der ist doch beim Giro maximal die Flachetappen in der ersten Woche selber gefahren und da hatte er schon Rückstand. Danach habe ich den Giro gewonnen. Cookie stellt außerdem stolz seinen Drogenkonsum in der Liga zur Schau. Wie soll man da wissen was er unter Drogeneinfluss äußert und was er wirklich ernst meint?
Wir werden sehen was cookie kann wenn er 3 wochen selbst spielen muss. Landa sollte alleine von den Werten mindestens so dominant gewinnen wie Dumbo letztes Jahr

Einen Manager, den du, wie ich weiß, sehr magst, ist Timmy. Beschreib doch mal, was dir an ihm so gefällt.

Timmy ist einfach ein super positiver Mensch, der sich extrem über Kleinigkeiten freuen kann. Wenn Timmy sich freut muss man sich einfach mitfreuen. Ich bewundere positive Menschen, weil es das krasse Gegenteil zu mir ist.

Von deiner Presseabteilung hat man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört. Wurde sie aus Kostengründen eingespart?

Geld hätten wir, allerdings haben wir keine kompetenten Mitarbeiter gefunden. Allerdings gab es nach den KSP Rennen nicht mehr viel über das Team zu berichten. Alejandro war in der letzten Giro Woche doch eher enttäuschend. Zudem haben wir Angst, dass wenn wir über unsere Serie von Siegen der letzten Wochen berichten wir nicht mehr gewinnen. Über große Transfers können wir leider auch noch nicht berichten

"Noch"? Bahnt sich etwas an?

Es gibt keine konkreten Planungen. Das Konto gäbe allerdings noch einige Reserven her, falls sich ein gutes Angebot ergibt. Zudem haben wir in der Vergangenheit auch über unsere Verpflichtungen in der Auktion berichtet, hier haben wir uns bisher auch zurückgehalten

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Do Sep 12, 2019 7:25 pm

"Der Giro war stark wie nie besetzt"

Trek-Manager Rocky spricht mit uns über seine Ära als Rockmusiker, reflektiert die Zeit, in der er abspecken musste und erzählt uns warum er eine Zwiebelpizza nur mit Chili und Bacon isst

Howdy Rocky, beginnen wir mit einer einfachen Frage. Wie kamst du denn auf den Namen Rockyefo und was bedeutet er?

Das war dem Zufall geschuldet als ich mich 2003 bei der damaligen Onlineplatform zum RSM anmelden wollte und mir der Name Rocky vorgeschlagen wurde. Das Kürzel EFO war der Rufname meiner damaligen Band " Euphoric Fallout ". So ergab sich der Name Rockyefo. Wer nun wissen möchte was wir so dargeboten haben ,dem kann ich sagen, dass wir zur Fraktion der langhaarigen ,wilden Truppe gehörten die am liebsten harte Musik spielten. Unter anderem haben wir unser Repertoire mit Songs von Limp Bizkit , Rage against the Machine oder " Wolle " Wolfgang Petry aufgehübscht. Natürlich war das Cover von Wolle nur als Gag gedacht und wurde durch brachialen E-Gitarrensound aufgewertet. (Wir haben wirklich alles versucht, um ein Bild der Band zu finden, leider waren alle Artikel zur Band hinter Bezahlartikeln versteckt. Wer ein Bild oder sogar Soundproben findet darf sie gerne einstellen!)

Bei uns betreust du, wie wir alle wissen, das Team Trek-Segafredo. Ist es auch in echt dein Lieblingsteam? Hast du überhaupt ein Lieblingsteam oder Lieblingsfahrer?

Dieses Team stand mir damals zur Auswahl , das andere war glaube ich Lotto Soudal. Da ich aber schon damals eher auf Rundfahrten stand und ich Valverde als einer der wenigen Fahrer überhaupt noch namentlich kannte war die Wahl recht einfach. Ich muss dazusagen, dass ich mit dem Untergang von Jan Ullrich etwas die Lust am Radsport verloren hatte und ich kaum noch Rennen verfolgt habe. So ging das einige Jahre bis ich wieder aktiv wurde, weil es mich eines Abends juckte und ich hier gelandet bin.
Ich habe nicht explizit ein Lieblingsteam , aber man konnte lange Zeit erahnen, dass ich einen Faible für Movistar hatte. Valverde ist aktuell noch immer mein Lieblingsfahrer und damit hat man dem Team immer die Daumen gedrückt.

