Israel Start-Up Nation 2021

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Timmy1983
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Israel Start-Up Nation 2021

Beitrag von Timmy1983 » Mo Jan 25, 2021 7:25 pm

[glow]Interview mit dem Manager Timmy[/glow]

Ich grüße Sie Timmy (Manager vom Team Israel Start Up Nation) Was haben Sie so in der freien Radsportzeit so getan?

Ich danke Ihnen für das heutige Gespräch.
Ich habe die radsportfreie Pause gut genutzt. Ich muss aber auch ein wenig vom Radsport abschalten und den Tank wieder aufladen. Nach der Vuelta merkte man doch, dass die Saison sehr lang und hart war. Jetzt ist man gut ausgeruht, hat den Kader für die Zukunft gut aufgestellt, und die Lust zum Managen ist wieder voll da! Es kann also wieder losgehen 😊


Wo Sie gerade das Thema „Kader für die Zukunft“ erwähnen. Sind Sie mit den Transfers zufrieden?


Ja, auf jeden Fall! Wir müssen immer noch den Kader verjüngen aber auch gleichzeitig Qualität einkaufen. Wir wollen den nächsten Schritt in unserem Karriereplan erledigen und dazu gehört es in der Breite besser zu werden! Dieses Team ist sehr abhängig von Vincenzo Nibali. Leider wird Nibali nicht jünger, und wir befürchten, dass er jetzt wirklich im Spätherbst seiner Karriere ist. Corona hin oder her. Zakarin macht weiterhin eine sehr schwierige Phase in seinem Leben durch. Deswegen mussten wir uns in der Breite verstärken damit Druck von diesen Fahrern abfällt und die Zukunft dieses Team gesichert ist. Das plötzliche Karriereende von Marcel Kittel konnten wir immer noch nicht auffangen.


Ist der Transfer von Enric Mas Ihr Königstransfer?


Natürlich, er ist unser Kapitän für die Zukunft. Wir sind alle froh, so einen Fahrer verpflichten zu können. Für Enric haben wir unsere ganze Sprintabteilung aufgegeben. Aber das war es uns Wert. Enric ist ein sympathischer Fahrer, der jedes Jahr ein wenig besser geworden ist. Er ist mit beiden Beinen fest auf dem Boden und wird uns mit seiner Konstantheit sehr weit nach vorne bringen. Enric Mas ist nach Roglic der Fahrer, der bei zwei GT Rundfahrten jeweils ein Top 10 Ergebnis erreicht hat. Bei der Tour und bei der Vuelta jeweils 5ter geworden. Nur der absolute Superstar Roglic hat eine bessere Bilanz. Tourzweiter und Vueltasieger (bezieht sich alles auf die Wirklichkeit). Aber auch unsere anderen Transfers erfüllen uns mit Freude, aber es stimmt, Enric Mas ist unser Königstransfer.


Was sind die Ziele 2021?


Wie Sie erkennen, hat sich Israel sich völlig auf die Rundfahrten festgelegt. Wir wollen bei den großen GTs auf das Podium und bei den mehrtägigen WT Rennen unter die Top 10 fahren. Es soll beim Ranking unter der Rubrik Weltcup weiter nach oben gehen. Israel hat in den letzten 3 Jahren viel gelernt, und jetzt wollen wir das letzte Drittel im Ranking Weltcup verlassen. Israel wächst und die Liga weiss das auch. Mein Neffe wird irgendwann ein Top Team erhalten wie es zurzeit Lotto, Team Bike Exchange und Jumbo hat.


Das sind große Ziele, Timmy. Sie wissen, dass es zurzeit 7 Fahrern mit einem Kletternwert von 79 gibt. Es gab noch nie so eine große Anzahl von 79 Kletterer in Ihrer Amtszeit. Ist Ihnen das nicht bewusst?


Doch natürlich. Ich könnte auch einfach sagen, ich fahre hier um den 8 Platz in der Gesamtwertung. Aber wir sind hier in der EliteLiga!


Wer sind die Gewinner und wer sind die Verlierer bei der jetzt jährigen Transferphase?


Die Liga und die Liebe zum Radsport sind die großen Gewinner.
Viele große Teams haben den kleinen und mittleren Teams bei den Transfers geholfen. Vielleicht aus unterschiedlichen Gründen, aber im Endeffekt geholfen.

