Vorschau Tour de France 2020

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toprider
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Vorschau Tour de France 2020

Beitrag von toprider » So Jul 05, 2020 12:00 pm

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The same procedure as every year. Herzlich Willkommen zur diesjährigen Vorschau der Tour de France 2020 der Sportredaktion von Kasachstanskaja Prawda.

Gesamtwertung: Bild

**** Bernal
*** Roglic, Pinot
** Nibali, Dumoulin, Mollema
* Barguil, Landa, Sivakov, Bardet

Endlich ist es wieder soweit. Die Grande Boucle steht vor der Tür und es wird der Nachfolger von Tom Dumoulin gesucht, der sich letztes Jahr vor Thomas und Froome durchsetzen konnte. Dieses Jahr ist der Titelverteidiger auch der einzige des letztjährigen Favoriten Trios, der wieder an der Startlinie steht. Doch seine Chance auf die Titelverteidigung stehen nicht sonderlich gut. Nach seinem Teamwechsel von Lotto zu Mitchelton-Scott ist der Niederländer noch nicht wirklich in Fahrt gekommen. So konnte Dumoulin sowohl keine Rundfahrt gewinnen als auch beim Giro verpasste er das Podest als 4. knapp. Ein weiteres Fragezeichen dürfte hinter seiner Form stehen, da er wohl kaum in Topform zu erwarten ist, von daher wird er dieses Jahr wohl eher um die Top 5 als um den Sieg kämpfen auch wenn man Rene nie unterschätzen sollte.

Die Favoritenrolle liegt somit bei jemand anderem, nämlich dem ehemaligen Team von Dumoulin, Lotto Soudal, die mit Egan Bernal den haushohen Favoriten auf den Toursieg stellen. Das ganze Team ist auf Bernal und den Gesamtsieg ausgelegt und Bernal will in seinem letzten Rennen für Lotto den großen Wurf landen wollen bevor er als keine der Säulen das Team verlassen wird. Bernal bestätigte mit einer unfassbaren Vorstellung bei der Dauphine, dass er in einer bestechenden Form ist. Mit Sivakov sollte Bernal zudem einen Edelhelfer der Extraklasse an seiner Seite wissen, der wahrscheinlich, wenn er auf eigene Rechnung fahren dürfte selbst die Top 5 angreifen könnte. Dieses Szenario ist aufgrund der Sturzanfälligkeit vom Soudal Team auch nicht auszuschließen.

Die größten Gegner für Bernal und sein Team dürften Roglic und Pinot sein. Roglic dürfte von allen der kompletteste Rundfahrer sein, dem aber die fehlenden Zeitfahrkilometer weniger in die Karten spielen werden. Zudem verfügt Roglic vor allem am Berg über keine große Helferriege. Vieles wird von Gesink abhängen, zudem das Team mit Weltmeister Boasson Hagen und van Aert auch noch andere Ziele verfolgen wird. Anders bei Pinot: Sein Team verfügt wahrscheinlich über die stärkste Helferriege, die ihm vor allem im Hochgebirge lange zu Seite stehen wird. So wird mit Mikel Landa der diesjährige Girosieger als Edelhelfer an seiner Seite sein und die Rollenverteilung von Giro umgekehrt werden.

Für Synergien ebenfalls bekannt ist das Israel Cycling Team. Dort ist mit Nibali ebenfalls ein heißer Anwärter aufs Podium am Start. Mit Zakarin, den letztjährigen Vueltasieger, steht ein starker Edelhelfer an seiner Seite und die beiden sind dafür bekannt die Synergien zu nutzen. Was Nibali am Berg im Gegensatz zu den anderen Favoriten fehlt will der Manager mit Leidenschaft und Wille ausgleichen. Ob das klappen wird darf aber bezweifelt werden. Schließlich ist die Tour nochmal ein deutlich härteres Pflaster als die Vuelta.

Bleiben im erweiterten Favoritenkreis noch Mollema, Barguil und Bardet übrig. Mollema sollte von den drei durch seine stärken bei den mittelschweren Etappen die größten Chancen haben vorne reinhalten zu können. Jedoch wird das Team mit Ziele wie Etappensiegen und dem grünen Trikot auf mehreren Hochzeiten tanzen und von daher bleibt es abzuwarten ob er von seinem Team die nötige Unterstützung bekommt. Auch großteilig auf sich allein gestellt sein wird Barguil, der über wenig gute Helfer am Berg verfügt. Doch der Lokalmatador wusste bei seiner Tour Vorbereitung mit seinem Sieg am Mont Ventoux zu überzeugen. Zudem zeigte er mit einem 9. Platz beim Giro eine solide Leistung.
Bleibt aus unserem Favoritenkreis nur noch Bardet. Doch darf Bardet auf die Gesamtwertung fahren? Wir glauben es nicht. Er wird wahrscheinlich auf Bergwertung und Etappensiege setzen. Doch sollte er doch auf die Gesamtwertung fahren ist er ein Fahrer den man im Auge behalten sollte.