Kurzer Rückblick zur vergangenen Saison. Da warst du zwar sportlich erfolgreich, wirtschaftlich ging es dem Team aber nicht so gut. Dann hast du unter anderem durch den Verkauf von Valverde und den einbau von Talenten ordentlich Geld eingespart. Würdest du sagen, du hast da alles richtig gemacht?

Ich musste deutlich abspecken und so musste ich einige Stars ziehen lassen. Der Abgang von Valverde tat am meisten weh , war aber die richtige Entscheidung. Ich freue mich auch für den jetzigen Manager Akkez, der bestimmt noch Spass an Piti , sowohl Online als auch in der Realität hat. Aktuell sehe ich keinen Fahrer der auch nur annähernd an ihn rankommt.

Ich weiß, dass du Wert auf GTs legst. Kannst du da mit dem zweiten Platz beim giro und dem achten Platz bei der Tour de France zufrieden sein?

Der Giro war stark wie nie besetzt (!!!). Natürlich will man gewinnen , aber bei der Konkurrenz kann man das nicht fest einplanen. Bei der Tour de France war Herrada als Ausreißer und Käpitän eingeplant. Da aber die Fahrweise im Peloton so fürchterlich war musste ich auf Uran umswitchen um zumindest noch eine Top Ten Platzierung zu holen.
Den Spruch, dass Dillier zu gefährlich in der Ausreissergruppe sei und die Gruppe wieder eingeholt werden musste wird man nicht mehr vergessen ... Dillier !!!
Ich kann mich noch an Duelle mit Dani erinnern wo es nahezu Stillstandsversuche unter den Favoriten am Berg gab. Da hat es keinen interessiert wer die Etappe gewinnt oder ob mal einer das Gelbe Trikot vorübergehend abgeben musste. So sollte es eigentlich sein . So macht das " Racing " Spaß.

Was denkst du eigentlich, wenn du mit Carapaz+2 gegen Majka +1 um den Vuelta Sieg konkurrierst?

Das dürfte die schwerste Frage sein ! Also eigentlich mag ich gar keine Zwiebelringe auf der Pizza , aber garniert mit ein paar Chilliraspeln und einer Note Bacon sind auch diese der absolute Traum.

Du hast es bemerkenswert geschafft, aus einem Team vieler alter Leute auch einige Talente einzubringen. Eins davon ist Lennard Kämna. Wie ich hörte gab es da viele Angebote. Was war denn das höchste Angebot und warum hast du es dennoch abgelehnt?

Ach ich denke über solche Dinge sollte man nicht im Detail sprechen. Da wäre vieles für mein Team machbar gewesen , aber mein mittelfristiger Plan war seit den Abgängen einiger Stars auf Talente zu setzen , weil es zum einen Spass macht zu beobachten wie sich die Jungs entwickeln und ob man die richtige Nase hatte. Zum andern man nicht jedes Rennen wahrnehmen muss um den Kader zusammen zu halten und dennoch seinen Spass an der Liga und den Rennen am TV hat. Das wird sich hoffentlich auch mal wieder ändern und man möchte wieder angreifen.
Kämna scheint jetzt auch langsam die Hoffnung die ich in ihn gesetzt habe umzusetzen. Warum sollte ich ihn dann hergeben ? Er hat ein großes Talent was ihn weit bringen kann.
Ich bin jedenfalls überzeugt von ihm.

Bei Rennfahrern sagt man, dass mit jedem Kind der Speed abnimmt. Bei dir scheint es, dass mit der Geburt deines Kindes zumindest die Ruhe abgenommen hat. Wir alle vermissen dich, deinen Nachbarshund und das Geschrei im ts. Wann kommst du wieder?

Da der Nachbar nicht mit uns mit umgezogen ist kann ich für das Gebell nur selber sorgen :lol:. Ich komme wieder sobald es um mich rum etwas ruhiger ist. Teilweise bin ich während den Rennen mehr auf Achse um den kleinen zu bespaßen oder die Milch für ihn zu machen. Da stört ein Headsetkabel , dazu ist es wahrscheinlich als lebensgefährdend einzustufen.

Was ist für dich nerviger? Gegen Cunego Rennen zu fahren oder mit Rene Transfers zu machen?

Cholera oder Pest ? Vermutlich sich mit Rene auf ein Transfergespräch einzulassen. Man sollte eigentlich wissen wie es ausgeht und dennoch überkommt einem alle 2 oder 3 Jahre diese Schwäche und man bereut es um so schneller. Das ist wie nach einer durchzechten Nacht : Nie wieder Alkohol !!! Alle 2 bis 3 Jahre passierts dann doch wieder ...