Gucken Sie doch nur mal. Landa zu Jonas, Roglic zu Daniel, Evenpool zu Gerd, Lopez zu Toprider, Bernal zu Morich und auch Mas zu uns. Ich habe das Gefühl, dass die Topteams den kleineren etwas helfen wollten. Somit ist die Liga enger zusammengerückt. Es lag aber auch daran, dass die großen Teams mit der Favoritenrolle immer schwieriger zurechtkommen. Bei einigen Managern ist diese Belastung zu viel geworden. Bestes Beispiel ist unser Rehkitz Cungeo, er ist mit seinen Erfolgen in diesen jungen Jahren einfach nicht mehr klargekommen. Er hat für uns seinen Mannschaftswert halbiert und trotzdem hat er noch den stärksten Kader (unglaublich). Bei Cookie war es ähnlich, dieser Junge, der alles hat und dieses Jahr noch mehr angreifen könnte, wollte ebenfalls den Druck von sich fernhalten. Schade, er hätte die Ära Cungeo eventuell 2021 beenden können. Aber nicht ohne Landa ☹

Bei Jumbo war es ein wenig anders. Natürlich hasst Uhri den Druck, aber zu seiner Transferphilisophie/Vereinsphilosophie trennt er sich oft von Fahrern, die sich gerade auf dem Höhepunkt befinden. Somit holt er das meiste heraus und hat dabei immer das richtige Händchen für den zukünftigen Ersatz. Für mich der Manager der letzten drei Jahre bei den Transfers.

Und dann haben wir noch den Faktor Bike, Bike hat einige Topfahrer für nicht so großes Geld an seine Konkurrenten abgegeben. Fahrer wie Dennis sind für Manager wie Stefan natürlich eine Win Win Situation. Basti muss wegen Zeitproblemen ebenfalls ein wenig ausdünnen, somit konnte Lopez zu Toprider wechseln. Alles im letzten Jahr passiert. Die Liga ist somit zusammengerückt und es kann sich in der Hierarchie einiges verändern.



Sie haben es schon angesprochen, der große Gott Cungeo hat seinen Marktwert halbiert. Kann ein anderer Manager Cunego jetzt vom Thron stoßen?


Mein persönlicher Tipp wäre dafür unser Frauenheld und Sunnyboy Cookie. Aber auch Bike oder Basti, die aber aus diversen Gründen ihre Kaderstärke reduziert haben. Jetzt fällt mir der Taktikerfuchs Rene ein. Ein unberechenbarer Manager, mit unglaublich viel Erfahrung und einer unglaublichen Gabe des Grünsparens. In der Kaderspitze ist er breit aufgestellt, ja er hat das Zeug dazu Cunego Paroli zu bieten. Dieses Jahr hat Cungeo der Liga ein Geschenk gemacht und seinen Marktwert halbiert, verstehen Sie mich nicht falsch, er hat trotzdem noch den besten Kader, allein das zeigt uns, dass wir hier gegen den Allvater fahren, aber so nah werden wir in den nächsten 50 Jahren nicht mehr an ihn herankommen.



Sie haben es schon angesprochen. Ist der Druck in dieser Liga zu krass geworden?


Ja, es ist halt die Eliteliga. Für einige ist es einfach zu viel geworden. Es ist ein Haifischbecken. Wenn ich hier del Torro zitieren darf: „Das ist hier kein Ponyhof“



Sie haben jetzt die beiden erfolgreichsten GT Fahrer im Kader, aber auch die ältesten (in der Wirklichkeit). Wieso vertrauen Sie so alten Fahrern.