Bergwertung: Bild

*** Bardet
** Kwiatkowski, Kuss
* Hirt, Vuillermoz, Pedrero

Die Bergwertung ist und bleibt die am schwersten vorauszusagende Wertung von allen. Topfavorit dürfte der letztjährige Gewinner Bardet sein, der sich vermutlich wieder ganz dem gepunkteten Trikot verschreiben wird.

Doch wer wir sein Gegner sein? Wir werden uns hier nicht auf die Gesamtklassementsfahrer konzentrieren, auch wenn klar ist, dass der Kannibale Bernal durchaus das Potenzial hat sich auch diese Wertung zu krallen. Wir wollen den Fokus Fahrer und Teams legen die wohl nicht um den Gesamtsieg kämpfen werden. Kwiatkowski wäre für uns ein Kandidat, wenn sich bestätigt, dass Dumoulin nicht die Form hat um um den Gesamtsieg zu kämpfen. Danach könnte das Team auf andere Ziele umschwenken also warum nicht die Bergwertung? Ähnlich bei EF. Das Team besteht aus vielen starken Fahrern die in fast allen Wertungen eine Rolle spielen könnten. Warum sollte sich nicht ein Sepp Kuss auf die Bergwertung konzertieren? Das Potenzial sich das Trikot zu holen hätte er.

Auch bei Astana darf man gespannt über die Zielausrichtung sein. Man hat zwar einige starke Kletterer dabei doch für die Gesamtwertung dürfte es nicht reichen. Vielleicht wird das gepunktete Trikot zu einem Ziel und mit Hirt sehen wir einen geeinigten Kandidaten dafür.

Beliebt ist die Wertungen ja auch bei Lokalmatadoren und bis jetzt wurde mit Bardet erst einer genannt: Zeit einen zweiten zu nennen. Transferlegende Vuillermoz wäre da doch einer für die Wertung. Das Team Bahrain hat ein sehr solides Team am Start ohne einen Topfavoriten dabei zu haben. Da könnte die Bergwertung als Ziel auch in Frage kommen zumal sich Vuillermoz wahrscheinlich gerne den Franzosen präsentieren wird. Bleibt noch Pedrero. Trek scheint die Tour nicht wirklich als Ziel zu haben, aber sollte Pedrero Form haben könnte er seine Freiheiten nutzen um in dieser Kategorie auf sich aufmerksam zu machen.


Sprintwertung: Bild

*** Ewan
** Groenewegen, van Avermaet
* Kristoff, Cort, van Aert

Sprints bei der Tour hieß letztes Jahr Viviani gegen Gaviria. Doch dieses Jahr fahren beide beim selben Team und keiner von beiden ist dabei. Zwar ist die Tour nicht sprinterfreundlich, und selbst der Kannibale Bernal könnte hier die Wertung holen, doch einen von beiden hätten wir zumindest am Start erwartet. So heißt das Duell in den Sprints dieses Jahr Ewan gegen Groenewegen. Beide Teams sind komplett auf die beiden Sprinter ausgelegt. Ewan dürfte was besser über die Hügel kommen dafür hat Groenewegen mit Mezgec und Richeze die besseren Anfahrer. Zwar dürften die beiden die Sprints unter sich ausmachen, und man darf gespannt sein ob sie nächstes Jahr dann auch im selben Team fahren, doch ob sie das grüne Trikot holen werden ist nicht sicher.

Mit van Avermaet hat sich ein gefährlicher Gegner das grüne Trikot als Ziel ausgesucht. Selbst letztes Jahr war er nicht weit von grün entfernt und das diesjährige Profil dürfte auf ihn noch besser zugeschnitten sein. Über Ausreißergruppen wird er versuchen die nötigen Punkte zu holen. Ähnliches könnte CCC mit Cort vorhaben (wenn man Ewan nicht genug Vertrauen schenkt) oder auch Jumbo mit van Aert. Auch nicht zu unterschätzen ist Kristoff, der für Celeb und Dylan der größte Gegner sein wird. Jedoch wird ihm sowohl im Sprint als auch in den Ausreißergruppen ein wenig fehlen um sich am Ende das grüne Trikot mit nach Hause zu nehmen.


Nachwuchstrikot: Bild

*** Bernal
** Sivakov, Gaudu
* Knox, Power, Cras

Leider ist in der Nachwuchswertung kein großer Kampf um den Sieg zu erwarten. Mit Bernal steht der Topfavorit auf den Toursieg auch in der Nachwuchswertung ganz oben auf dem Favoritenboard. Seine Gegner sind mit Sivakov und Cras zum Teil im eigenen Team oder wie Gaudu und Power bei FDJ in einem Team, dass mit Pinot auch andere Ziele verfolgen wird als die Nachwuchswertung. Einzig Knox könnte, wenn er in Form ist, seinen Freiheiten nutzen und sich weit oben in der Nachwuchswertung platzieren.


Wir freuen uns auf eine spannende und hoffentlich für alle schöne Tour de France. Danke an alle Stagebauer die die Tour auch dieses Jahr wieder möglich gemacht haben.

Viel Spaß bei der Tour!

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