Wenn dir Bike Nairo Quintana ablösefrei anbieten würde…

Vielleicht habe ich nur ein falsches Bild von Quintana . Vielleicht ist er gar nicht so ein Ichbezogenes Wesen und vielleicht ist er doch intelligenter als ein zu lange gegrilltes Toastbrot , aber ich würde definitiv ablehnen. Seine Körpersprache auf dem Rad ist genauso im Minusbereich wie seine Phrasen die er jedem Journalisten um die Ohren haut.
Für mich wirkt er wie ein Fremdkörper im Fahrerfeld. Leider auch in seinem aktuellen Team. Ich dürfte nicht derjenige sein der mit ihm zusammenarbeite müsste.

Akkez würde gerne wissen, warum du manchmal so negativ eingestellt ist. Liegt es daran, dass du bei der Arbeit ein Ineos Trikot tragen musst?

Das Ineos Trikot habe ich gegen ein anderes Trikot getauscht. Das liegt nun schon ein paar Jahre zurück. Die Firma hat heute noch unter der damaligen Herrschaft des Kollegen Ratcliffe zu kämpfen. Eine widerliche Type. Warum bin ich negativ eingestellt ? Weil ich keine Wertschätzung gegenüber Sprinter habe ? Für mich sind das genauso divenbehaftete Typen wie die Neymars und Ronaldos dieser Welt. Das mag nicht für alle eintreffen , aber da gabs schon einige die denken, dass sie die größten wären. Ich habe mich immer gefragt was die eigentlich leisten. 200km im Pulk fahren und die Nase 200 Meter in den Wind stecken und sich abfeiern lassen. Bei der nächsten Asphaltblase sofort die Rundfahrt verlassen. Ich habe für meinen Teil andere Ansprüche, aber jedem das seine.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Mi Okt 09, 2019 9:01 pm

"Cookie ist eine Transferkrake"

Morich im Interview über coole Stunden mit Kittel, sein Saisonfazit und warum er nur dank Akkez Dainese geholt hat.

Hallo Morich, oder soll ich lieber Vincent sagen? Du bist jetzt schon einige Zeit in der Liga und doch kenne ich dich noch nicht so gut. Erzähl doch mal was über dich. Wie alt bist du, wo wohnst du, was arbeitest du etc.

Lieber Uhri, vielen Dank für die Einladung zum Interview. Das Format gefällt mir sehr gut!
Morich ist mein geläufiger (Spitz-)Name, den ich seit 20 Jahren trage. Also gerne Morich!
Dass du mich nicht so gut kennst, liegt wohl daran, dass ich mich eher als teilnehmenden Beobachter in der RSM Familie sehe. Viele der anderen Manager kennen mich auch nicht wirklich besser. Dennoch fühle ich mir sehr wohl in der Liga. Ich werde mir vornehmen, öfter den Teamfunk zu besuchen.
Zu mir:
Ich, also Morich bzw. Vincent, 29, ledig, keine Kinder, mit Schulabschluss und zwei Wohnsitzen: Einmal in der Heimat (Quedlinburg), im schönen Harz! Der andere in Leipzig, wo ich auch arbeite (öffentlicher Dienst im Bereich des geförderten Breitbandausbaus, also das was so gut funktioniert ;)).
Ansonsten ist in diesem Rahmen vielleicht interessant zu wissen, dass ich selber Hobbyradler bin und seit circa 10 Jahren Rennrad fahre bzw. Triathlon mache. Persönlich ereignisreichstes Radsporterlebnis war eine spontane Kurzausfahrt mit Marcel Kittel durch Erfurt und ein Bier mit ihm auf einer WG Party.

Als Manager betreust du das Team Bahrain Merida, welches du 2016 noch unter dem damaligen Namen IAM übernommen hast. Wie hast du dich und wie hast du das Team seitdem weiterentwickelt?

Persönliche Leistung:
Das Niveau in der Liga ist extrem hoch und ich sehe mich hier als Union Berlin der Liga. Meine Managerfähigkeiten im Spiel sind ausbaufähig. Vereinzelt hau ich mal einen raus. Das passiert komischerweise des Öfteren in weniger guten Fitnessphasen. Wahrscheinlich täte mir ein Workshop von Cunego mal gut. Absolutes Highlight war der Sieg beim Prudential RideLondon-Surrey Classic 2018 mit Rick Zabel.