Oh ja, und darauf sind wir auch sehr stolz. Bei uns im Team heißt es immer noch, Alter ist nichts Negatives. Hier in der Liga wird es immer mehr zum Trend „Kinder“ zu kaufen. Wenn diese Kinder bis zum 22 Lebensjahr noch keine GT gewonnen haben, werden sie schon als Versager abgestempelt. Diesen Trend geht Israel nicht mit. Im Gegenteil, hier bei uns erhalten ältere Fahrer, die absolut im Spätherbst wenn nicht sogar im Dezember ihrer Karriere stehen, eine zweite oder sogar dritte Chance. Z.B. gibt es kaum noch einen Manager, der Fahrer wie Aru, Zakarin oder Froome eine Chance geben würde. Wir denken aber hier, wenn alle Bedingungen nochmal optimal sind, wieso sollen diese o.g. Fahrer nicht nochmal zu einer Top-Leistung kommen. Besonders das Projekt Froome wird mit Spannung von uns verfolgt. Ein siebenfacher Grand Tour Fahrer kann nochmal zurückkommen. Wenn der Fahrer aber auch durch neue Bedingungen (wie ein neues Umfeld) sich nochmal verändern will. Bei diesen Fahrern ist das der Fall. Wir glauben, dass der Wechsel von Zakarin zu Gazprom, der Wechsel von Aru zu Team Qhubeka Assos und natürlich der Wechsel von Froome zu Israel neue Kräfte wecken könnte. Somit könnte man eine Win Win Situation schaffen. Mit Nibali gehen wir jetzt ins dritte Jahr, und wir wissen, was er für uns schon alles geleistet hat bzw. was er insgesamt so in seiner Karriere erreicht hat. Wir hoffen, er hat noch ein gutes GT Jahr. Wenn nicht, werden wir ihn für neue Aufgaben vorbereiten. Das Kapitel Nibali ist noch nicht zu Ende geschrieben. Hierzu ist noch zu sagen, dass einige Teams Ihre eigenen Nischen und Philosophien haben und unsere ist halt, Karrieren, die einen Knick haben, noch eine Chance zu geben.


Apropos Philosophie, bleibt es bei der Synergie?


Aber natürlich, dieses Jahr wollten wir zuviel. Nach dem Vuelta Sieg 2019 wollten wir wissen, wo wir wirklich stehen. Wir haben gedacht, für uns gibt es keine Grenzen oder Hindernisse mehr. Wir haben also in der Saison 2020 alles auf die Tour gesetzt. Am Ende haben wir mit Nibali eine Bergetappe gewonnen, sind auf dem Tour Podium gelandet und haben die Mannschaftswertung gewonnen. Aber wenn wir ehrlich sind, konnten wir den Toursieger Roglic nie in Schwierigkeiten bringen. Wir sind mit ca. 6.30 hinter dem überragenden Toursieger gelandet. Das muss sich ändern. Das wird noch ein weiter Weg, aber mir ist auch bewusst, dass mir im Leben nie sofort etwas geglückt ist. (Früher bei unseren Championslegaue Fifaturnieren habe ich 5 Jahre benötigt, um endlich mit Juventus Turin diesen Titel zu holen. In den ersten drei Jahren bin ich sogar nicht einmal aus den Gruppenspielen herausgekommen. Aber durch konstante Arbeit ist man immer besser geworden. Mein Cousin ist mit seiner gewissen Leichtigkeit sogar direkt bei seiner ersten Teilnahme ins Finale gekommen. Aber das nur mal kurz als Rückblick 😉 )
Also durch konstante Arbeit konnte ich immer meine Erfolge erreichen und der Toursieg wird irgendwann mal geholt, wir müssen nur gezielt und konsequent weiter an diesen Traum arbeiten.


Wieso haben Sie jetzt neben der Klassikerfraktion auch die Sprintfraktion geschlossen?


Es stimmt, wir haben jetzt keinen reinen Sprinter mehr. Dafür gibt es zwei Gründe. Um den Mastransfer realisieren zu können, mussten wir Nizzolo und Sprinttalent Moschetti abgeben. Diese Bedingung mussten wir erfüllen, sonst hätten wir Mas nie bekommen. Ich denke, das kann jeder nachvollziehen, dass wir das machen mussten.

Bouhanni mussten wir opfern damit Altmeister Froome zu uns wechseln konnte. Nachdem wir Nizzolo schon abgegeben hatten, haben wir uns gedacht, dann machen wir die Sprintabteilung ganz zu.

Das liegt aber auch am zweiten Grund. Die Sprintstärkenverteilung. Irgendwie ist das System der Sprintverteilung noch nicht so richtig sinnvoll und transparent. Gefühlt haben Nizzolo und Bouhanni in der Wirklichkeit ein richtig gutes Jahr 2020 gehabt. Aber in der Sprintverteilung spielte es sich nicht wieder. Das führte zu Frustration. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich denke Kotschi ist mit der neuen Vergabe auf den richtigen Weg, allerdings wollten wir warten, bis sich das auch im Managerspiel widerspiegelt. Aber in Zukunft wird es wieder einen starken Sprinter geben, die Leidenschaft zu sprinten macht unglaublich Spaß. Aber dieses Jahr fahren wir nur auf Gesamtwertung.


Wie wird sich das auf das Ranking „Etappenerfolge“ auswirken?