Team:
In der Spitze habe ich mich kaum verändert. Ich habe damals ein gutes Klassikerteam übernommen und bisher nur ein paar ältere Leistungsträger abgegeben. Auf dem Transfermarkt bin ich weniger risikofreudig, deswegen habe ich keine größeren Talente in den Reihen, bin jedoch in der Breite ganz gut aufgestellt. Teure Talente waren (bisher) nie wirklich was für mich. Vielleicht ein Fehler? Mit Dainese habe ich mir mal was gegönnt und hoffe auf den „Return on Investment“. Gerne würde ich mein Team mit mehr Italienern besetzten, da ich finde, dass ein italienisches Team in der WT fehlt.

Dein Team kommt ohne große Topstars aus und besticht eher durch eine breite Spitze. Stimmst du dem zu? Wie zufrieden bist du mit deinen Kapitänen?

Dem stimme ich zu (siehe oben)! Mit Naesen bin ich diese Saison zufrieden. Mit Colbrelli komme ich meistens gar nicht zurecht. Mit Pozzo habe ich einen GC Fahrer für die Top 10/Top 5 der Spaß im Game macht. Nach seinem realen Sturz entsteht hier eine große Baustelle, da ich befürchte, dass der Sturz gleichzeitig sein zeitnahes Karriereende bedeutet. Ansonsten verfolge ich die Strategie weiter, ein breit gefächertes Team ohne Topstars zu haben, da ich ungerne in die Favoritenrolle schlüpfe.

Oliver Naesen hat mit einem dritten Platz bei Gent-Wevelgem und einem dritten Platz beim GP Quebec für die Topresulate im Team gesorgt und du belegst derzeit Platz 15 im Weltcup. Wie zufrieden bist du mit deiner Saison?

Meine Saison lief nicht zufriedenstellend. Es war ein Mix aus Zeitmangel, Unfähigkeit, Abwertungen meiner Fahrer sowie des gestiegenen Niveaus der Manager, wie ich finde. Top 10 im Weltcup ist jedes Jahr mein großes Ziel, welches ich jedoch noch nie erreicht habe und dieses Jahr in besonders weiter Ferne liegt.

Nun steht die Lombardei-Rundfahrt vor der Tür, das letzte Monument der Saison. Ein Rennen für Pozzovivo?

Pozzo wird als Kapitän an den Start gehen und hoffentlich in die Top 10 kommen, dass er hat er sich verdient!

Du hast bisher nicht sonderlich viele Transfers getätigt. Woran liegt das? Ist noch etwas zu ewarten?

Ich werde weiter Ausschau halten aber nichts übers Knie brechen. Italiener sind willkommen, aber auch das werde ich nicht erzwingen.

Bei den Auktionen hast du dir für sehr viel Geld Alberto Dainese gesichert. Was hat dich dazu bewogen 3,1 Millionen auszugeben?


Im Interview von Akkez wurde ich auf Dainese aufmerksam und da ich sowieso mein Team italienisieren möchte, passte das ganz gut. Schmerzhaft war die Summe, ich wollte allerdings nicht leer ausgehen. Dainese soll mittelfristig in die Rolle von Colbrelli schlüpfen, der gerade etwas schwächelt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Transfer mit Restalkohol getätigt wurde (Ich kam von einem langen Hochzeitswochenende).

Stephen Williams war letztes Jahr eines der begehrtesten Talente. Was war in dieser Saison mit ihm los?


Bitter für Fahrer und Manager. Stephen hat eine Knieverletzung und befindet sich in Reha. Der Vertrag wird definitiv gehalten und alle Parteien hoffen auf baldige Rückkehr.

Wie oft wurde dir Alexis Vuillermoz angeboten?

Cookie ist eine Transferkrake, aber alles im fairen professionellem Rahmen.

Was erwartest du dir von der kommenden Saison?

Ich denke, dass die nächste Saison noch schwieriger für mich wird. Ich werde mehr +2 Phasen verteilen müssen. Ansonsten alles wie gehabt: Ich bleibe mit Spaß dabei und hoffe auf Außenseitersiege.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » So Okt 20, 2019 12:30 pm

Die Interviewserie ist mit dem Saisonende beendet, ich möchte nun gerne ein kleines Feedback dazu, wie es euch gefallen hat. Dazu habe ich eine Umfrage eingefügt.

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Re: uhri trifft....World Tour Manager

Beitrag von uhri » Mo Okt 21, 2019 8:45 pm

Freut mich, dass es euch so gut gefallen hat. Für nächstes Jahr schaue ich mal, wie sich das Format entwickeln lässt. Immerhin wissen wir ja nun schon eine Menge über euch, außer vielleicht über den mysteriösen eduard, von dem ich privat nur weiß, dass er einen Schnurrbart trägt.

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