Leider sehr negativ. Wir befürchten, dass wir nicht mehr als 8 Etappensiege holen werden. Aber das muss man uns nachsehen. Denn unsere Sprintabteilung sorgte immer dafür, dass wir uns im oberen Etappensiegranking aufgehalten haben.


Einigen ist aufgefallen, dass Sie Ihr Budgetlimit noch nicht erreicht haben?


Das Team Israel ist unter meiner Führung ein wenig konservativer. Wir werden keine unnötigen Risken eingehen. Außerdem benötigen wir immer etwas länger, um auf neue Gegebenheiten einzugehen. Gerade als wir dieses ganze Finanzsystem sowie Prämien verstanden haben, wurde es umgeändert. Damit wir nicht auf unerfreuliche Ereignisse treffen, behalten wir lieber etwas Geld in der Hinterhand. Auch wenn uns andere Manager empfohlen haben, das Geld auszugeben.
Z.B. wissen wir, dass das Team Israel in den drei Jahren kaum Prämien eingefahren hat. Wir gehören also somit bei dieser Einnahmequelle zum letzten Drittel. Trotzdem mussten wir den alten Kader des damaligen Team Katusha verjüngen. Das ist uns schon gut gelungen, jedoch noch nicht in der Spitze. Aber daran arbeiten wir noch, Enric Mas war nur der Anfang. Außerdem glauben wir, wenn sich die ganze Coronasituation wieder gelegt hat, die Marktwerte sich erheblich steigern werden auch deswegen wollten wir ein paar Mio. in der Hinterhand haben. Somit können wir auf bestimmte Situationen gut reagieren, und trotzdem sind wir stetig ein wenig besser geworden. Vergessen Sie bitte nicht, vor fast 4 Jahren haben wir das alte nicht so finanziell gutaufgestellte Katusha Team übernommen. Unsere damaligen Superstars mit Kittel und Zakarin sind dann noch in ihre persönlichen Krisen geraten. Zakarin baute von Jahr zu Jahr ab und Marcel Kittel wollte sich nicht mehr quälen.


Der Liga ist auch aufgefallen, dass Ihr Talentscouting sich erheblich verbessert hat.


Erstmal danke schön für dieses Kompliment. Es stimmt, das mussten wir aber auch. Für diesen Radsportmanager ist das Finden von Talenten unglaublich wichtig, um maximalen Erfolg zu haben! Manager wie Cunego oder jetzt auch Uhri wären ohne diese Komponente nie so erfolgreich geworden. Dieses Sammeln von Informationen war für uns schwierig, wir mussten Fahrer beobachten, die noch nicht einmal 18 waren, die noch gar keinen Profivertrag hatten. Aber ich denke, wir können seit der Benennung von Magnus Sheffield, den nur ein paar Manager auf den Zettel hatten, wirklich sagen, wir können jetzt bei den Großen mitspielen. Durch das Ändern des neuen Draftsystems sind wir für die Zukunft ganz gut aufgestellt und Israel begrüßt das neue Scoutingsystem! Somit haben auch die kleinen Teams die Chance, die großen Talenten zu bekommen. Dass Supertalente jetzt für 10 oder 7 Mio. wechseln, ist kein gutes Zeichen für die Schere „Reich und Arm“.


Sie scheinen im Umfeld der Managerliga nicht allzu beliebt zu sein? Keiner hat Ihnen zum Geburtstag gratuliert!


Ich vermute es auch. Aber wie Cungeo auch immer sagt. „Der Hass und Neid der anderen ist die größte Anerkennung für einen Manager.“ Ich vermute, weil ich nicht so viele Israeliten im Kader habe, beim Giro nur für Nizzolo gefahren bin und dabei die Ziele von anderen kaputt gemacht habe und Zakarin nicht an Stefan abgegeben habe, bin ich bei einigen Managern untendurch. ☹


Timmy, ich danke Ihnen für das Interview, noch eine letzte Frage. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?


Irgendwann will ich mit meinem Cousin bei der Tour um den Gesamtsieg fahren. Dabei greifen wir abwechselt an und können somit Cunego in die Knie zwingen 😊

Und einen Aufstieg bei Teamcheck von Daniel.

Das ist wirklich ein schöner Traum. Hoffentlich erfüllt er sich. Bis bald Timmy!
Sieger der Volta a la Comunitat Valenciana
Sieger der Tour de la Provence
Sieger Vuelta a Andalucia Ruta Ciclista Del Sol

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